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CD-Besprechung

Bach

Trio Sonatas

Ars Produktion ARS 38 582

1 CD • 63min • 2020

18.04.2021

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 6
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 6

Im Vergleich zu seinen Zeitgenossen hat Johann Sebastian Bach die Trio-Sonate in ihrer klassischen Form mit zwei Diskantinstrumenten und Basso Continuo geradezu auffällig vernachlässigt. Dies verwundert umso mehr, als es sich um eine höchst populäre Gattung handelte, die den Verlegern von den Liebhabern geradezu aus den Händen gerissen wurden. Sicher belegt sind nur die hier eingespielte Sonate BWV 1039 durch ihre wahrscheinlich zweite Fassung für Viola da Gamba und das Trio aus dem Musikalischen Opfer BWV 1079. Offensichtlich notierte Bach solche Texturen lieber für ein Soloinstrument mit obligatem Cembalo oder für die Orgel allein, wobei dahingestellt sei, ob diese Werke möglicherweise die endgültige Fassung bereits vorhandener – jedoch verschollener – Kompositionen darstellen. Auch könnten Unterrichtsgepflogenheiten hier eine Rolle gespielt haben.

Arrangements oder Etiketten-Schwindel?

Zwei der hier eingespielten Werke stammen wohl definitiv nicht von Johann Sebastian. Die C-Dur-Sonate BWV 1037 wird in mehreren Abschriften Johann Gottlieb Goldberg, dem Namensgeber der „Aria mit 30 Veränderungen“, zugeschrieben. Möglicherweise handelt es sich hier um eine Kompositionsaufgabe, zu der der Lehrer den Bass vorgab und die Anweisung erteilte, einen kontrapunktisch dichten Trio-Satz mit doppeltem und dreifachem Kontrapunkt daraus zu entwickeln. Die Lösung ist zwar satztechnisch sauber, fällt jedoch noch etwas steif aus. Die d-Moll-Sonate BWV 1036 ist auf dem Titelblatt mit „Trio ex Db Violino et Clavecin obligé di Mons. Bach“ bezeichnet, wobei ein merkwürdiger Wechsel zwischen lateinischer und deutscher Schrift auffällt. Auch die Notation der rechten Hand im Violinschlüssel ist für Vater Bach extrem ungewöhnlich. Everett Helm und Christoph Wolf sehen daher in diesem Werk eine Frühfassung des Trios Wq 165/H 569 für Flöte, Violine und B.c. von Filius Carl Philipp Emanuel. Das würde auch die Ausweichungen bis nach b-Moll erklären, die für den neapolitanisch-galanten Stil charakteristisch sind und um 1725 modisch wurden. Da die Gambensonate BWV 1027 eine leicht erweiterte Fassung der Triosonate BWV 1039 ist, dachten die Interpreten, sie könnten mit den beiden Schwesterwerken analog verfahren. Dies geht jedoch nur bedingt auf, da hier die Alt-Basslage der Gambe offensichtlich bereits im Sinne einer organistischen „Tierce en taille“ Bestandteil des Satzgefüges ist. Eine solche Fassung könnte für Flöte, Oboe da caccia und Continuo reizvoll sein, verliert auf zwei Flöten jedoch erheblich an farblichem Reiz.

Böhmflöte contra Traverso

Ana Oltean und Kaspar Zehnder verwenden auf ihrer CD moderne Böhm-Flöten und verzichten auf eine Verstärkung der Basslinie ihres Cembalisten Vital Julian Frey durch ein Streichinstrument. Daraus folgt, dass sie sich tonlich zurückhalten müssen, wodurch ihr Spiel – trotz flotter Tempi – ein wenig gebremst daherkommt. Das liegt unter anderem an der Gestaltung langer Töne, die brav, aber ohne Zielrichtung ausgehalten werden. Hier fehlt mir – wenn das Instrument schon kein Fingervibrato (Flattement) zulässt – ein flexibles Atemvibrato oder eine Messa di Voce. Warum übernimmt man in BWV 1039 nicht die reichen Artikulationsbezeichnungen der Gambenfassung und spielt deren Staccati als bieder-breite Portati? Warum verschenkt man diverse Echoeffekte? Warum verzichtet man im „corellisierenden“ h-Moll-Präludium aus dem Wohltemperierten Klavier 1 auf die Wiederholungen und bläst alles textgetreu ohne „willkürliche Veränderungen“ herunter?

Die Aufnahmetechnik frappiert zunächst durch die Wohnzimmerakustik, an die man sich jedoch schnell gewöhnt. Sie legt damit das Geschehen gleichsam unter eine Lupe, was riskant ist, da es jede kleinste Ungenauigkeit hörbar macht. Der Booklet-Text des Kollegen Huchting beschreibt die komplexe Quellenlage – wohl im Sinne der Interpreten – gekonnt nebulös.

Fazit: Eine zwiefach enttäuschende CD. Einerseits ist weniger Bach drauf, als die vielen BWV-Nummern vermuten lassen – warum nicht gleich „Bach und seine Schüler“? Andererseits wirkt die Interpretation ausschließlich aufgeräumt und ordentlich, jedoch auch seltsam unentschieden.

Thomas Baack [18.04.2021]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Johann Sebastian Bach
1Triosonate G-Dur BWV 1039 00:11:27
5Triosonate C-Dur BWV 1037 00:10:27
9Sinfonia a-Moll BWV 799 00:01:30
10Triosonate d-Moll BWV 1036 00:10:23
11Präludium h-Moll BWV 869 00:03:15
12Sonate Nr. 2 D-Dur BWV 1028 00:12:49
18Sonate Nr. 3 g-Moll BWV 1029 00:12:30

Interpreten der Einspielung

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