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CD-Besprechung

Paul Hindemith Orgelwerke Organ Works

Ambiente ACD-2024

1 CD • 56min • 2011

22.05.2012

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

Diese Musik entfaltet ihre ganz besondere Sogwirkung: Keineswegs einfach sind die Orgelwerke von Paul Hindemith, doch sie verankern sich im Ohr des Hörers unweigerlich, um im Unterbewusstsein weiter zu wirken. Denn bei allen hier zum Einsatz kommenden intellektuellen Verfahren sind vor allem die melodischen Einfälle und harmonischen Färbungen voll emotionaler Tiefenwirkung.

Die Interpretation von Paul Hindemiths drei Orgelsonaten sowie zwei frühen Stücken und einer später späten Orgelbearbeitung von Hindemiths Ludus Tonalis durch den Österreicher Roman Summereder für das Ambiente-Label will alles, nur keine vordergründigen Effekte aufbieten. Man fühlt sich stattdessen herausgefordert, noch tiefer einzudringen. Um  diesen Kompositionen noch mehr Fragen zu stellen, weil eben keine naheliegenden Antworten zur Verfügung stehen.

Bekanntlich war Paul Hindemith kein ausgesprochener Orgel-Komponist, wie etwa Max Reger oder Olivier Messiaen. Als Hindemith sich diesem größten aller Instrumente annäherte, griff er auf bereits vorhandene kompositorische Prinzipien zurück. Was auch beinhaltete, die Musik aus dem „Klangleben des Instrumentes heraus“ zu schöpfen – so formuliert es  Roman Summereder vor allem für die drei Orgelsonaten, die zwischen 1937 und 1940 entstanden.

Summereder macht sich für diese Einspielung mit der Mahrenholz-Furtwängler-Orgel in der Göttinger Marienkirche ein Instrument zu Nutze, das ganz Paul Hindemiths Idealvorstellungen vom Orgelklang entsprochen haben muss. Dieser forderte eine Abkehr vom romantisch-opulenten Klangideal des 19. Jahrhunderts. Bei dieser 1925 erbauten Orgel erfolgte eine Rückbesinnung auf neobarocke Prinzipien mit einer  übersichtlichen Disposition und einem reichen Reservoir an obertonreichen Zungen-Klängen.

Dieses Potenzial nutzt Roland Summereder, um ins erstaunliche Innenleben dieser Tonsprache vorzudringen und zugleich deren hohes Maß an struktureller Klarheit und formaler Stringenz zu verdeutlichen.Da leben Einflüsse aus Bachscher Polyphonie gleichermaßen wie Spurenelemente aus der Zwölftontechnik. Trotzdem bleibt alles weitgehend um tonale Bezugspunkte, ja um klar definierte Themen zentriert. Immer wieder überwiegt eine Signalwirkung des Melodischen und dessen intellektuell-komplexe Verarbeitung bis in eigenwillige Schwebezustände hinein.

Zwei frühe Stücke aus dem Jahr 1918 eröffnen mit schillernd polyphoner Klangarchitektur. Vor allem in der extensiven absteigenden Chromatik evoziert Roland Summereders Spiel ein Sich-Fallenlassen in Zustände von mystischer Verklärung gleich zu Anfang. Die drei, zwischen 1937 und 1940 entstandenen Sonaten, von denen die dritte komplett auf Liedbearbeitungen beruht, bilden das Kernstück dieser CD. Alle drei arbeiten mit starken Sogwirkungen, die durch eine prägnante Motivik erzeugt wird, welche in einem Geflecht aus dissonanter Harmonik und rhythmisch stark akzentuierter Polyphonie nie an Richtung verliert. Es gibt Aufnahmen  dieser Sonaten, die stärker das brillante Virtuose und Leuchtende herausstellen, die beim ersten Hören deutlich mehr spektakulären Effekt machen. Summereder realisiert auf der Mahrenholz-Furtwängler-Orgel eher gedeckte Klangfarben, die aber dann durch ihren subtilen Nuancenreichtum umso mehr bestechen, sobald man sich in sie hinein gehört hat. Ist erst mal die Versenkung gelungen, eröffnet sich eine staunenswerte Bandbreite emotionaler Zustände zwischen lyrisch-feiner Intimität und triumphaler Größe. Das bringt – bei mehrmaligem intensiven Hören umso mehr – viele  tief berührende Momente hervor.

Stefan Pieper [22.05.2012]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Paul Hindemith
1Zwei Stücke für Orgel 00:06:19
3Sonate Nr. 1 für Orgel 00:19:16
5Zweite Sonate Nr. 2 00:12:01
8Sonate für Orgel nach alten Volksliedern 00:10:46
11Interludium secundum, Pastorale, moderato 00:01:18
12Fuga quinta, Vivace 00:01:41
13Postludium, Solenne, largo - Arioso, tranquillo - Moderato 00:04:12

Interpreten der Einspielung

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