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CD-Besprechung

cpo 777 465-2

1 CD • 78min • 2009

20.01.2011

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Es ist eine verdienst- und klangvolle Reverenz, die die Anhaltische Philharmonie Dessau unter der Leitung von Golo Berg ihrem einstigen Hofkapellmeister August Klughardt (1847-1902) erweist. Der begeisterte Wagnerianer aus Köthen, der unter anderem bei seinem Amtsvorgänger Eduard Thiele ausgebildet wurde, verhalf seinerzeit nicht allein seinem Orchester zu einem beachtlichen Niveau: Nachdem er in den neunziger Jahren den kompletten Ring des Nibelungen auf die Bühne gebracht hatte, galt Dessau als das „Bayreuth des Nordens", und wie so oft hat sich wohl auch hier ein unsichtbarer, gleichwohl wahrnehmbarer genius loci oder spiritus rector über die Institution gelegt, denn merkwürdigerweise scheint sich das, was wir hier aus Klughardts eigener Feder hören können, in der anhaltischen Umgebung recht wohl zu fühlen - beide Werke, die 1879 entstandene dritte Sinfonie wie auch das Violinkonzert von 1895, wurden in Dessau uraufgeführt und treiben, so will mir vorkommen, auf ihrem einstigen Nährboden doch manch hübsche Blüte.

Erfreulich ist dabei über weite Strecken vor allem das Violinkonzert, in dem sich die lyrischen Qualitäten Klughardts besonders entfalten konnten. Davon profitiert nicht nur Mirjam Tschopp, die eine Fülle bestrickend eloquenter Aufgaben zu lösen hat, sondern auch das Orchester bis hin zur Pauke, die der Komponist an dramaturgischen Knotenpunkten in einen subtilen Dialog mit dem Soloinstrument eintreten läßt - ganz von fern vielleicht eine Erinnerung an Ludwig van Beethovens fünftes Klavierkonzert bzw. die Kadenz zur Klavierfassung des Violinkonzerts, aber doch nicht etwa „nachgeäfft": Der musikalische Handlungsverlauf, denn mit einem solchen haben wir es vor allem im ersten Satze zu tun, erfordert geradezu den delikaten und dennoch schicksalhaften Kommentar. Eine separate, knapp dreiminütige Kadenz, ein Halbsatz sozusagen vor dem wiederum sehr sanglichen Adagio, ist im Prinzip der einzige formale „Ausreißer" des Werkes, dem man lediglich eine etwas zu redselige Lösung des sattsam bekannten „Finalproblems" wird attestieren müssen.

Die dritte Sinfonie kann demgegenüber eine gewisse Biederkeit nicht verhehlen, wozu sich in dem lebhaften ersten Satze eine unverkennbare Freude an der durchführenden Sequenz gesellt: Kein Wunder also, dass sich in das viertelstündige Gebilde einige Leerläufe eingeschlichen haben, an denen selbst die vernehmlich engagierte Wiedergabe nichts zu ändern vermag. Alles weitere ist straffer gefügt, einprägsamer und vermutlich auch der eigentliche Grund dafür, dass sich dieses Werk zu Lebzeiten seines Komponisten beim Publikum besonderer Beliebtheit erfreute.

Rasmus van Rijn [20.01.2011]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
August Klughardt
1Violinkonzert D-Dur op. 68 00:39:44
5Sinfonie Nr. 3 D-Dur op. 37 00:38:02

Interpreten der Einspielung

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