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CD/SACD stereo/surround-Besprechung

Béla Bartók

Bluebeard's Castle

BIS 2388

1 CD/SACD stereo/surround • 60min • 2020

14.04.2021

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

An die Bühnenaufführungen von Béla Bartóks einziger Oper, dem Einakter Herzog Blaubarts Burg (1911), die ich im Laufe der Jahrzehnte gesehen habe, ist meine Erinnerung weitgehend verblasst, was an den Inszenierungen gelegen haben mag, ein bisschen aber auch im Stück selbst begründet liegt. Handelt es sich dabei doch um ein symbolistisches Seelendrama ohne nennenswerte äußere Handlung. Das eigentliche Drama findet im Orchester statt, und die Guckkastenbühne hat nur unzureichende Mittel, um der Vielfalt der Bilder und Farben, die in der Partitur heraufbeschworen werden, gerecht zu werden. Mehr und mehr behilft man sich deshalb mit Filmprojektionen. Für die Klangbühne jedoch ist diese Oper eine ideale Vorlage, lässt sie doch diese Bilderwelten gleichsam vor dem inneren Auge des empfindsamen Hörers entstehen. Das erklärt auch die relativ hohe Zahl von Einspielungen, die auf dem Markt erhältlich sind. Noch immer maßstäblich, obwohl in deutscher Sprache gesungen, ist die DG-Aufnahme unter Ferenc Fricsay (mit Dietrich Fischer-Dieskau und Hertha Töpper). Wer auf die Originalsprache Wert legt, wird zu den Decca-Alternativen unter István Kertész oder Georg Solti greifen. Letztere war zugleich der Soundtrack zu einem spannenden ungarischen Fernsehfilm in der Regie von Miklós Szinetár (1981), in dem die junge Sylvia Sass eine kinoreife Darstellung der Judith bot.

Unerschöpfliche Klangpalette

Der Herausforderung dieser historischen Mustereinspielungen stellt sich nun eine neue Aufnahme aus Helsinki, ein Zusammenschnitt mehrerer öffentlicher Konzerte vom Januar des vergangenen Jahres. Hier erleben wir die Oper als ein faszinierendes Tongemälde mit obligaten Singstimmen. Unter dem energiegeladenen Dirigat von Susanna Mälkki, die einen großen Spannungsbogen schafft, entfaltet das Helsinki Philharmonic Orchestra eine schier unerschöpfliche Palette an Farben, die hinter jeder der sieben geöffneten Türen neue Klangwunder offenbart. Und wird damit Bartóks Partitur gerecht, die hier wirklich alle Register zieht. Zu den subtilen Holzbläser-Soli und dem imposanten Auftritt der Blechbläser kommen Harfe, Celesta und Orgel sowie viel Schlaginstrumente vom Xylophon bis zur Trommel zum Einsatz. Vor allem in der Schatzkammer und im verborgenen Garten entstehen dabei Klangbilder von schillernder, beinahe schmerzender Schönheit.

Zu passive Sänger

Blaubart und Judith sind mit eher lyrischen Stimmen besetzt, die zwar sehr gepflegt geführt werden, aber kaum individuellen Ausdruck wagen. Die Figuren scheinen sich fatalistisch in ihr Schicksal zu ergeben. Wo in Szinetárs Film ein regelrechter Liebeskampf zwischen Sylvia Sass und Kolos Kováts stattfindet, singen hier Szilvia Vörös und Mika Kares eher unbeteiligt aneinander vorbei. Bei Sass ist Judith eine selbstbestimmte und starke Frau von königlicher Ausstrahlung, Vörös (eine Schülerin von Sass) begnügt sich mit der submissiven Rolle und gerät dort, wo sie aufzubegehren versucht, nämlich vor dem Öffnen der siebenten Türe, an stimmliche Grenzen. Kares eher hell getönter Bass vermittelt wenig von der Düsterkeit des Blaubart-Charakters, erscheint in seinem Liebeswerben um Judith eher als ein rechter „Softie“. Wären die sängerischen Leistungen dem Orchesterspiel ebenbürtig, man könnte von einer echten Referenzeinspielung sprechen.

Ekkehard Pluta [14.04.2021]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Béla Bartók
1Herzog Blaubarts Burg op. 11 Sz 48 01:00:30

Interpreten der Einspielung

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