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CD-Besprechung

Coviello Classics COV 50913

1 CD • 72min • 2008

16.12.2009

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Der aus dem Baden-Württembergischen Leonberg stammende Tilman Krämer begann 1992 sein Klavierstudium in Lübeck bei Konrad Elser. In Wien bildete sich Krämer in der Klasse von Leonid Brumberg weiter, einem Schüler von Heinrich Neuhaus. Zurück in Lübeck beendete er 1999 seine Studien wiederum unter den Fittichen von Konrad Elser. Schon zwei Jahre später erhielt er einen Lehrauftrag an „seiner“ Musikhochschule. Seit April 2007 leitet Krämer eine Klavierklasse an der Hochschule für Musik in Freiburg. Eine „Karriere“ mithin auf beiden Seiten des Ausbildungswesens, die auch von den Erfahrungen bei Meisterkursen geprägt ist (Oleg Maisenberg, James Tocco, Andrzei Jasinski), aber auch von „Impulsen“ von Interpreten, die sich wie Elisabeth Leonskaja nie für eine pädagogische Institution erwärmen konnten. Ich erwähne diese biographischen Details, weil Krämers pianistischer Lebensweg im deutschen Sprachraum eher im Verborgenen verlief, will meinen: er ist einem fachlich interessierten Hörerkreis bekannt (vor allem durch seine erste Brahms-Einspielung und die Gesamtaufnahme von Mendelssohn Bartholdys „Lieder ohne Worte“), weniger aber dem so genannten breiten Publikum. Das sollte sich ändern, denn Krämer hat in den Bereichen gestalterischer Ernsthaftigkeit nicht weniger zu bieten als viele seine Kollegen, die zurzeit stärker im Blickpunkt der Medien und der Veranstalter stehen.

Die beiden Sonaten op. 1 und op. 2 bietet Krämer mit klarer, überzeugender Entscheidung für einen runden, niemals leichtfertig wirkenden, wenn nötig gewichtigen, ja schweren Klavierklang. Ein Klang, der sich ja nicht auf Grund der Charakteristiken eines Instruments wie von selbst einstellt, sondern auf der handwerklichen Ebene geformt werden muss – und in Folge dessen im mysteriösen Raum von solistischer Vorstellungskraft und hörendem Erleben Gestalt annimmt. Diese Kunst einer dem kompositorischern Anlass und zugleich die Biographie des Autors berücksichtigenden Farb- und Klangjustierung sichert besonders den verhaltenen Sätzen und Satzpassagen jene für Brahms’ Klaviermusik unverzichtbare Mischung aus herausfordernder Konturenschärfe und gleichsam indirekter Beleuchtung. Insofern gelingen Krämer die langsamen Sätze, das fast schon irreale Skalengeflecht am Ende der fis-Moll-Sonate oder auch die verhaltenen Episoden der beiden Sonaten-Kopfsätze, auf hohem kommunikativem Niveau.

In jenen Phasen der Sonaten und auch in den „Rasch und feurig“ zu packenden Segmenten des es-Moll-Scherzos op. 4 vermisse ich jedoch jene risikofreudige Angriffsbereitschaft, die meiner Überzeugung nach für die Übermittlung dieser Jugendwerke unerlässlich ist. Gefährliche Sprünge in rasantem Tempo – durchsetzt von atemlosen Terzensalven –, explosive Akkordkombinationen und durchaus als Imponiergehabe des jungen „Komponiervirtuosen“ zu begreifende Tastenschikane behandelt Krämer diskret, scheut sich nicht, im Tempo jeder Art von Unpässlichkeit aus dem Weg zu gehen. So bleibt der letzte Satz der C-Dur-Sonate etwas bodenschwer, in den finalen pianistischen Atemzügen zu moderat, zu geschäftsmäßig ausgehandelt (wobei ich nicht nur an die fulminante Katchen-Einspielung denke!). Dies gilt auch für das Scherzo op. 4, in dessen aggressiven Teilen Bedachtsamkeit und Bedächtigkeit eine Allianz bilden, die den Eindruck erweckt, als habe Tilman Krämer den Betrieb dieses kleinen Kraftwerkes aus Sicherheitsgründen etwas zurückgefahren.

Vergleichsaufnahmen: Zimerman (DG), Katchen (Decca), Klien (Vox), Vogt (EMI 557392 2), Boyde (Oehms 584); Sonaten op. 1 und op. 2: Rittner (MDG 904 1538-6); Op. 1: Marshev (danacord DACOCD 643), Nakamatsu (harmonia mundi France 907218); Op. 2: Kirschnereit (Arte Nova 74321 97433 2); Op. 4: A.Bach (Arte Nova 56349 2), Kempff (DG), Zimerman (Great Pianists Philips 456 997-2).

Peter Cossé † [16.12.2009]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Johannes Brahms
1Klaviersonate Nr. 1 C-Dur op. 1 00:32:11
5Klaviersonate Nr. 2 fis-Moll op. 2 00:29:18
9Scherzo e flat minor op. 4 – Rasch und feurig 00:10:33

Interpreten der Einspielung

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