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CD-Besprechung

The Flute Sonatas by Martinus Ræhs

arcantus arc 20015

1 CD • 68min • 2019

24.01.2021

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

Martinus Ræhs (1702-1766) wurde in der dänischen Kleinstadt Horsens als Sohn des Meisters der Stadtpfeifer geboren. Sein Vater wurde später Chef der Ratsmusik in Aarhus und vererbte diese Stelle seinem Sohn. Dessen Hauptinstrument war die Traversflöte, die er – wenn man von den 13 überlieferten Sonaten für dieses Instrument ausgeht – ähnlich virtuos beherrschte wie seine Zeitgenossen Michel Blavet und Johann Joachim Quantz. Da er sich von 1723-26 in London aufhielt, ist anzunehmen, dass er dort die Bekanntschaft Händels, Francesco Geminianis, Francesco Barsantis, der Loeillets und wohl auch seines schwedischen Kollegen Johann Helmich Romans machte.

Galante Virtuosität

Ræhs‘ Sonaten finden sich in zwei Handschriften. Eine mit 7 Sonaten befindet sich in der Königlichen Bibliothek Kopenhagen, die andere mit 6 Sonaten in der Mecklenburgischen Landesbibliothek Schwerin. Sie dürften zu den virtuosesten Flöten-Kompositionen des 18. Jahrhunderts gehören. Dies liegt einerseits daran, dass der Komponist – ähnlich wie J. S. Bach in seinen Sonaten in e- und h-moll – den Umfang bis fis3 und g3 ausweitet, was Quantz vermied, und viele der damals wohl zumeist improvisierten Verzierungen ausnotiert. Von der Erfindung liegen sie etwa auf einer Ebene mit Blavet und Quantz, reichen jedoch nirgends an Bach und Söhne heran. Galante Unterhaltungsmusik also, die auf hohem spieltechnischen Niveau plaudert.

Stupendes Blockflötenspiel zu höchst inspiriertem Continuo

Clara Guldberg Ravn spielt die Sonaten nicht auf dem Traverso, sondern auf einer Voice Flute, d.h. einer Blockflöte in D, die man als tiefe Alt- oder hohe Tenor-Flöte ansehen mag. Sie entspricht im Umfang der barocken Traversflöte und war besonders in England und Frankreich populär, da man auf ihr die Literatur für die langsam dominierende Querflöte spielen konnte. Hierzu musste man als Alt-Flötist anstatt des normalen Violinschlüssels Bass-Schlüssel lesen und der Vorzeichnung 3 Bs bzw. die entsprechenden Auflösungszeichen hinzufügen. Das ist in diesem Zusammenhang wichtig, weil eine der Sonaten in c-moll steht, was auf der Traverse bereits recht unangenehm ist, auf einer Voice Flute aber das grifftechnisch extrem komplizierte es-moll ergibt. Vermeintliche Blockflötenstars der Oberlinger-Temmingh-Steger-Klasse dürften sich daran die Finger verbiegen. Clara Guldberg Ravn hingegen meistert diese Tour de force mit der Souveränität ihrer skandinavischen Kollegen Michala Petri und Dan Laurin, bei dem sie studierte. Da gibt es keine Nebengeräusche bei komplizierten Griffverbindungen oder unfreiwillige Rutscher, die durch Wiederholung zu gewollten Verzierungen umgedeutet werden. Höchst elegant gelingen auch die Spitzentöne, für die teilweise das Schallloch mit dem Oberschenkel verschlossen werden muss. Das bruchlos und ausgesprochen tonschön in einem Lauf hinzubekommen, zeugt von einer stupenden Technik.

Einen erheblichen Anteil an der lebendigen Wirkung dieser Einspielung hat die formidable Countinuo-Gruppe mit Anna Paradiso, Jonas Nordberg und Mats Oloffson. Paradiso wechselt zwischen Cembalo und Fortepiano, Nordberg zwischen Erzlaute und Barockgitarre. Durch diesen farbigen und in der Realisierung der Bezifferung ausnehmend phantasievollen, den Affekt mitvollziehenden Gegenpart gelingt einer Debütantin die musterhafte Ersteinspielung hochvirtuoser Sonaten. Das weckt Vorfreude auf die noch ausstehenden 7 weiteren Sonaten!

Aufnahmetechnisch ist lobend hervorzuheben, dass die Continuo-Gruppe nicht in den Hintergrund verbannt wurde und dadurch ein Klangbild entstand, dass die kompositorische Arbeit nachvollziehbar macht. Der Booklet-Text enthält alle wünschenswerten Angaben zu Komponist, Werk, Interpreten den gespielten Instrumenten und sogar der eingesetzten Technik. Vorbildlich!

Fazit: Hochvirtuoses und trotzdem selbstverständlich wirkendes, außerordentlich musikalisches Blockflötenspiel. Blockflötisten: Staunen und Weiterüben. Alle anderen: sich an brillanter Unterhaltungsmusik erfreuen. Klare Empfehlung!

Thomas Baack [24.01.2021]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Martinus Ræhs
1Sonate Nr. 1 A-Dur für Flöte und B.c. (aus der Giedde-Sammlung) 00:10:48
5Sonate Nr. 2 D-Dur für Flöte und B.c. (aus der Giedde-Sammlung) 00:10:27
8Sonate Nr. 3 c-Moll für Flöte und B.c. (aus der Giedde-Sammlung) 00:12:32
11Sonate Nr. 5 G-Dur für Flöte und B.c. (aus der Giedde-Sammlung) 00:14:55
15Sonate Nr. 6 C-Dur für Flöte und B.c. (aus der Giedde-Sammlung) 00:10:37
18Sonate Nr. 7 A-Dur für Flöte und B.c. (aus der Giedde-Sammlung) 00:08:46

Interpreten der Einspielung

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