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CD/SACD stereo/surround-Besprechung

BIS 1857

1 CD/SACD stereo/surround • 74min • 2010, 2011

09.01.2012

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

Mit seinem ausführlichen Hinweis auf Johann Georg Sulzers Allgemeine Theorie der Schönen Künste hat Horst A. Scholz, als er seinen delektierlichen Begleittext verfaßte, eigentlich alles gesagt, was zur gegenwärtigen Produktion, sprich: zu den allzu häufig als „Dreiviertelquartette" herabgewürdigten Stücken des sechs- bis achtundzwanzigjährigen Beethoven wie auch zu dem „All-Star-Ensemble" zu sagen ist, dessen Mitglieder uns vom ersten bis zum letzten Takt vor Ohren führen, dass man sehr wohl aus fertigen Individualisten eine kapitale Gemeinschaft bilden kann, wenn denn nur der Wille und ein großer einender Geist – was wäre der hier zur Debatte stehende Komponist denn wohl sonst? – am Werke sind. Weshalb ich darum ersuche, Sulzern für ein paar Zeilen selbst zu lauschen und alles, was er zur Gattung äußerte, ganz unverfälscht auch für die drei Künstler gelten zu lassen, die aus Beethovens dreiteiligem Opus 9 ein Haupt- und Staatserlebnis gemacht haben.

„Das eigentliche Trio hat drey Hauptstimmen, die gegen einander concertiren, und gleichsam ein Gespräch in Tönen unterhalten. Jede Stimme muß dabey intereßirt seyn, und indem sie die Harmonie ausfüllt, zugleich eine Melodie hören lassen, die in dem Charakter des Ganzen einstimmt, und den Ausdruk befördert. Dies ist eine der schweersten Gattungen der Komposition. [...] Daher erfodert das Kammertrio eine Geschiklichkeit des Tonsezers, die Kunst hinter dem Ausdruk zu verbergen. [...] Gute Trios dieser Art sind aber selten, und würden noch seltener seyn, wenn der Tonsezer sich vorsezte, ein vollkommen leidenschaftliches Gespräch unter gleichen, oder gegen einander abstechenden Charakteren in Tönen zu schildern. Hiezu würde noch mehr erfodert werden, als wolklingende Melodien auf eine künstliche und angenehm ins Ohr fallende Art dreystimmig zusammen zu sezen. Nur der, welcher alle einzele Theile der Kunst mit einer fruchtbaren und lebhaften Phantasie verbäände, und sich übte, jeden Zug eines Charakters oder einer Leidenschaft in den schildernden Gesprächen eines Heldengedichts, oder eines Drama, oder im Umgange, musikalisch zu empfinden, und in Tönen auszudrüken, wüürde eines solchen Unternehmens fähig werden, und das Trio zu der höchsten Vollkommenheit erheben."

Wenn man nun miterlebt, wie Frank-Peter Zimmermann im G-Dur-Trio zu erzählen beginnt, wie dann Antoine Tamestit und Christian Poltéra ihre staunenden Kommentare abgeben und man sich selbdritt im zwölften Takt auf dem H-Dur/h-Moll-Wechsel begegnet: Dann ist eigentlich schon klar, dass uns ein phänomenales Ereignis bevorsteht. Wie viel „fertiger" Beethoven – bis hin zur „Szene am Bach" (im Adagio des ersten Trios) – und wie viel Anregungen für die Zukunft (fand Felix Mendelssohn am Ende gar seinen persönlichen Elfenzauber im Presto-Finale des nämlichen Werkes?), welch immense satztechnische Kunst und vor allem: welch ein enormer „Ausdruk" ist in dieser Trilogie vorhanden!? Ein Dutzend Wunder offerieren uns Zimmermann-Tametit-Poltéra, und das tun sie ohne alle Kraftmeierei, ohne virtuose Taschenspielertricks – einzig durch die Beachtung der Vortragsanweisungen, das Aufspüren von Tempi, in denen der Stoff zu voller Blüte gelangt, und durch ein Miteinander, das man nur in einer der vielbeschworenen und selten eintretenden Sternstunden zu hören bekommt.

Rasmus van Rijn [09.01.2012]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Ludwig van Beethoven
1Streichtrio G-Dur op. 9 Nr. 1 00:26:39
5Streichtrio D-Dur op. 9 Nr. 2 00:21:27
9Streichtrio G-Dur op. 9 Nr. 3 00:24:43

Interpreten der Einspielung

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