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Komponisten: Aktuelle Infos

Francis Poulenc 60. Todestag

frz. Komponist

† 1963

30

Januar

vor 60 Jahren

in Paris


Francis Poulenc gehörte den berühmten „Les Six“ an, jener französischen Gruppe von sechs Komponisten (Georges Auric, Louis Durey, Arthur Honegger, Darius Milhaud, Francis Poulenc und Germaine Tailleferre) unter der intellektuellen „Ferderführung“ des Dichters Jean Cocteau, die sich eher aus freundschaftlicher Verbundenheit gebildet hatte als mit der Absicht, eine bestimmte musikästhetische Stilrichtung zu postulieren. Alle Mitglieder verfolgten ihre eigenen Vorstellungen, dennoch einte sie die gemeinesame Idee einer neuen Klarheit, Einfachheit, im Gegensatz zu überbordender Harmonik und Orchestrierung. Die Gruppe traf sich regelmäßig und organisierten auch eigene Veranstaltungen. Die Grundidee war einfach die einer unterhaltsamen Musik. Über seine kompositorischen Prinzipien sagte Poulenc: „Ich habe keine Prinzipien, mein Credo ist der Instinkt“. Viele seiner Werke sind gekennzeichnet durch „Clarté“ und „Elégance“, dabei voller Charme und Witz mit Anleihen aus Jazz, Varieté und Zirkus, dann aber auch wieder geprägt von „ernster“ Musikliteratur. Inspirieren ließ sich Poulenc vor allem von Strawinsky, der „in meiner Musik immer gegenwärtig ist“, von Eric Satie, dem er „sehr viel verdankte“, von Mussorgsky, der „auf dem Gebiet der Melodik“ sein „Lehrmeister“ war. Er verehrte Chabrier und bewunderte Rameau, Couperin, Bach, Mozart und Schubert. Poulenc war, wie der Kritiker Claude Rostand ihn treffend beschrieb, „eine Mischung aus Mönch und Lausbub“. Er wurde am 7. Januar 1899 in Paris geboren. Sein Vater war ein wohlhabender Industrieller und tiefgläubiger Katholik, seine Mutter war eine versierte Pianistin. Sie erteilte Francis den ersten Klavierunterricht. Im Alter von 15 Jahren erhielt er für drei Jahre Unterricht bei dem damals bekannten spanischen Pianisten Ricardo Viñes, einem Freund und Interpreten der Werke von Debussy und Ravel. Von Ricardo Viñes sagte Poulenc in einem Interview 1953: „Je lui dois tout“ – ihm verdanke ich alles. 1918 besorgte Viñes auch die Uraufführung von Poulencs Trois Mouvements perpétuels, auf die Eric Satie aufmerksam wurde. Poulenc selbst war ebenfalls ein hervorragender Pianist. Seine ersten Kompositionen waren dementsprechend auch Werke für Klavier. Zum Ende des Ersten Weltkriegs 1918 wurde Poulenc noch zum Militärdienst eingezogen. Ab 1921 nahm er Unterricht bei Charles Koechlin. Im Kreis der „Six“ pflegte Poulenc auch Kontakte zu Dichtern des Montparnasse, u.a. Guillaume Apollinaire und Paul Éluard. Besonders desren Gedichte hatten es Poulenc sehr angetan. 1926 lernte er den Bariton Pierre Bernac kennen. Daraus entwickelte sich eine lebenslange Freundschaft: 25 Jahre lang war er dessen Klavierbegleiter (von 1934 bis 1959) und schrieb für ihn zahlreiche Lieder. Da Poulenc weitgehend Autodidakt war – eine Aufnahmeprüfung am Pairser Konservatorium hatte er nicht bestanden – wurde er anfangs vielfach als „Amateur“ abgetan. Die endgültige Anerkennung in den Künstler- und Mäzenatenkreisen der Pariser Gesellschaft gelang ihm 1923 mit dem Ballett Les Biches. 1936 gab ein tragisches Ereignis Poulencs Leben und Schaffen eine entscheidende Wende. Die Nachricht vom Unfalltod seines Freundes und Komponistenkollegen Pierre Octave Ferroud erschütterte ihn tief und bewirkte in ihm eine Rückbesinnung auf den katholischen Glauben, von dem er sich seit dem Tod seines Vaters 1917 distanziert hatte. Er unternahm eine Wallfahrt zur „Schwarzen Madonna“ von Rocamadour. Die Erfahrungen daraus fanden ihren Niederschlag in einer Reihe bedeutender geistlicher Werke, nachdem er zuvor kein Interesse für Kirchenmusik gezeigt hatte. Bereits eine Woch nach seiner Rückkehr entstanden die Litanies à la Vierge Noir, weitere geistliche Werke entstanden u.a. 1936 (Messe in G-Dur, seinem Vater gewidmet), 1950 (Stabat Mater), 1959 (Gloria) und 1961 (Sept Répons des ténèbres). 1947 wurde Poulencs erste Oper Les mamelles de Tirésias auf Texte von Apollinaire uraufgeführt, 1957 im Auftrag von Ricordi die Oper Dialogues des Carmélites für die Mailänder Scala und am 6. Februar 1959 erlebte seine dritte und letzte Oper La voix humaine – eine Tragödie in einem Akt – ihre Uraufführung an der Komischen Oper in Paris. Darüber hinaus schrieb Poulenc jeweils ein Konzert für Orgel, für Cembalo, für Klavier und eines für zwei Klavier sowie weitere Kammermusikwerke und Messen. Poulenc starb am 30. Januar 1963 in Paris an Herzversagen. Seine Werke werden seit 1995 im Francis Poulenc Werkverzeichnis (FP) zusammengefasst.

