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CD-Besprechung

Wolfgang Amadeus Mozart The Complete Works for Violin and Orchestra

Challenge Records CC72155

2 CD • 2h 18min • 2005, 2006

01.12.2006

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Auf den ersten Höreindruck wirkt diese Gesamteinspielung der Violinkonzerte Mozarts keineswegs außergewöhnlich, wenn man nicht etwa gewillt ist, eine gleichermaßen sorgfältig analytische wie inspiriert musikantische Deutung als aufsehenerregend zu empfinden (selten genug wäre eine solche Leistung ja).

Das wirklich sensationelle Moment dieser Einspielung ist hingegen, wie nahe sich die einst auf geradezu programmatische Weise diametral gegenüberstehenden Interpretationsrichtungen: die moderne und die historisierende Aufführungspraxis nämlich, mittlerweile sind. Daß die konventionellen Orchester mit ihren modernen Instrumenten sich längst von der einst verfemten „Alte-Musik“-Richtung inspirieren lassen und von Fall zu Fall mit historischen Instrumentennachbauten experimentieren, ist kein Geheimnis; neu ist aber wohl, daß ein auf „period instruments“ spielendes Ensemble einen wesentlichen Teil des bisher gepflegten Stils aufgibt. Um es deutlich zu sagen: Der Rezensent möchte wetten, daß selbst ein erfahrener Hörer nicht eindeutig oder gar schnell wird entscheiden können, ob das Ensemble La Borea Amsterdam auf herkömmlichen oder auf alten bzw. nachgebauten Instrumenten spielt.

Hier sehen sich sämtliche Erkennungsmerkmale und Klischees der früher so außergewöhnlich erscheinenden „Authentisierer“ getilgt: Die Tempi sind jeweils angenehm gemäßigt, die Töne werden ausgehalten, die Artikulation ist federnd, aber keineswegs kurzatmig, und es wird dazu mit kontrolliertem, aber keineswegs armem Vibrato gespielt. Dazu ist die Akustik der Amsterdamer Waalse Kerk angenehm reich, ja sogar einigermaßen hallig. Komplett verlorengegangen ist schließlich die einstige reizvolle Fremdheit der älteren Instrumententypen. Nur noch phasenweise, besonders in manchen langsamen Sätzen, etwa im Adagio des fünften Violinkonzertes A-Dur KV 219, ist die ursprüngliche Sehnigkeit der Darmsaiten noch deutlich zu wahrzunehmen; über weiteste Strecken jedoch wird mehr oder weniger so phrasiert, wie es moderne Instrumente in den Zeiten nach der gegenseitigen Befruchtung eben auch leicht zustandebringen können. Der Geiger Johannes Leertouwer, der die „Borea“ auch leitet, agiert nie als herrischer Solist, sondern fügt sich stets in das Kollektiv ein; zu seinem angenehmen Spiel wäre höchstens anzumerken, daß er momentweise vielleicht nicht über letzte Intonationssicherheit verfügt: Im heiklen Passagenwerk des Finales des vierten Konzerts D-Dur KV 218 etwa schleichen sich winzige Trübungen ein.

Um Missverständnisse zu vermeiden: Die Artikulation hat nichts von der relativen Schwere und Steife, die manche Musikfreunde heute an älteren Einspielungen stört. Der springende Punkt ist vielmehr, daß sich die hier erzielte vernünftige Flexibilität so auch mühelos auf herkömmlichen Instrumenten erreichen läßt. So angenehm man also finden mag, daß die Alte-Musik-Szene hier einmal nicht ausschließlich mit Rekorden – immer schneller, immer kleiner besetzt, immer aggressiver phrasiert – auffallen muß – wenn der gegenseitige Annäherungsprozeß noch weiter geht, könnte mit einigem Recht die Frage aufgeworfen werden, wozu die so lange so valente Differenz zwischen modernen und historisierenden Instrumenten noch gut sein soll. An dem sehr guten Eindruck der vorliegenden Einspielung ändert das freilich nichts.

Dr. Michael B. Weiß [01.12.2006]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Wolfgang Amadeus Mozart
1Violinkonzert Nr. 1 B-Dur KV 207
2Violinkonzert Nr. 2 D-Dur KV 211
3Konzert Nr. 3 G-Dur KV 216 für Violine und Orchester
4Rondo B-Dur KV 269 für Violine und Orchester
5Violinkonzert Nr. 4 D-Dur KV 218
6Konzert Nr. 5 A-Dur KV 219 für Violine und Orchester
7Adagio E-Dur KV 261
8Rondo C-Dur KV 373

Interpreten der Einspielung

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