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Besprechung CD

FACE2FACE

Beethoven • Bartók
Amaryllis Quartett

Berlin Classics 0303654BC

1 CD • 77min • 2023

21.03.2025

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

Das Markenzeichen des Amaryllis-Quartetts (Gustav Frielinghaus, Lena Sandoz – Violine, Mareike Hefti. - Viola und Yves Sandoz – Violoncello.) besteht in der Programmierung von zumeist zwei Werken des klassisch-romantischen Repertoires mit einer Komposition moderneren Charakters. Dieses Prinzip war bereits bei seiner nach Farben benannter CD-Reihe prägend, deshalb wird es jetzt für eine Gesamtaufnahme der Beethoven-Quartette übernommen. Diese wird den Titel Face2Face tragen. Die erste CD dieser Serie beschert uns äußerst gelungene Einspielungen der Quartette op. 18,3 und op. 135 von Ludwig van Beethoven, und Bela Bartóks Sechstes Quartett.

Geheime Quartett-Verbindungen

Beethoven „versteckte“ sein avanciertestes Quartett aus op. 18, D-Dur, in der Mitte, obwohl es zuerst entstanden war. Harmonisch dominieren mediantische Wendungen mit Ausweichungen in entfernte Tonarten, was für ein um 1800 entstandenes Werk eher ungewöhnlich ist. Die Ausbrüche weisen wie das gespenstisch-huschende Moll-Trio des Scherzos bereits auf die Schauer der Frühromantik. Die virtuosen Anforderungen gehen über das bei Haydn und Mozart geforderte hinaus. Darin zeigt sich eine Verwandtschaft mit den Klaviertrios op. 1.

Bartóks Sechstes Quartett passt tonal dazu, da trotz aller Dissonanzen das D das tonale Zentrum bildet. Es ist einerseits ein Epitaph für die Mutter, andererseits ein Abschiedsgesang auf das alte Europa, dem der Komponist im Begriff war, den Rücken zu kehren. Man kann es formal als großes Rondo deuten, dessen mit „Mesto“ (traurig) überschriebener zunächst einstimmig von der Bratsche vorgetragener Refrain im Verlauf der Sätze immer weiteren Raum einnimmt, bis er allein den Schlusssatz bildet. Die belebten Couplets, ein dramatischer Sonatensatz, ein grotesker Marsch und eine bittere Burleske verstärken die Traurigkeit.

Beethovens letztes Quartett op. 135, F-Dur, wirkt in seinem doch arg abgeklärten altersmilden Humor als ein Abgesang auf dessen reiches Quartettschaffen. Da das Bartók-Quartett eher als d-Moll empfunden werden dürfte, passt es jedoch tonartlich sehr elegant in die Reihe. Es fällt aber – meines Erachtens – gegenüber den anderen Quartetten bis auf den langsamen Variationensatz ein wenig ab.

Brillante Interpretation

Das Amaryllis-Quartett gestaltet die drei Kompositionen höchst souverän, klangschön, intonatorisch blitzsauber und mit einer extrem weiten Dynamikspanne. Da vor und in den Proben offensichtlich genau überlegt und analysiert wurde, wer an welcher Stelle die Führung übernimmt, gelingt es in jedem Werk einen Sog zu erzeugen, der einfach zum Zuhören zwingt. Man könnte es kontrollierte Leidenschaft und sublimiertes Temperament nennen. Somit entsteht hier spannendes, transparentes Quartettspiel der Extraklasse.

Ein sehr guter Booklet-Text und eine sensationelle Aufnahmetechnik runden den hervorragenden Eindruck der Produktion ab.

Fazit: Da freut man sich auf die nächste Folge. Definitiv empfohlen!

Thomas Baack [21.03.2025]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Ludwig van Beethoven
1Streichquartett Nr. 3 D-Dur op. 18 Nr. 3 00:24:18
Béla Bartók
5Streichquartett Nr. 6 Sz 114 00:28:16
Ludwig van Beethoven
9Streichquartett Nr. 16 F-Dur op. 135 00:23:25

Interpreten der Einspielung

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