Die besten Besprechungen mit Francis Poulenc

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Sinfoniettas, Poulenc • Prokofiev • Britten
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Lumière, Céline Moinet
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»Francis Poulenc: Biographie und Einspielungen«

Edouard Lalò 200. Geburtstag

frz. Komponist

* 1823

27

Januar

vor 200 Jahren

in Lille


Lalos Familie war spanischer Herkunft, aber bereits im 16. Jahrhundert nach Frankreich eingewandert. Édouard wurde am 27. Januar 1823 in Lille geboren. Seine musikalische Begabung zeigte sich schon früh. Er trat 1833 in das Konservatorium seiner Heimatstadt Lille ein und erhielt dort Violin-, Violoncello- und Kompositionsunterricht. 1839 zog er nach Paris, wo er bis 1847 am Konservatorium weiter Violine studierte. Da er einer Offiziersfamilie entstammte, war für ihn eigentlich eine Offizierslaufbahn vorgesehen, so dass er von seiten seiner Familie keinerlei Unterstützung erhielt. Er verdiente sich seinen Lebensunterhalt mit Unterrichten, als Orchestermusiker und als Kammermusiker. Ab 1870 hatte Lalo auch als Komponist allmählich Erfolg, besonders durch sein zweites Violinkonzert, das er Symphonie espagnole nannte, sowie mit dem 1877 komponierten Cellokonzert, das zu den bekanntesten und meistgespielten seiner Art zählt. In der Folgezeit fand er auch international verstärkt Anerkennung. Mit der Uraufführung seiner Oper Le roi d'Ys im Jahr 1888 feierte er seinen letzten und zugleich größten Erfolg. Seine kompositorische Bedeutung trat insgesamt allerdings erst nach seinem Tod zutage, zu Lebzeiten stieß seine Musik vielfach auf Unverständnis. Er war jedoch ein wichtiger Wegbereiter des Impressionismus und wurde von Claude Debussy aufgrund der Farbigkeit seiner Werke und seiner progressiven Harmonik sehr geschätzt. Neben den genannten Werken schrieb er noch zwei weitere Opern, ein Ballett, ein Klavierkonzert, sinfonische Werke, Kammermusik und Lieder. Édouard Lalo starb am 22. April 1892 in Paris.

