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DVD-Video-Besprechung

Styriarte 9120042720016

2 DVD-Video • 3h 32min • 2008

22.03.2010

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Wir werden es vielleicht noch erleben, dass Hans Neuenfels, der Auseinandersetzung mit konservativen Dirigenten müde, selbst ans Pult tritt und uns seine Sicht der inszenierten Werke auch musikalisch zu übermitteln versucht. Dass andersherum Dirigenten den Job des Regisseurs gleich mit übernehmen, um die Musik vor szenischen Übergriffen zu schützen, hat dagegen schon eine lange Tradition. Nikolaus Harnoncourt, der noch mit Meistern wie Jean-Pierre Ponnelle zusammenarbeiten konnte und zuletzt in dem stets dirigentenfreundlich arrangierenden Jürgen Flimm einen zuverlässigen Mitarbeiter gefunden hatte, ist da eher ein Nachzügler. Seinen dritten szenischen Idomeneo wollte er, fast 80jährig, selbst in die Hand nehmen, wobei ihm sein Sohn Philipp, seiner im Booklet abgedruckten Vita zufolge ein theatralischer Tausendsassa, helfend zur Seite stand. Das Ergebnis, vor zwei Jahren beim Festival styriarte in Graz präsentiert, ist jetzt auch auf DVD zu erleben.

Von einem „Triumph des Musiktheaters“ (Die Welt) oder gar einem „Jahrhundertereignis“ (Frankfurter Rundschau) kann aber in Bezug auf die Inszenierung nicht die Rede sein. Den Harnoncourts fehlt es an zwingenden szenischen Visionen und ein bisschen auch am schlichten Handwerk. Rolf Glittenberg, der schon so vielen Theaterproduktionen seinen ästhetischen Stempel aufgedrückt hat, liefert hier mit antik wirkenden, verschiebbaren Wänden einen spartanischen Rahmen. Der kühle Professionalismus der Choreographie Heinz Spoerlis wirkt dabei in diesem Umfeld fast wie ein Fremdkörper.

Die Solisten dieser szenischen Produktion wirken durchweg gut geführt, wissen auf jeden Fall, was sie singen und darstellen. Insbesondere Julia Kleiter als Ilia und Marie-Claude Chappuis als Idamante erreichen eine seltene Einheit von Musik, Sprache, Mimik und Gestik und verzaubern den Hörer mit erfülltem und beseeltem Mozart-Gesang. Eva Mei wahrt als Elettra auch in ihren Zornesausbrüchen die Contenance und singt außerordentlich zuchtvoll. Lediglich der junge albanische Tenor Saimir Pirgu, der für den virtuosen Vortrag seiner Arie „Fuor del mar“ verdiente Ovationen erhält, muß sich den Leidensausdruck des gepeinigten Vaters Idomeneo ein bisschen „erknattern“. Als erstklassiger Mozart-Tenor erweist sich auch Jeremy Ovenden in der Rolle des Arbace, der hier als eine Variante des blinden Tiresias angelegt ist. Mit starker Bühnenautorität füllt Rudolf Schasching die kleine Rolle des Oberpriesters aus.

Harnoncourt wäre nicht Harnoncourt, wenn er nicht mit dem Anspruch auftreten würde, das Werk quasi mit „Röntgenblick“ in seiner ursprünglichen Intention begriffen zu haben. Seine Grazer Fassung weicht in einigen Punkten von den bekannten Versionen ab. Man goutiert dies jedoch angesichts einer musikalischen Interpretation, die sich durch Liebe zum instrumentalen wie vokalen Detail auszeichnet und das Drama in emotionaler und gedanklicher Hinsicht ganz auslotet.

Direktbezug nur über: www.styriarte.com

Ekkehard Pluta [22.03.2010]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Wolfgang Amadeus Mozart
1Idomeneo KV 366

Interpreten der Einspielung

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