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CD-Besprechung

Johann Kuhnau

Complete Sacred Works Vol. 6

cpo 555 305-2

1 CD • 58min • 2019

21.12.2020

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Johann Kuhnau (1666-1722) ist bekanntermaßen der Vorgänger Bachs als Thomaskantor, hat in dieser Funktion 21 Jahre gewirkt und so viel komponiert, dass in seinem Nachruf stand, es „mag wohl schwerlich zu zelen seyn“. David Erler, der Herausgeber seiner Werke im Verlag Breitkopf & Härtel und Altus dieser Aufnahme, behauptet, dass Kuhnaus Kirchenkompositionen die „seines Amtsnachfolgers Johann Sebastian Bach quantitativ in den Schatten gestellt haben dürfte“. Erhalten haben sich aber nur etwas mehr als 30 „Kirchenstücke“. All dies vermerkt aufmerksam das Booklet der vorliegenden CD, die in der Reihe „Johann Kuhnau - Complete Sacred Works“ beim Label cpo als Folge VI erscheint. Gregor Meyer möchte mit seiner opella musica und der camerata lipsiensis alle Kuhnau-Werke bis zum Jahre 2022 aufgenommen haben – dem Jahr, in dem sich Kuhnaus Todestag zum 300. Mal jähren wird. Die Gesamteinspielung aller erhaltener geistlichen Werke will „den Komponisten aus der Ecke des ‚Musicalischen Horribilicribrifax‘ herausholen“ und ihn als „Polyhistoris in arte Musica“ vorstellen, als der er seinerzeit gerühmt wurde.

Hübsch instrumentierte Himmelsfreuden

Zwei großbesetzte Himmelfahrts-Kantaten umrahmen drei kammermusikalisch besetzte Kantaten italienischer Prägung und zeigen „die Pole der großen Bandbreite von Kuhnaus Schaffen“ auf, wie es im Booklet steht. Allerdings wirkt der fünfköpfige Solistenchor, so fein und homogen er auch singt, in den Himmelfahrts-Kantaten arg dünn gegenüber den auftrumpfenden Pauken und Trompeten, immerhin soll der Chor ja die lobsingendem Engelsheere symbolisieren. Hübsch malen dafür die agil phrasierenden Blockflöten in der Alt-Arie die Himmelsfreuden und ebenso hübsch symbolisiert die Oboe d’amore die Seele, die sich in Jesu Schoß bergen möchte. Die Solisten artikulieren den Text affektenreich und deutlichst.

Der Choral Ach! Herr, lass dein lieb Engelein in der Kantate Lobet, ihr Himmel, den Herrn zeigt dann doch den großen Unterschied zwischen einem Kuhnau und seinem Nachfolger im Amt, Johann Sebastian Bach: Im Vergleich zu Bach wirkt der Choral so, wie Johann Adolph Scheibe Kuhnaus Stil beschrieben hat, nämlich bisweilen als „sehr oft matt, ohne gehörige poetische Auszierungen, und folglich hin und wieder prosaisch“. Man darf eben nicht an Bach denken, weil der jenseits aller Vergleiche ist.

Mystische Devotionsmusik

Durchgängig beschwingte Freude herrscht in der Kantate Ich freue mich im Herrn mittels Chorkoloraturen und bewegter Melodik in einer Mischung aus Rondo-Form und Concerto-Aria-Kantate, jeder Solist darf miteinstimmen in die Freude.

Ausgesprochen fein gearbeitet sind zwei weitere Kantaten: In der Kantate Bone Jesu, care Jesu liebt die gläubige Seele Jesus in exaltiertem Maße: Sie brennt für Jesus, verzehrt sich für ihn und will sterben für ihn – der als Antwort seine Eingeweide öffnet und Küsse darbietet: ein Beispiel für mystische Devotionsmusik. Zu glühenden Geigenklängen singt die Sopranistin Heidi Maria Taubert klar und innig. Instrumental und vokal durchaus virtuos zeigt sich die Solokantate Laudate pueri: Als Solo-Instrument taucht da die Posaune auf, begleitet von in Skordatur zu spielenden Violinen – alles höchst reizvoll. Der Tenor Tobias Hunger bleibt bei aller überschäumenden Lobesfreude immer leicht in der Tongebung – und damit doch etwas zu zurückhaltend.

Rainer W. Janka [21.12.2020]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Johann Kuhnau
1Ihr Himmel jubilirt von oben 00:12:19
6Bone Jesu, care Jesu (Geistliches Konzert zum 13. Sonntag nach Trinitatis) 00:08:41
7Ich freue mich im Herrn 00:12:52
8Laudate pueri Dominum 00:08:45
14Lobet, ihr Himmel, den Herrn 00:14:31

Interpreten der Einspielung

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