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CD-Besprechung

harmonia mundi HMC 901912

1 CD • 74min • 2005

21.04.2006

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Mit seinen sieben Kantaten an die Gliedmaße des leidenden Heilands schuf Dietrich Buxtehude ein Kunstwerk, das in seiner meditativen Versenkung in der protestantischen Kirchenmusik nicht seinesgleichen hat. Als Text dieser Kantaten dient eine mittelalterliche Dichtung aus dem Mittelalter, in denen die einzelnen Gliedmaße des gekreuzigten Jesus mystisch betrachtet werden. Diese Gedichte stammen wohl größtenteils von Arnold von Löwen (gest. 1250), doch wurden sie im 17. Jahrhundert mit Bernhard von Clairvaux in Verbindung gebracht, der wahrlich kein Säulenheiliger der lutherischen Konfession zu nennen ist! Der aufblühende Pietismus ermöglichte jedoch auch im Protestantismus eine mystische Sicht religiöser Dinge und Buxtehude griff begeistert zu, rahmte jede Betrachtung mit einem passenden Bibelspruch ein und verwandte all seine Kompositionskunst auf die Concerto-Aria-Kantaten, die aus der Synthese von Dichtung und Bibelwort entstanden.

Angesichts eines Kunstwerks, das in der Musikgeschichte einen Edelstein ohnegleichen darstellt, sind Vergleiche besonders reizvoll: René Jacobs Aufnahme von 1990 und Ton Koopman Einspielung aus dem Jahr 1987 liefern spannende Kontraste. Wo Jacobs dramatische Italianità walten lässt, die an den Affektreichtum der Barockoper gemahnt, kleidet Konrad Junghänel seine Interpretation in die objektiven Ausdrucksformen frühbarocker Musik, und erstaunlicherweise bewirkt dieser vorgeblich distanziertere Ansatz keinen Verlust an Eindringlichkeit, eher wird der Eindruck von Inbrunst noch stärker. Koopmans Interpretation wurzelt zweifellos am stärksten in protestantischem Boden, hierzu trägt nicht zuletzt die Mitwirkung des Knabenchors Hannover als Tutti-Ensemble bei, der von seinem Leiter Heinz Hennig zu einem hervorragenden Ensemble für die evangelische geistliche Musik des 17. Jahrhunderts geformt worden war. Aus heutiger Sicht barocker Aufführungspraxis kommt der Aufnahme von Cantus Cölln wohl eine höhere Authentizität zu, und ihre Wirkung auf den Hörer entspricht der Wirkung aller großen Kunst, die nicht vom großen Effekt lebt: Ihre Eindringlichkeit steigert sich, je öfter man sie hört.

Vergleichsaufnahmen:

Schlick, Frimmer, Chance, Prégardien, Kooy, Knabenchor Hannover, Amsterdam Baroque Orchestra, Ton Koopman (Leitung) Erato / Warner Classics 022924529528;

Concerto Vocale, René Jacobs (Leitung) harmonia mundi france HMA 1951333.

Detmar Huchting [21.04.2006]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Dietrich Buxtehude
1Jesu, Membra nostri BuxWV 75
2Nimm von uns, Herr, du treuer Gott BuxWV 78

Interpreten der Einspielung

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