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CD-Besprechung

Tacet 194

1 CD • 60min • [P] 2011

14.07.2011

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 6
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 6

Angesichts der immensen diskographischen Fülle von Beethoven-Sonaten, unter ihnen viele Sternstunden der Klaviermusik, tritt jede weitere Veröffentlichung automatisch ein schweres Erbe an. Freilich ist es auch heute noch möglich, sich mit diesem Repertoire als erstklassiger Pianist zu erweisen, der Beethovens Anspruch voll gerecht wird und ihm dennoch seinen individuellen Stempel aufzudrücken vermag. Glücklicherweise gelingen solche Einspielungen auch immer wieder, nur sind sie naturgemäß dünn gesät; das macht der Vergleich mit den vielen anderen CDs deutlich, die sich dem weiten Mittelfeld des ordentlichen Durchschnitts zuordnen lassen. Nur drängt sich bei einer solchen Platte dann schon mal die Frage auf, warum sie eigentlich produziert wurde.

So auch beim neuen Beethoven-Album von Markus Schirmer, das immerhin mit einem interessanten programmatischen Konzept aufwartet, in dessen Mittelpunkt das Sonatendoppel op. 27 steht. Schirmer gestaltet den lyrischen Beginn der Es-Dur-Sonate in zarter Schönheit, verleiht aber den restlichen Episoden von Beethovens Fantasialand zu wenig Abwechslung und auch akribische Gestaltung, wodurch seine Interpretation insgesamt recht stromlinienförmig ausfällt. Der sehr gut aufgenommene Fazioli unterstützt das kantable Spiel des Pianisten, zeigt aber auch die stellenweise unterbelichtete linke Hand, einige manuelle Ungenauigkeiten sowie die Blässe von Beethovens markanter Motorik – im Finale etwa springt der Funke des rhythmischen Feuers kaum auf den Hörer über. Im Kopfsatz der cis-Moll-Sonate leistet sich Schirmer eine sehr individuelle Sichtweise, indem er Beethovens alla breve-Vorschrift ignoriert und den Adagiopuls auf die Viertel verlegt. Allerdings tut er sich damit keinen Gefallen, weil er die enorme innere Spannung eines derart langsamen Tempos nicht durchzustehen vermag. Die übrigen beiden Sätze gelingen ihm da besser, wobei auch hier das Finale in seinem Verlauf deutlich an dämonischem Potential einbüßt.

Von der kompositorischen Substanz her stehen die „kleinen" Sonaten op. 49, die beiden Sonatinen in F und G sowie die Variationen über ein Schweizer Lied eigentlich außer Konkurrenz. Schirmer nimmt sich ihrer auf beschwingte Weise an und zeigt quasi nebenbei, wieviel Charme in diesen Beiträgen Beethovens zur Klavierpädagogik steckt.

Damit könnte diese Rezension auch ein versöhnliches Ende finden, wenn nur der Booklet-Text besser wäre. Der sich in wohlgesetzten Worten verbreitende Autor gerät nämlich arg ins Salbadern, wenn er über die bedeutungsschweren Gedanken des Pianisten über die Mondscheinsonate schreibt. Nur bieten Schirmers Erkenntnisse keineswegs Neues: der Bezug dieses Werkes zu Trauer und Tod ist in der Sekundärliteratur hinreichend dokumentiert, und den Vergleich mit einem See hat Ludwig Rellstab bereits vor 200 Jahren gefunden. Bitte in Zukunft mehr Profil und weniger Profilierungssucht.

Henri Ducard [14.07.2011]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Ludwig van Beethoven
1Klaviersonate Nr. 13 Es-Dur op. 27 Nr. 1 (Quasi una fantasia) 00:15:06
5Klaviersonate Nr. 19 g-Moll op. 49 Nr. 1 00:07:08
7Klaviersonate Nr. 20 G-Dur op. 49 Nr. 2 00:08:03
9Sechs Variationen F-Dur über ein Schweizer Lied WoO 64 00:03:03
10Leichte Sonatine Nr. 1 G-Dur 00:03:31
12Leichte Sonatine Nr. 2 F-Dur 00:04:29
14Klaviersonate Nr. 14 cis-Moll op. 27 Nr. 2 00:17:42

Interpreten der Einspielung

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