Szenen ohne Worte
Pacific Quartet Vienna

Solo Musica SM 466
1 CD • 63min • 2024
02.04.2025
Künstlerische Qualität:
Klangqualität:
Gesamteindruck:
Das multinationale Pacific Quartet Vienna wurde 2015 durch den Sieg beim Haydn-Kammermusikwettbewerb in Wien bekannt. Die vier Musiker, die in Wien und Zürich leben, binden die Werke der Wiener Klassiker in kluge Programmkombinationen ein. Originell ist auch das Konzept ihrer vierten CD, deren Veröffentlichung bei dem Label Solo Musica mittels Crowdfunding finanziert wurde. Drei Komponisten sind hier zu hören, deren Opernschaffen sich auch in ihren Streichquartetten widerspiegelt. In Mozarts Dissonanzenquartett steckt das Theatralische ebenso wie in Donizettis Belcanto-beseeltem Quartett Nr. 17 sowie dem einzigen Quartett aus der Feder des Opernkomponisten Verdi.
Streichquartett als Mini-Oper
Das Dissonanzenquartett gehört zu einer Sechsergruppe, die Mozart in den Jahren nach seinem Wien-Umzug schrieb und Joseph Haydn widmete. Der Beiname, der nicht vom Komponisten stammt, verdankt sich der langsamen Einleitung. Zwar waren sämtliche hier vorkommenden Akkorde schon damals akzeptiert; Mozart kombiniert sie jedoch zu „regelwidrigen“ Dissonanzen.
Das Pacific Quartet intensiviert die beißende Chromatik und den Eindruck eines harmonischen Schlingerns, so dass man die Schockwirkung auf Mozarts Zeitgenossen nachvollziehen kann. Ansonsten schnurrt das Stück in geistreicher Heiterkeit weiter, bis hin zum opernhaft kecken Finale. Nur im Mittelteil des Menuetts trumpfen die Musiker noch einmal dramatisch auf, pendeln erregt zwischen forte und piano; gestalten spannungsreiche und extrem weit ausladende Melodiebögen.
Gaetano Donizetti widmete sich der Königsdisziplin der Kammermusik hauptsächlich in jungen Jahren; nach seinem Studienabschluss in Bologna und vor den großen Opernerfolgen. Dass seine insgesamt 18 Streichquartette die Entdeckung lohnen, beweist vorliegende melodienselige Einspielung des Quartetts Nr. 17. Im Kopfsatz reizt das Pacific Quartet den Kontrast zwischen melancholischen Melodiebögen und feurigen Aufschwüngen aus. Im Larghetto säuselt Primgeigerin Chin-Ting Huan ein schmachtendes italienisches Abendständchen, das ihre Kollegen mit einfühlsamem Pizzicato unterfüttern.
Genialer Zeitvertreib
Schließlich wird das Album durch Verdis einziges Streichquartett abgerundet. Es entstand 1873, während der Komponist in Neapel auf die Erstaufführung seiner Aida wartete. Die Proben verzögerten sich, da die Primadonna Teresa Stolz erkrankte, Verdis langjährige Affäre. Verdi komponierte zum Zeitvertreib im Hotelzimmer. Die Uraufführung seines Quartetts fand unter Freunden in der Empfangshalle seines Hotels statt.
Das Pacific Quartet überzeugt hier abermals durch feinfühligen, warmen Klang. Innig kommunizieren die vier Musiker untereinander und offenbaren so Verdis Meisterschaft auf dem Gebiet der kleinen Besetzung. Im schmachtenden Andantino-Walzer lassen sie die Welt der italienischen Oper aufleben. Im dritten Satz bezaubert Cellistin Sarah Weilenmann mit einer eleganten Kantilene. In der aberwitzigen finalen Fuge brillieren die Vier abermals mit ihrem präzisen Zusammenspiel. Hier lässt das Buffo-Finale aus Verdis Falstaff grüßen.
Antje Rößler [02.04.2025]
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Komponisten und Werke der Einspielung
Tr. | Komponist/Werk | hh:mm:ss |
---|---|---|
CD/SACD 1 | ||
Wolfgang Amadeus Mozart | ||
1 | Streichquartett Nr. 19 C-Dur KV 465 (Dissonanzen-Quartett) | 00:30:01 |
Gaetano Donizetti | ||
5 | Streichquartett Nr. 17 D-Dur | 00:16:39 |
Giuseppe Verdi | ||
9 | Streichquartett e-Moll op. 68 | 00:22:20 |
Interpreten der Einspielung
- Pacific Quartet Vienna (Streichquartett)