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CD-Besprechung

OehmsClassics OC 584

1 CD • 69min • 2005

09.05.2007

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Alle Musikfreunde, denen die filmisch-literarische Frage nach ihrer Liebesfähigkeit im Zugriff und Hinblick auf das Schaffen Brahms’ kein Kopfzerbrechen bereitet, dürfen sich von den Ton tragenden Medien gut versorgt fühlen. Der Katalog ist gut bestückt und vieles aus früheren Tagen – wie etwa die wichtige Quasi-Gesamteinspielung mit Julius Katchen (Decca) – werden die etwas älteren Kunden längst ihr eigen nennen. An aktuellen, umfangreichen Projekten arbeiten der deutsche Pianist Tilman Krämer (Venus Music) und sein Kollege Oleg Marshev (Danacord) – und auch der Reger-Promotor Kurt Seibert bewegt sich im „Auftrag“ seines Sohnes Christian auf Brahms-Kurs (nämlich für dessen junges Label Salycus). In diesen Kreis hat sich der aus dem sächsischen Oschatz stammende Andreas Boyde eingefunden. Ein Schüler von Amadeus Webersinke, entscheidend beeinflusst – wie im Booklet vermerkt – von Malcolm Frager, dem früh verstorbenen amerikanischen Künstler, dem die Klavierenthusiasten eine der stärksten Einspielungen des g-Moll-Konzerts op. 16 von Prokofieff verdanken (auf RCA unter der Leitung von René Leibowitz!).

Boyde nun beginnt sein Brahms-Vorhaben unter Beachtung der entstehungsgeschichtlichen bzw. publikatorischen Reihenfolge früher Talent- und Geniebeweise des Komponisten. Und er leistet diese anspruchsvolle, freilich auch beglückende Arbeit mit der nötigen Umsicht, was die Zeitmaße, die Zeiteinteilung und die damit verbundene Charakterzeichnung der einzelnen Sätze anbelangt. Dies zahlt sich günstig aus, wenn Boyde etwa dem „con fuoco“ zu spielenden Finalsatz der C-Dur-Sonate nur insoweit Tempo, also drängende Vorwärtsbewegung verleiht, als die ratternden Akkordserien nicht durch Atemlosigkeit, nicht in unkontrollierter Fieberhaftigkeit an Konturen, an „Allegro“-Munterkeit einbüßen. Namentlich auf dem Podium, wenn im imaginären Widerspiel mit dem Publikum auf Risiko gesetzt wird, neigen die Interpreten ja dazu, sich in diese Musik förmlich zu verbeißen, um sich erst mit den letzten Tönen zugespitzter Expressivität entwinden zu können.

Boyde formuliert einen Brahms der realen Schönheiten, der logischen Entfaltung thematischer Vorgänge unter genauer Beachtung motivischer Keimzellen. Er lässt dem Hörer Zeit und Raum, den komponierten Wunderdingen wie einer zum klaren Leben erweckten Partitur zu folgen. Er steuert – wenn ich es recht vernommen habe – keine dynamischen Grenzwerte an, hütet sich, in den langsamen, bildhaft-poetischen Episoden in allzu indirekter Rede zu „sprechen“. Das heißt: Hier wird zwar zwischen den Zeilen gelesen und artikuliert, aber niemals im Sinne eines germanisierten Impressionismus’, der sich im Raunen und Aquarellisieren üben und selbst befriedigen würde. Interessant wird es deshalb sein, wie Andreas Boyde in editorischer Zukunft die kleineren Formate op. 116 bis op. 119 anfassen und zum singenden Sprechen bringen wird. Bei den kapitalen Variations-Zyklen wird er sich von der pianistischen und gestaltenden Mentalität her – dies wage ich zu prognostizieren – wie auf heimatlichem Boden. also ästhetisch gewissermaßen zu Hause fühlen.

Vergleichsaufnahmen:

Katchen (Decca), Vogt (EMI 557392 2); Sonaten Nr. 1 und 2: Zimerman (DG), Mezzena (Nuova Era 6703); Sonate Nr. 1: Marshev (danacord DACOCD 643), Nakamatsu (harmonia mundi France 907218/ 10. Van Cliburn Wettbewerb 1997); Sonate Nr. 2: Kirschnereit (Arte Nova 74321 97433 2); Scherzo: Kirschnereit (Arte Nova 74321 97433 2), A.Bach (Arte Nova 56349 2), Zimerman (Great Pianists Philips 456 997-2)

Peter Cossé † [09.05.2007]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Johannes Brahms
1Klaviersonate Nr. 1 C-Dur op. 1
2Klaviersonate Nr. 2 fis-Moll op. 2
3Scherzo es-Moll op. 4

Interpreten der Einspielung

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