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CD-Besprechung

Warner Classics 2564 61561 2

1 CD • 65min • 2004

01.09.2004

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 2
Klangqualität:
Klangqualität: 6
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 4

Man hätte dem dreißigjährigen Julian Rachlin ein Programm empfehlen müssen, das ihn nicht auf ein derart dünnes Eis befördert hätte. Der Schüler von Boris Kuschnir und Pinchas Zukerman, der einen großen Teil seiner bisherigen Karriere Dirigenten wie Lorin Maazel, Vladimir Ashkenazy, Zubin Mehta und André Previn verdankt, stürzt sich in zwei musikalische Abenteuer, die allein schon vor dem Hintergrund der Konkurrenz nicht zu bestehen sind.

Damit ist nicht gesagt, daß Rachlin nicht geigen könnte. Doch sein Versuch, sich durch etwas Eigenes von der Interpretationsgeschichte und -gegenwart der nicht eben selten aufgeführten Werke abzuheben, bringt erhebliche Probleme mit sich – was in Mozarts Falle ganz besonders deutlich wird, weil hier die klassische Gewichtung zwischen Protagonist und Chor schlicht gestört ist und sich, anders als vielleicht bei Brahms, auch nicht durch die „sinfonische” Attitüden des Komponisten hinwegerklären ließe. Der feine, wenn nicht gar zu feine Ton des Solisten gerät immer wieder in herbe Konflikte mit dem zwar elastischen, aber viel zu rabiaten Orchester; besonders die geigerische Linienführung des Kopfsatzes erinnert mich daran, wie wir als Kinder Streichhölzer über die Reibfläche geschnippt und dann der Leucht- und Rauchspur nachgesehen haben: Es funkt einen Moment, dann verliert sich das Feuer im Nichts – immer wieder ist die Wirkung viel zu schnell dahin. Recht hübsch sind die ungewohnten Kadenzen I und II von Sam Franko, die ohne nennenswerte Eingriffe auch in Werner Egks Geigenmusik mit Orchester funktionieren könnten. Für gewöhnlich erhebt sich bei jeder nur einigermaßen schlüssigen Interpretation ein Bild des jeweiligen Komponisten aus dem klingenden Geschehen – die Vorstellung des oder der Künstler, die sich mit seinem Werk auseinandersetzen. Ob dieses Bild unserem eigenen geistigen Sammelalbum oder der „historical correctness” entspricht, ist dabei zunächst einmal völlig nebensächlich. Doch wenn wie hier so gar nichts zusammenpassen will, wenn sogar das bunte Finale eine bloße Reihung verschiedener Einfälle ist, dann kommt eine gewisse Verstimmung auf – weil es halt fast nichts gibt, das zusammenhängende Konturen herstellte: Selbst die hübsch gespielte Gavotte und das „Straßburger Lied” verlieren ihren Überraschungseffekt ...

Noch entbehrlicher ist freilich die vorliegende Aufnahme des Brahms-Konzerts, dessen mittelmäßige Ausführung in nicht unerheblichem Maße auf das Konto des Dirigenten Noch entbehrlicher jedoch ist die vorliegende Aufnahme des Brahms-Konzertes, dessen mittelmäßige Aufführung in nicht unerheblichem Maße auf das Konto des Dirigenten geht. Ausgerechnet der sonst so feuerköpfige Mariss Jansons steigt derart gelangweilt in die Partitur ein, daß Rachlin von vornherein schlechte Karten hat und gleich am Anfang, wo ihn das akkordische Muskelspiel des Orchesters eigentlich in den geigerischen Orbit emporschleudern sollte, nur recht bedauernswert vor sich hinzwitschern kann. Dort aber, wo er phasenweise eine unbestreitbar tiefe Seele ins Spiel hineinprojiziert – gegen Ende des Mittelsatzes –, da tutet ein unsensibler Schlußakkord der Bläser so hinein, daß der Augenblick der Erkenntnis gleich wieder vorbei ist. Seltsamerweise scheint auch die Pause zwischen Adagio und Finale trotz ihrer objektiv ausreichenden Länge nicht wirklich „ausgehört”, so daß das Hauptthema einfach irgendwie losplatzt. Und das ist eines der Hauptprobleme der gesamten Produktion: daß sie unorganisiert aber nicht spontan, willkürlich aber nie überraschend, disparat aber nicht vielschichtig geriet – und dann auch noch in einem zigeunerischen Finale endet, das zwischendurch mehr nach „Beigel with Shmeer” (gebuttertes Kringelbrötchen) denn nach Paprika, Palinka und Puszta klingt.

Rasmus van Rijn [01.09.2004]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Wolfgang Amadeus Mozart
1Concerto No. 3 G major KV 216 for Violin and Orchestra
Johannes Brahms
2Violin Concerto D major op. 77 for Violin and Orchestra

Interpreten der Einspielung

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