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CD-Besprechung

cpo 777 829-2

1 CD • 68min • 2013

15.08.2014

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

“Boris Papandopulo, zweifellos einer der bedeutendsten kroatischen und südslawischen Musiker und Komponisten des 20. Jahrhunderts”, liest man in so vollmundig-unbewiesenen Superlativen, dass man sich eingeschüchtert aufs Arme-Sünder-Bänkchen drückt und recht zagend fragt, warum das musikalische Schaffen des Mannes, der 1906 in Bad Honnef (!) als Sohn der allerdings recht berühmten Sängerin Maja Strozzi zur Welt kam, die er mit fünfundachtzig Jahren in Zagreb wieder verließ, nicht längst zur täglichen allgemeinen Seelenspeise geworden ist. Nachdem der erste Schreck über die eklatante Wissenslücke überwunden, das ansonsten ausführliche, reichhaltige Beiheft studiert und auch das eine oder andere über die heute zu Gebote stehenden Kanäle herangeschafft ist, weicht die schamrote Selbstbezichtigung allmählich der Erkenntnis, dass die eingangs zitierte Eloge wohl doch wieder auf dem Bockshorn gespielt ward, in das man uns glaubt jagen zu müssen.

Gewiß hat Papandopulo gut, gern und viel komponiert, und wer lange genug sucht, findet neben temperamentvoller, teils folkloristisch getönter, teils neoklassizistischer Munterkeit mancherlei stimmungsvolle, wenn nicht gar erhebende Musik (sehr zu empfehlen ist die Kroatische Messe in d-Moll für Soli und Chor a cappella). Anderes aber – das an sich recht raffiniert geschriebene Konzert für Trompete, Pauken und Streicher oder das Xylophonkonzert – plappert einfach nur vor sich hin oder verliert, wie die vier Präludien für Klavier, über der Spielfreude das zeitliche Augenmaß. Da immer die richtige Mischung zu finden, ist ein Kunststück an sich, das allerdings, wie ich gern zugebe, in der vorliegenden Produktion so gut gelungen ist, wie es nur gelingen konnte. Gleich der Kopfsatz des Konzertes Nr. 2 für Klavier und Streicher (1947) schnurrt wie ein freches Uhrwerk über die barocke Urzelle (die in zwei Sechzehnteln plus Achtel geschüttelte Sekunde) los, und Oliver Triendl, wieder einmal mit dem richtigen Riecher für äußerst wirkungsvolle Literatur, sprudelt im Verein mit den prickelnden Solisten aus Zagreb dahin, dass einem die sechseinhalb Minuten im sprichwörtlichen Fluge vergehen – ganz so wie das Finale des Werkes oder das wiederum sehr ähnlich dimensionierte Perpetuum mobile, das die Sinfonietta op. 79 (1938) beschließt. Problematisch sind diese beiden Sätze dennoch im Gesamtgefüge, denn sowohl der Mittelsatz des Konzertes (Andantino con moto) als auch die zentrale Elegie der Streichersinfonietta sprengen mit rund sechzehn beziehungsweise an die dreizehn Minuten die Architekturen: Ihre meditativen, versonnenen, unendlich weit (und ebenso schön) ausgesponnenen Fäden ziehen unsere Aufmerksamkeit in expressive Tiefen, aus denen wir nur sehr behutsam wieder emporgehoben werden möchten – nicht gerüttelt, nicht angeblafft, und schon gar nicht mit einem “Kompanie, aufsteeehn!” Das aber geschieht und wirkt im Klavierkonzert noch heftiger, wo der über weite Strecken schweigsame Solist gerade noch ein winziges Nachwort gesprochen hat: Beim Hören der CD sollten wir, Gustav Mahlers Ratschlag folgend, nach den Mittelsätzen eine längere Pause einlegen ...

Pures Vergnügen herrscht am Ende in den Pintarichiana für Streichorchester, mit denen Papandopulo seinem Landsmann Fortunat Pintaric (1798-1867) ein niedliches Denkmal gesetzt hat. Ausgangspunkt waren verschiedene Stücke für Tasteninstrument, die den Schubert-Zeitgenossen als einen „Wiener Klassiker” ausweisen: Das Ergebnis sind

vier köstliche Streicherminiaturen im Stile einer kleinen, unbeschwerten Nachtmusik, an der sich die Zagreber Solisten noch einmal nach Herzenslust auslassen dürfen.

Rasmus van Rijn [15.08.2014]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Boris Papandopulo
1Konzert Nr. 2 für Klavier und Streichorchester 00:29:09
4Sinfonietta op. 79 für Streichorchester 00:28:16
7Pintarichiana für Streichorchester 00:10:06

Interpreten der Einspielung

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