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SACD-Besprechung

Pentatone classics 5186 088

1 SACD • 60min • 2005

04.04.2006

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Diese Aufnahme vom Dezember 2005 sollte wohl eine Attraktion zum Mozartjahr 2006 werden. Ausgehend von der Tatsache, daß Mozart am 20. Juli 1782 aus Wien seinem in Salzburg lebenden Vater brieflich sein Vorhaben mitgeteilt hatte, „bis Sonntag acht Tage muß meine Oper (Anmerkung: Die Entführung aus dem Serail) auf die Harmonie gesetzt sein“, ist jetzt der niederländische Musikprofessor und Dirigent der vorliegenden Einspielung, Bastiaan Blomhert, fest davon überzeugt, die in dem Brief erwähnte, bisher aber verschollene „Harmonie“ entdeckt zu haben. Nach dem damaligen Verständnis einer Harmoniemusik (kurz „Harmonie“) handelte es sich offensichtlich um die Bearbeitung der Ouvertüre einschließlich aller wichtigen Arien und Szenen der Entführung KV 384 für die modischen, zahlreichen und beliebten Bläseroktette mit je 2 Oboen, 2 Klarinetten, 2 Hörnern und 2 Fagotte. Ausgerechnet die Fürstenbergsche Hofbibliothek in Donaueschingen sollte sich also als Fundort einer authentischen Mozart-Quelle herausgestellt haben, obwohl auch hier, wie in mehreren anderen Schlössern und Residenzen, etliche Bearbeitungen von anderer Hand – jedoch keine urschriftliche Partitur Mozarts – überliefert sind.

Bei einer derart komplizierten Beweisführung für den Donaueschinger Fund ist daher weniger von der Musik, um so mehr aber von der keineswegs schlüssigen Quellenlage des Notenmaterials „zweiter Hand“ aus der Sicht des Entdeckers in dem repräsentativ ausgestatteten Beiheft zu lesen. Manches Ungereimte gipfelt in der wenig realistischen Behauptung: „Heute, im Jahr 2005 gilt Mozart gemeinhin als Arrangeur der Donaueschinger Harmoniemusik.“ Ohne hier eine musikwissenschaftliche Kontroverse zwischen dem „Entdecker“ und der Editionsleitung der Neuen Mozart-Gesamtausgabe im einzelnen kommentieren zu können, spricht allerdings auch die auf der CD zu hörende klingende Botschaft aller 17 Einzelnummern der Entführung verhältnismäßig wenig für die andernorts überzeugenden Resultate von Mozarts zu bewundernder Instrumentierungskunst bei den Originalklängen des Komponisten. Vergleiche mit den authentischen Harmoniemusiken Mozarts im Hinblick auf seine Bläserserenaden und Divertimenti sprechen da für sich.

Die Werkwiedergabe des vorliegenden Programmes durch das prominent besetzte Bläserensemble der Londoner Academy of St. Martin in the Fields unter der Stabführung Blomherts brilliert mit einer auf perlende Schönheit und kammermusikalische Akribie ausgerichteten Perfektion, die den szenischen Gefühls- und Ausdrucksreichtum, nicht zuletzt die von Leidenschaften und allen Gefühlswallungen durchpulsten Themen und Melodievorlagen von Mozarts „türkischem“ Singspiel durch die Kühle einer peniblen Stilisierung ersetzt. Dennoch feiert hier ein reizvolles, musikgeschichtlich interessantes Kulturdokument seine Wiederentdeckung, das die Beliebtheit und den Verbreitungsradius Mozartscher Opernklänge fernab damaliger Theaterzentren erneut bestätigt und zugleich den Rang einer Bereicherung der Neuerscheinungen im gegenwärtigen Mozartjahr 2006 für sich beanspruchen darf. Nicht ganz glücklich scheint das CD-Problem einer Kompatibilität der „Hybrid Multichannel Super Audio“-Technik gelöst worden zu sein, da die herkömmliche Stereowiedergabe ein akustisches Übergewicht den Hörnern zubilligt, während die Oboen klanglich ins Abseits geraten sind. Die Aufmachung der mehrsprachigen Edition ist vorbildlich.

Dr. Gerhard Pätzig [04.04.2006]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Wolfgang Amadeus Mozart
1Harmoniemusik zu Die Entführung aus dem Serail

Interpreten der Einspielung

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