»Edouard Lalò: Biographie und Einspielungen«

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Witold Lutoslawski 110. Geburtstag

poln. Komponist

* 1913

25

Januar

vor 110 Jahren

in Warschau


Am 7. Februar 1994 starb einer der bedeutendsten europäischen Komponisten des 20. Jahrhunderts, der polnische Komponist und Dirigent Witold Lutosławski. Zahlreiche Preise und Auszeichnungen und mehrere Ehrendoktorwürden und Ehrenmitgliedschaften unterstreichen seine internationale Bedeutung und Anerkennung. Lutosławskis Werk umfasst vier Sinfonien, ein Konzert für Orchester, mehrere Konzerte, ein Streichquartett, Instrumentalwerke und Liederzyklen mit Orchester. Lutosławski wurde am 25. Januar 1913 in Warschau geboren und erhielt schon im frühen Kindesalter Klavier- und Violinunterricht. Später studierte er am Warschauer Konservatorium Musiktheorie und Komposition. Gleichzeitig absolvierte er auch ein mathematisch-naturwissenschaftliches Studium, entschied sich aber doch für eine Laufbahn als Komponist. Mit den Sinfonischen Variationen 1938 machte er erstmals auf sich aufmerksam. In Paris wollte er seine Studien vertiefen, der Ausbruch des Ersten Weltkrieges vereitelte jedoch sein Vorhaben. Während des Krieges geriet er in deutsche Gefangenschaft. Nachdem ihm die Flucht gelungen war, schlug er sich in Warschau als Pianist durch. Er tat sich mit Andrzej Panufnik zusammen und als Klavierduo verdienten sich beide ihren Unterhalt durch Auftritte in Warschauer Cafés. Nach dem Krieg hielt er sich mit Gebrauchsmusik über Wasser und schrieb Werke für Rundfunk, Film und Theater und zahlreiche Werke für Kinder. Seine erste Sinfonie wurde von der stalinistischen Regierung als zu formalistisch und zu wenig staatskonform verboten. Als sich die politische Lage 1964 allmählich entspannte, verbesserte sich auch Lutosławskis Situation als Komponist. Mit seinem Konzert für Orchester, einem Auftragswerk durch den Dirigenten Witold Rowicki für das neu konstituierte Philharmonische Orchester Warschau, konnte sich Lutosławski als ernstzunehmender Komponist etablieren. 1962 lernte er während eines Aufenthalts in den USA auch Edgar Varèse kennen. 1963 hatte Lutosławski mit seinem ersten Auftragswerk aus dem Ausland Trois poèmes d'Henri Michaux für die Musikbiennale Zagreb auch international weiteren Erfolg. 1965 widmete er Peter Pears den Liederzyklus Quatre tapisseries pour la Châtelaine de Vergi, der ihn 1965 beim Aldeburgh Festival erstmals sang. Lutosławski gastierte regelmäßig beim Festival für zeitgenössische Musik „Warschauer Herbst“ und wurde Jurymitglied der Kompositionswettbewerbe in Moskau, Ost-Berlin, Helsinki, Salzburg, Straßburg, Donaueschingen, Rom und Lüttich. Er schrieb Werke für prominente Solisten wie Heinz Holliger, Anne-Sophie Mutter oder Krystian Zimerman und betätigte sich zunehmend auch als Dirigent. Trotz eines vollen Terminkalenders infolge von Reisen und Auftritten in den Vereinigten Staaten, England, Finnland, Kanada oder Japan vollendete er 1992 seine vierte Sinfonie und begann mit Skizzen zu einem Violinkonzert. Dieses konnte er jedoch nicht mehr vollenden. Die erste Woche des Jahres 1994 brachte die Gewissheit, dass er an Krebs erkrankt war. Von einer anschließenden Operation erholte er sich nicht mehr. Witold Lutosławski starb am 7. Februar im Alter von 81 Jahren.

