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CD-Besprechung

Beethoven Piano Sonatas

Ondine ODE 1268-2D

2 CD • 1h 56min • 2010, 2011

27.05.2015

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Nach seine Ondine-Einspielung der drei Beethoven-Sonaten op. 2, der Sonate op. 101 und der „Hammerklaviersonate“ op. 106 folgt der 41jährige finnische Pianist Paavali Jumppanen auch in dieser Beethoven-Veröffentlichung dem Muster einer Werkfolge mit Dreierauftakt. Hier nun sind es aus dem Frühwerk die drei Sonaten op. 10 – gegenübergestellt auf CD 2 den werkchronologisch aufeinander folgenden Werken op. 53, 54 und 57. Eine zweifache Wegstrecke, die dem Interpreten eine Fülle von Möglichkeiten eröffnet, nicht nur – wie hier zu erleben – sauber und betriebsam,.also anregend, ja aufregend Klavier zu spielen, sondern auch Auskunft über seine darstellerischen Einschätzungen und Überzeugungen zu geben.

Jumpaanen gebietet – wie es so schön heißt – über eine flüssige, klare, auch im oberen Tourenbereich mühelos funktionierende Technik, mit der er in den Finalsätzen der drei Sonaten op. 10 erheblich Tempo machen kann, ohne deren „musikantische“ Eigenheiten zwischen Humor, Übermut und kantiger Beredsamkeit aus den Augen zu verlieren, bzw. aus der Hand zu geben. Besonders als geglückt angefasst und mit reaktionsschneller Umsicht angelegt empfinde ich Jumppanens Ausarbeitung des zerklüfteten, gegen Ende kompositorisch gleichsam demontierten Finalsatz der D-Dur-Sonate (op. 10,3). Es handelt sich um ein überzeugendes Beispiel flinker Klavierintelligenz im Spannungsfeld von geölter Mechanik und variablem musikalischen Minenspiels.

Jumppanens fast durchwegs realistische, also auch im Lyrischen allem Zwischentönigen und Verzauberten abholde Tongebung garantiert auch in den markanten, ja mitunter auch brutalen Wegstrecken der zweisätzigen F-Dur-Sonate op. 54 klanglich und motorisch schlüssige Lösungen. Im Fall der beiden rahmenden Werke op. 53 und op. 57 wage ich allerdings Einspruch zu erheben – zumindest den Leser und eventuell auch dem späteren Hörer auf alternative gestalterische Haltungen hinzuweisen. Im Fall der „Waldstein-Sonate“, deren einleitend akkordische Repetitionen Jumppanen gewissermaßen als Klaviergewehrsalve verschießt, sind es vor allem die beiden Philips-Einspielungen von Claudio Arrau, die dem Kopfsatz alle motorische, ja maschinelle – und damit auch alle Etüdengeläufigkeit – verweigern. Der genannte Beginn erwächst hier als Gebärde, als pulsierende Fläche in einer Farbgebung, die das helle C-Dur in etwas dunkleres Licht taucht und dem „Allegro con brio“ einen schattigen Hauch von Nachdenklichkeit verleiht. Auch Wilhelm Kempff verhielt sich in dieser Initialphase der Sonate motorisch etwas vorsichtiger als die meisten seiner Generationskollegen, gar nicht zu reden von lebenden Waldstein-Beschleunigern wie etwa Rudolf Buchbinder.

Unter diesen Umständen entbehrt es der „Appassionata“ nicht an energischer Willensbildung, an Tempo im Sinne von Zielstrebigkeit. Aber Jumppanen verweigert dem Hörer im flotten, im Finale auch rasenden Klavier-Intercity so gut wie jeden Blick aus dem Fenster. Das heißt: diese Musik kommt schlank und durchsichtig, in den akkordischen Ballungen völlig entfettet, sofern man es einmal im Sinne von Gesundheit formulieren möchte. Jedoch ohne jede Hinter- und Untergründigkeit, hell ausgeleuchtet wie unter peinlicher Vermeidung von indirekte Beleuchtung. Unter diesem Eindruck dürfte es jedem aufmerksamen Hörer verständlich sein, dass Jumppanen sich als scharfsinniger Interpret der drei Sonaten von Pierre Boulez beweisen konnte (Deutsche Grammophon – 2021 Series 47753285).

Schlussbemerkung: Für die Lektüre des Begleitheftes sind englische, bzw. finnische Sprachkenntnisse erforderlich.

Op. 53: Arrau (Great Pianists – Philips 456 709-2 bzw. Philips 462 358-2 /Gesamtaufnahme der Sonaten; Philips 416 145-2 – AD:10.1984), Kempff (Aufnahmen 1952-1956 – DG 447 966-2), Schnabel (Great Pianists Philips 456 961-2), Annie Fischer (Hungaroton HCD 31633), Solomon (Testament SBT 1190), Carreño (Welte Mignos Tudor 7104), Buchbinder (Dresden 2010/11 – RCA/Sony 8869787102)

Peter Cossé † [27.05.2015]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Ludwig van Beethoven
1Klaviersonate Nr. 5 c-Moll op. 10 Nr. 1 00:16:54
4Klaviersonate Nr. 6 F-Dur op. 10 Nr. 2 00:15:56
7Klaviersonate Nr. 7 D-Dur op. 10 Nr. 3 00:23:10
CD/SACD 2
1Klaviersonate Nr. 21 C-Dur op. 53 (Waldstein-Sonate) 00:24:34
5Klaviersonate Nr. 22 F-Dur op. 54 00:10:39
7Klaviersonate Nr. 23 f-Moll op. 57 (Appassionata) 00:23:56

Interpreten der Einspielung

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