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CD-Besprechung

Anton Heiller

Das Orgelwerk Vol. 2

Ambiente ACD-2028

1 CD • 63min • 2010, 2012

31.10.2013

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

Die erste Folge der auf zwei Volumina angelegten Einspielung sämtlicher Orgelwerke Anton Heillers (1923 – 1979) wurde in Klassik Heute vor einiger Zeit sehr positiv gesprochen; abgesehen vom interessanten, durchaus hörenswerten Repertoire einer wichtigen Figur der österreichischen Nachkriegszeit wurden Roman Summereders Interpretation, die eindrucksvolle Klangtechnik sowie die sorgfältige, ja, liebevolle Ausstattung und Kommentierung besonders gelobt. Kritisch wurde über die kompositorisch hochstehenden Frühwerke Heillers aus den 1940er Jahren angemerkt, dass die Metrik im Vergleich zu den Standards der Zeit, vor allem etwa Strawinsky, Bartók und dem Heiller-Freund Hindemith, etwas zu gleichmäßig und dadurch vorausschaubar war.

Die nun vorgelegten Werke der mittleren Phase von Heillers Komponierens seit 1957 bis hin zum Spätwerk der 1970er Jahre erleben schon mit der Fronleichnamssammlung In Festo Corporis Christi von 1957 einen echten Qualitätssprung. Etwaige rhythmische oder metrische Korsetts hat Heiller nun zugunsten eines freien Phantasierens überwunden. Immer noch schätzt er, wie etwa in der Fantasia super Salve Regina von 1963, rhythmisch-metrische Muster, doch nun kann er über alle musikalischen Parameter ohne eine zu starke Bindung an die Tradition verfügen. Nie verfängt sich Heiller, auch nicht in den noch stärker konventionell ausgerichteten Stücken, in den engen Bahnen akademischer Kirchenkomposition; immer sind auch die geistlichen Werke autonom konzipiert und stellen damit mehr als bloß funktionale Kunst dar. Was Heillers Orgelwerke von früh bis spät gleichermaßen auszeichnet, ist der Ernst, mit dem er nach einem Komponieren strebt, das einerseits die universalen Gesetze der Musik anerkennt – das bewahrt ihn vor den Überspanntheiten der Avantgarde, vor allem aber deren Problemen mit handwerklicher Verantwortung; andererseits orientiert er sich durchaus an der Moderne Schönbergs, Strawinskys, Bartóks, Hindemiths, die er mit eigenen Lösungen weiterdenkt und hierbei zuweilen auf Messiaen'sche Komplexität stößt – ohne dabei jemals von diesem tatsächlich beeinflußt zu sein. Summereder nennt diese musikästhetische und -geschichtliche Reflektiertheit im Begleittext sehr treffend eine Art „ ,dritten Weg' zwischen Tonalität und Dodekaphonie“.

Sämtliche der hier versammelten acht Werke bieten also reichlich Stoff für ein intellektuelles wie auch sinnliches Hören. Man beachte etwa den fröhlichen, rhythmisch raffinierten Ausklang der Fronleichnamssammlung In Festo Corporis Christi, die die monumentalen Klangmassive in der Fantasia super Salve Regina, die makabren Gesichte der Karfreitagsmeditation Ecce lignum crucis von 1967, die wunderbaren Drei kleinen Choralvorspiele von 1975, die einen von Stilkopie freien Geist des Neobarock atmen, sowie die kurze Jubilatio von 1976, die auf guten fünf Minuten Heillers komplexes wie kühnes Komponieren noch einmal zusammenfaßt. Einen perfekten Schlußpunkt stellen die beiden kurzen Stücke über Es ist ein Ros' entsprungen dar, welche – 1944 bzw. 1977 entstanden – in nicht einmal fünf Minuten eine Brücke über Heillers gesamtes Orgelwerk spannen: ein Kleinod sui generis. Roman Summereder, ein Schüler Anton Heillers, hält perfekte Balancen zwischen Farbvielfalt und linearer Strenge, Erregtheit und Ruhe, sachlich gefilterter Ekstase und dem heiligen Ernst dieser Musik. Ein weiteres Mal wurde die prachtvolle Bruckner-Orgel der Stiftsbasilika St. Florian klanglich überlegen abgebildet. Nicht nur Orgelfreunden sei dieser Musterfall moderner Edition empfohlen, sondern auch Hörern, die sich dafür interessieren, wie eine zeitgemäße musica sacra und ein seriöses Komponieren jenseits des Akademismus möglich sind.

Dr. Michael B. Weiß [31.10.2013]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Anton Heiller
1In Festo Corporis Christi (Vier Stüclke zum Fronleichnamsfest) 00:11:00
5Postludium super Ite missa est XI – Un poco andante 00:05:01
6Fantasia super Salve Regina – Lebhaft und sehr frei beginnen 00:16:10
7Ecce lignum crucis (Eine Meditation) – Lento - Più mosso - Lento 00:06:44
8Meditation über die gregorianische Oster-Sequenz Victimae paschali laudes – Feierlich gemessen 00:05:28
9Valet will ich dir geben (Choralvorspiel) – Langsam, etwas frei 00:02:31
10Der Tag ist dahin (Choralvorspiel) – Langsam, frei 00:02:40
11Mit Fried und Freud ich fahr dahin (Choralvorspiel) – Langsam, frei 00:01:50
12Jubilatio – Breit - etwas rascher - Tempo I 00:05:50
13Es ist ein Ros' entsprungen (Kleine Partita in drei Sätzen) 00:02:48
15Es ist ein Ros' entsprungen (Orgelsatz) – Ruhig bewegt 00:01:34

Interpreten der Einspielung

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