»Witold Lutoslawski: Biographie und Einspielungen«

Friedrich von Flotow 140. Todestag

dt. Komponist

† 1883

24

Januar

vor 140 Jahren

in Darmstadt


Obwohl Friedrich von Flotow ein umfangreiches Œuvre – vor allem Opern – hinterlassen hat (die Zahlenangaben in den verschiedenen Opernführern schwanken zwischen 25 und 40), wird sein Name fast auschließlich mit einem Werk in Verbindung gebracht: seiner Oper Martha oder Der Markt von Richmond, die sich bis heute einen Repertoireplatz auf den Opernbühnen sichern konnte. Allenfalls kommt gelegentlich noch Stradella zur Aufführung. Doch damit endet die Rolle, die Flotow im heutigen Musikleben noch spielt. Allerdings wurde ein Großteil des kompositorischen Nachlasses bei einem Brand im Archiv des Verlags Bote & Bock im Zweiten Weltkrieg zerstört. Sein persönlicher Nachlass ist bis auf wenige Ausnahmen verschollen. Ob die dadurch verloren gegangenen Werke an der Gesamtrezeption allerdings etwas geändert hätten, lässt sich natürlich nicht sagen. Flotow wurde am 26. April 1812 auf Gut Teutendorf als zweites von vier Kindern der Eheleute Wilhelm und Caroline Sophie Rahel geboren. Die Eltern waren beide musikalisch, der Vater spielte Flöte, die Mutter Klavier. Sie war es auch, von der Friedrich den ersten Musik- und Klavierunterricht erhielt. Der Vater hatte Friedrich eigentlich für eine Diplomatenlaufbahn vorgesehen und gab nur widerwillig der Neigung seines Sohnes zur Musik und zu einem Beruf als Musiker nach. 1828 reiste er mit ihm nach Paris, damit Friedrich die französische Sprache erlernen und sich mit dem großstädtischen Leben vertraut machen sollte, um so für eine Diplomatenlaufbahn besser gerüstet zu sein. Friedrich nutzte die Gelegenheit allerdings, um sich mit dem Stil der französischen Opéra comique vertraut zu machen. Er nahm Kompositionsunterricht bei Anton Reicha (1770-1836) und Klavierunterricht bei Johann Peter Pixis (1788-1874) und befreundete sich mit Charles Gounod und Jacques Offenbach. Mit den Opern Die Bergknappen und Alfred der Große (beide 1833) versuchte er, Anschluss an die großen Opernhäuser in Paris zu finden. Bis 1839 beschränkte sich sein künstlerischer und gesellschaftlicher Erfolg allerdings auf kleine Theater und auf private aristokratische Kreise. Mit Le Naufrage de la Méduse konnte er einen ersten namhaften Erfolg verzeichnen. Der erste große Erfolg stellte sich 1844 mit dem Pasticcio-Ballett Lady Harriette ou La servante de Greenwich ein, zu dem er den ersten Akt beigesteuert hatte. Dieses Werk öffnete ihm zwar den erhofften Zugang zu den großen Opernhäusern, berühmt wurde Flotow allerdings durch die beiden deutschsprachigen Opern Stradella (Hamburg, 1844) und vor allem Martha (Wien, 1847), die Flotow aus seinem Ballettbeitrag zu Lady Harriette umgearbeitet hatte. Infolge der revolutionären Ereignisse des Jahres 1848 musste Flotow nach Mecklenburg zurückkehren und widmete sich dort neben der Komposition der Bewirtschaftung des Gutes Wutzig, das ihm sein Vater vermachte hatte. 1855 wurde er zum Intendanten der Hofmusik und des Hoftheaters in Schwerin berufen, wo er sich um den Aufbau des Orchesters bemühte. 1863 gab er diesen Posten wegen Intrigen gegen seine Person auf. 1868 zog Flotow auf das Gut Reichenau bei Wien. Von hier aus unternahm er Reisen nach Paris, London, Hamburg, Berlin und Italien. 1870 erzielte er mit der Oper L'ombre seinen letzten großen Erfolg. 1873 kehrte Flotow nach Mecklenburg auf das väterliche Gut Teutendorf zurück. Die drei letzten Lebensjahre verbrachte er bei nachlassender Sehkraft auf Gut Heiligenkreuzberg bei Darmstadt. Er starb am 24. Januar 1883 fast völlig erblindet in Darmstadt. Nur wenige Tage vor seinem Tod schrieb er das Lied Der blinde Musikant.

»Friedrich von Flotow: Biographie und Einspielungen«

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