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CD-Besprechung

Intersection

Ensemble Clazzic

Solo Musica SM371

1 CD • 39min • 2018

07.11.2021

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Jazzmusiker hatten oft unsterbliche kompositorische Ideen. Andererseits waren auch große Komponisten, etwa Mozart, leidenschaftliche Improvisatoren. Warum also nicht mal der verbindenden Essenz auf den Grund gehen? Flötistin Martina Silvester, Pianistin Susanna Klovsky sowie Alex Bayer am Kontrabass und Schlagzeuger Thomas Sporrer vollführen auf dieser CD solch fliegende Wechsel denkbar souverän und fördern dabei so manche Erkenntnis zutage. Im Sinne des für diese CD gewählten Titels „Intersection“ werden Themen aus Barock, Klassik und früher Moderne fantasievoll mit Jazzimprovisationen kurzgeschlossen. Was in zwei Latin-Nummern und mehr noch in der von den Ensemblemitgliedern selbst in Auftrag gegebenen Clazzic Suite viel mit forschender Durchdringung und kreativer Unterwanderung zu tun hat.

Unterhaltsam und beschwingt sorgt zu Beginn eine Milonga des Brasilianers Exequiel Mantega für Lockerheit, später wird eine Milonga von Pedro Laurenz und José María Contursi zum ebenos beschwingten Abschluss führen. Beide Stücke stehen für die Südamerika-Affinität von Susanna Klovsky und Martina Silvester – und sie umrahmen den

Haupt-Programmpunkt der CD, jene Clazzic Suite des deutsch-israelischen Komponisten Uri Brener. Deren fünf Stücke zeigen auf vielfältige Weise auf, wie Harmonien und improvisatorische Exkurse aus dem Jazz verblüffend logisch an komponierte Themen einschlägiger großer Meister andocken – was in manchen Momenten so schlüssig und

plausibel wirkt, als würden komplexe Rechenaufgaben klardefinierte Lösungen finden.

Originelle, raffinierte Verwandlungskunst

Das Thema von Claude Debussys Syrinx-Suite ist eine raffiniert zusammengesetzte Tonfolge, die auch für den Jazz funktioniert, was in diesem Spiel auf virtuose Weise deutlich wird. Das Stück Walking' Bachwards schöpft aus sich selbst heraus eine fließende, polyphonische Textur, die wiederum Johann Sebastian Bachs Triosonate BWV 1039 den Boden bereitet. Wie flexibel und wendig das Ensemble Clazzic aufspielt, zeigt sich auch im Folgenden, wenn sich das Quartett musikantisch-raffiniert in die Bearbeitung einer mittelalterlichen Saltarello hinein stürzt. Ähnlich raffiniert, wie Debussys Syrinx-Thema in einen dynamischen Modern Jazz hinein führt, mutiert auch das Thema aus Strawinskys Ballettmusik Der Feuervogel in einen kleinen Geniestreich in Sachen origineller Verwandlungskunst. Und der große Bill Evans, jener stilprägende Modern-Jazz-Pianist verkörpert doch im tiefsten Sinne wiederum Mozartsche Qualitäten, worüber das Finalstück der Clazzic Suite mit dem vielsagenden Titel „Amadevans“ Zeugnis ablegt.

Unterhaltsam und virtuos sind sie, diese hintergründig humorvollen Verwirrspiele zwischen Klassik und Jazz, raffiniert die zahlreichen Interaktionen zwischen Flöte und Piano, bei denen es sich alle Beteiligten nicht nehmen lassen, es im exaltierten Solo-Break auch mal krachen zu lassen. Zugleich beherrschen sie auch alle Tugenden des klassischen Musizierens, wozu eben auch fein abgestimmte Crescendi gehören.

Stefan Pieper [07.11.2021]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Exequiel Mantega
1Milonga Camarga 00:02:48
Uri Brener
2The Clazzic Suite 00:32:01
Pedro Laurenz
7Milonga de mis Amores 00:04:01

Interpreten der Einspielung

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