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CD/SACD-Besprechung

LSO LSO0661

1 CD/SACD • 77min • 2007

08.07.2008

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 7
Klangqualität:
Klangqualität: 6
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 7

Gustav Mahlers Sechste, bekannt als die „Tragische", will viel. Sie führt den Hörer in esotherische Höhen, wohin als letzter irdischer Klang noch das Geläut ferner Herdenglocken dringt, und sie nimmt ihn mit in die Niederungen der Banalität, wo das Schicksal mit dem Holzhammer zuschlägt. Himmel und Hölle, Vernichtung und Aufbegehren, Idylle und Apocalypse in vier Sätzen und knapp achtzig Minuten. Mahler bemüht dafür ein riesiges Orchester und handhabt dies mit aller erdenklichen Meisterschaft. Ob der Komponist nun einem allgemeinen Programm Ausdruck verleihen wollte oder sein eigenes Schicksal vorausahnte (wie manche Exegeten wähnen) ist letztlich unerheblich – charakteristisch ist die heroisch-fatalistische Grundstimmung des Werkes, in dem (wie es Bruno Walter ausdrückte) die Unerbittlichkeit des Kampfes aller gegen alle Musik geworden zu sein scheint.

Doch was unter Barbirolli den Hörer bis ins tiefste Mark erschüttert, lässt ihn in der Neuaufnahme unter dem vielbeschäftigten Gergiev seltsam unberührt. Zwar weiß der Russe den orchestralen Showdown wirkungsvoll zu inszenieren, und das exzellente London Symphony Orchestra, dessen Chefdirigent Gergiev seit 2007 ist, lässt sich wahrhaftig nicht lumpen und spielt wie immer mit höchster Kultur, doch treten die instrumentalen Merkwürdigkeiten dieser außerordentlichen Partitur bei Weitem nicht so krass zutage wie in der vierzig Jahre alten Aufnahme des großen Sir John (was nicht allein an dem etwas entfernten, nivellierenden Klangbild der Neueinspielung liegt). Barbirolli breitet alles wie auf dem Seziertisch aus, während Gergievs rastlose, mitunter gar atemlose Gangart dafür kaum Zeit lässt und durchgehend das Espressivo des Spiels merklich reduziert. So erreicht er auch nicht Bernsteins flammende Leidenschaft – sein Feuer bleibt kühl, sein Ausdruck immer etwas distanziert. Formal bringt er damit die disparaten Momente dieser Sinfonie recht gut unter einen Hut, was die Rezeption des Werkes vordergründig erleichtert, doch die wirkliche Ergriffenheit – Mahler selbst ist bei der Generalprobe zur Uraufführung in Schluchzen ausgebrochen – stellt sich nicht ein.

Sixtus König † [08.07.2008]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Gustav Mahler
1Sinfonie Nr. 6 a-Moll (Tragische)

Interpreten der Einspielung

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