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CD/SACD stereo/surround-Besprechung

Saint-Saëns

Piano Concertos 1 & 2

BIS 2400

1 CD/SACD stereo/surround • 85min • 2020, 2021

14.05.2022

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

Nachdem der Rezensent hier vor knapp drei Jahren die Einspielung der drei letzten Klavierkonzerte (Nr. 3-5) von Camille Saint-Saëns mit Vater und Sohn Kantorow zur unangefochtenen Referenzaufnahme gekürt hatte (siehe: http://www.klassik-heute.com/4daction/www_medien_einzeln?id=22967), legen die beiden nun mit der finnischen Tapiola Sinfonietta, die zur Hauptstadtregion gehört, nach: Auf der neuen CD – mit 85 Minuten Überlänge – finden sich die noch fehlenden Klavierkonzerte Nr. 1 & 2 sowie alle vier übrigen Kompositionen Saint-Saëns‘ für Klavier und Orchester. Jean-Jacques Kantorow begann schon neben seiner großen Geigenkarierre mit dem Dirigieren – und von Beginn an gehörte Saint-Saëns zu seinem bevorzugten Repertoire. In dessen Jubiläumsjahr (2021) glänzte er mit einer Gesamtaufnahme sämtlicher Symphonien. Sohn Alexandre (Jg. 1997) hat – als erster französischer Pianist – 2019 den Tschaikowsky-Wettbewerb gewonnen, zusätzlich den äußerst selten vergebenen Grand Prix.

Das berühmte 2. Klavierkonzert mit ungewohntem Ernst

Beim nach wie vor meistgespielten Konzert – Nr. 2 in g-Moll – des französischen Wunderknaben gehen die Kantorows mit ganz ungewohntem Ernst zur Sache. Zwar wirkt auch hier die Einleitung wie die spielerische Improvisation einer Art Pseudo-Bach; der ganze Satz erhält aber eine kaum je gehörte Schwere, grüblerische Tiefe und erscheint nun überhaupt nicht mehr wie eine uneinheitliche Stilkopie, sondern eher als romantische Auseinandersetzung mit Leben und Tod. Und in den beiden heiteren Folgesätzen, dem elfenhaften Scherzo und der fulminanten Tarantella, fasziniert Alexandre erneut mit virtuoser pianistischer Könnerschaft, ohne dabei je in Raserei oder gar Oberflächlichkeit zu verfallen. Jedes Detail wird so sinnfällig – dazu leitet sein Vater das hochmotivierte Orchester mit absoluter Präzision, farbig und kultiviert. Insgesamt wird das Stück aber vom Kopf her gedacht und folgt dadurch einer stringenten Teleologie, die außerordentlich verblüfft.

Ein nur vernachlässigtes Meisterwerk?

Noch erstaunlicher gelingt das – zugegebenermaßen auch vom Rezensenten – bis vor kurzem sträflich vernachlässigte D-Dur-Konzert von 1858. Man kann wohl nachlesen, dass dieses Werk seit 60 Jahren (!) den ersten Gattungsbeitrag eines bedeutenderen französischen Komponisten darstellte. Mit auf den ersten Blick ziemlich viel Leerlauf an Passagenwerk, zu wenig überzeugenden Melodien, besonders im etwas einfältigen Finale, geriet das Werk in fast allen Gesamtaufnahmen (mit Ausnahme von Descharmes / Soustrot) nur zur lästigen, pianistischen Pflichtübung mit liebloser Begleitung. Andererseits ist die völlige Einbettung des Soloparts ins Orchester als modern anzusehen und führt in letzter Konsequenz durchaus bis zu Busoni. Saint-Saëns bemüht sich um zyklische Einheit, wenn er ganz am Schluss des Finalsatzes nochmals den Hornruf des Beginns und das Hauptthema bringt. Der zweite Satz hat schon unzweifelhaft Substanz, wirkt konzentriert. Bei den Kantorows geschieht hier sogar ein kleines Wunder: Was sie an symphonischen Zusammenhängen deutlich werden lassen – mit Bezügen bis zurück zu Beethoven – ist schlicht phänomenal. Sogar der Beginn des 3. Satzes erklingt diesmal durch enorm differenzierte, geschickte Dynamik bereits innerhalb des Klaviers, erst recht zusammen mit Orchester, als zwar brachialer, zugleich aber unwiderstehlicher Einfall, der trägt – superb! Kaum zu begreifen, was einem da bislang entgangen ist.

Kleine Stücke mit großem Charme

Dass die vier kleineren Stücke ebenso sorgfältig erarbeitet wurden, ist dann das Sahnehäubchen obendrauf: Besonders Africa und die Rhapsodie d’Auvergne erweisen sich wegen Alexandre Kantorows nie verebbenden Einfallsreichtums als wahre Kabinettstückchen, der Wedding Cake und das Allegro appassionato immerhin als gelungene Gelegenheitswerke, die man keinesfalls missen möchte. Aufnahmetechnisch erwartungsgemäß ausgezeichnet und mit dreisprachigem, ordentlichem Booklet gehört diese CD in jede Klavierkonzertsammlung: Die Höchstnoten sind also mehr als verdient.

Vergleichsaufnahme: Romain Descharmes, Malmö Symphony Orchestra, Marc Soustrot (Naxos 8.573476, 2015).

Martin Blaumeiser [14.05.2022]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Camille Saint-Saëns
1Klavierkonzert Nr. 2 g-Moll op. 22 00:24:37
4Valse-Caprice op. 76 für Klavier und Tiefe Streicher (Wedding-Cake) 00:05:53
5Allegro appassionato cis-Moll op. 70 für Klavier und Orchester 00:06:02
6Klavierkonzert Nr. 1 D-Dur op. 17 00:26:41
9Rhapsodie d'Auvergne C-Dur op. 73 00:09:58
10Africa - Fantasie g-Moll op. 89 für Klavier und Orchester 00:10:17

Interpreten der Einspielung

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