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CD-Besprechung

Christian Fink

Lieder und Klavierwerke // Songs & Works for Piano

hänssler CLASSIC HC21037

2 CD • 2h 19min • 2018, 2021

14.01.2022

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Wer war der ehrwürdige Rauschebart, der den Käufer des vorliegenden Doppelalbums aus dem Konterfei eines Stuttgarter „Hof-Photographen“ streng anblickt? Christian Fink (1831-1911), zu Lebzeiten hoch geehrt und dann in völlige Vergessenheit geraten, hat immerhin 156 Kompositionen (mit und ohne Opuszahlen) hinterlassen und dabei die Vokalmusik bevorzugt. Nach anregenden Lehrlingsjahren in Leipzig, wo er bei einem Konzert die Anerkennung von Franz Liszt fand, kam der gebürtige Schwabe 1860 in Esslingen in eine feste Anstellung als Musiklehrer am dortigen Lehrerseminar und Musikdirektor an der Stadtkirche St. Dionys. Schon zwei Jahre später wurde er zum Professor ernannt. Er blieb dem Esslinger Musikleben auch in anderen Funktionen lebenslang verbunden. Sein Ehrgeiz zielte nicht auf auswärtige Aktivitäten, wie er auch in seiner kompositorischen Tätigkeit seine Grenzen kannte und nie nach den großen Formen (Sinfonien, Opern und Oratorien) strebte.

Traditionell, aber nie langweilig

Fink war eine Regionalgröße, der man allerdings den Rang eines Kleinmeisters zusprechen muß. Seine Musik ist kaum originell geschweige denn zukunftweisend, auch wenn man ihn gelegentlich fälschlicherweise den „Neudeutschen“ zugeordnet hat, aber sie klingt dennoch frisch und nie abgedroschen. Sie hatte wohl schon zum Zeitpunkt ihres Entstehens einen Zug ins Nostalgische, träumt sich zurück in die Schubert-Zeit. Der Hörer von heute macht es sich dabei gemütlich wie in einer behaglich eingerichteten guten Stube des 19. Jahrhunderts und er genießt die Schlichtheit der Weisen. Der Hofkapellmeister und Komponist Peter von Lindpaintner lag seinerzeit durchaus richtig mit seinem Urteil: „Seine Lieder sind auf Einfachheit basiert, gesangvoll und nicht ohne Gemüth“. Die Musik steht immer im Dienste der Dichtung und der Klavierpart unterstützt die Sänger, setzt aber auch belebende und illustrierende Akzente.

Gewinnende Interpretationen

Die Weltersteinspielung seiner Lieder und Klavierkompositionen, die jetzt bei hänssler erschienen ist, bereitet dank der Interpreten uneingeschränktes Hörvergnügen. Die Sopranistin Christine Reber, die den überwiegenden Teil der Lieder bestreitet, bezaubert mit ihrer quellklaren und quellfrischen Stimme, die in den Höhen mit angenehm raschem Vibrato regelrecht aufblüht, ebenso wie mit feiner Phrasierung und beseeltem Legato. Ihre derzeitige Mentorin, die Mezzosopranistin Carmen Mammoser, steht ihr in zwei Duetten zur Seite und trägt drei Sologesänge (op. 70) bei. Ich erinnere mich gerne an unsere Zusammenarbeit am Stadttheater Hagen vor 40 Jahren und freue mich, dass ihre Stimme noch immer intakt und wohlklingend ist. Der Bariton Teru Yoshihara, Professor in Stuttgart, überzeugt in zwei abschließenden Liedern durch distinguierten Vortrag. Das vierköpfige Ensemble Perplex, auch schon mit Hits der Comedian Harmonists hervorgetreten, beschwört in Wander- und Jägerliedern (op. 15) den Geist der Liedertafeln. Der aus Esslingen stammende Pianist Robert Bärwald schließlich, Initiator des Unternehmens, erweist sich als überaus versierter und anregender Begleiter der Sänger und zeigt Fink in den beiden noch aus seiner Leipziger Zeit stammenden Klaviersonaten in A-Dur und Es-Dur spritzig und temperamentvoll als jugendlichen Heißsporn, dem die musikalische Welt noch offen zu stehen scheint.

Sparsame Booklet-Informationen

Die stets durch schwäbische Sparsamkeit auffällige Firma hänssler hielt den Abdruck der Liedtexte im Booklet für entbehrlich, was trotz der tadellosen Diktion der Sänger bedauerlich ist. Auch wären Informationen über die Autoren hilfreich gewesen. Denn neben Goethe, Eichendorff und Heine griff Fink bei seinen Liedern vor allem auf heute unbekannte Zeitgenossen zurück wie seinen Freund, den dichtenden Richter Gustav Häcker, der auch als Musikkritiker tätig und eine kurze Zeit Stuttgarter Opernintendant war. Oder auf den dichtenden Landwirt Theodor Souchay. Über andere, die nur als v. Wilm und v. Oser ausgewiesen werden, habe ich nichts in Erfahrung bringen können.

Ekkehard Pluta [14.01.2022]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Christian Fink
1Und wüssten's die Blumen op. 7 Nr. 1 00:02:06
2Gefunden op. 7 Nr. 2 00:01:30
3An der Wiege op. 7 Nr. 3 00:03:13
4Gute Nacht op. 7 Nr. 4 00:01:55
5Abschied op. 7 Nr. 5 00:01:40
6Vergissmeinnicht op. 12 Nr. 1 00:03:27
7Der Einsiedler op. 12 Nr. 2 00:03:38
8Gut' Nacht op. 12 Nr. 3 00:04:14
9Wanderers Nachtlied op. 12 Nr. 4 00:02:10
10Dein Name op. 12 Nr. 5 00:03:02
11Klaviersonate Nr. 2 Es-Dur op. 21 00:20:01
14Die Schwalben sind gekommen op. 40 00:02:48
15Der Mutter Wiegenlied op. 42 Nr. 1 00:02:15
16Zwei Rosen op. 42 Nr. 2 00:03:24
17In der Winternacht op. 42 Nr. 3 00:04:52
18Nach der Heimath op. 42 Nr. 4 00:04:46
CD/SACD 2
1Vom Berge op. 3 Nr. 1 00:01:28
2Der Abendstern op. 3 Nr. 2 00:01:34
3Schäfers Klagelied op. 3 Nr. 3 00:03:19
4Vergissmeinnicht op. 3 Nr. 4 00:01:58
5Hör ich das Liedchen klingen op. 3 Nr. 5 00:01:02
6Ist's ein Gruß von Dir op. 57 Nr. 1 00:02:18
7Flieg aus mein Herz op. 58 Nr. 1 00:02:43
8Grün soll unsere Liebe bleiben op. 54 Nr. 2 00:03:02
9Nordsturm WoO 23a 00:01:47
10Klaviersonate A-Dur op. 11 00:25:34
14Waldmanns Gruß op. 15 Nr. 1 00:02:20
15Wanderlied op. 15 Nr. 2 00:03:19
16Wanderers Nachtlied op. 15 Nr. 3 00:02:12
17Maibrünnelein op. 46 Nr. 1 00:02:40
18Tanzlied der Mücken op. 46 Nr. 2 00:04:04
19Abschied op. 70 Nr. 1 00:02:37
20Im Schatten der Platanen op. 70 Nr. 2 00:01:49
21Der alte Freund op. 70 Nr. 3 00:02:25
22Frühlingssonntag WoO 23g 00:02:58
23Der Abt von Bebenhausen op. 85 00:04:23

Interpreten der Einspielung

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