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CD-Besprechung

Friedrich Gernsheim

The Piano Qintets

cpo 777 580-2

1 CD • 59min • 2013

24.08.2015

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Es gibt sie noch, diese unverhofften Entdeckungen, scheinbar verschüttet geglaubte Juwelen der Kammermusik, bei denen man sich unweigerlich fragt: warum nur hat man das noch nicht gehört?

Bei den beiden Klavierquartetten des Brahms-Zeitgenossen Friedrich Gernsheim handelt es sich zweifellos um solche Juwelen. Die Nähe zu Brahms ist zuweilen zwar unverkennbar, doch besitzt diese Musik genügend Charme und Eigensinn, um diesem Titanen gegenüber zu bestehen. Gleich im ersten Satz des d-Moll Quintetts op. 35 etwa: nach wenigen verhaltenen Takten geht es mit Volldampf los, ein hitziger musikalischer Disput entspannt sich zwischen Streichquartett und Klavier, ein musikalischer Rausch im Überschwang, dem die Interpreten nichts schuldig bleiben. Auch das Scherzo ist ein Ausbund an Energie und Durchschlagskraft, hier laufen die Interpreten wahrhaft zur Höchstform auf, so dass man beim Zuhören förmlich mitgerissen wird.

Gernsheim war zweifellos ein musikalischer Konservativer, der auch noch einem ungebrochenen hochromantischen Stilideal huldigte, als die musikalische Stilistik längst in Richtung Spätromantik und Zwölftönigkeit weitergeeilt war. Doch was an dieser Musik überzeugt, ist ihre durch und durch qualitätsvolle Faktur, die keinen Zweifel daran lässt, dass hier ein Meister seines Faches am Werk war, der nicht nur handwerklich, sondern nicht zuletzt durch musikalische Inspiration und intellektuellen Tiefgang überzeugt. Trotz der unverkennbaren stilistischen Nähe zu seinem Freund Brahms setzt sich Gernsheim, der im übrigen auch als brillanter Pianist und Wunderkind von sich reden machte, von diesem ab. Epigonal ist an dieser Musik nichts, dazu ist sie viel zu gut.

So auch das zweite, in Brahms' Todesjahr 1897 entstandene Klavierquintett op. 63: der Kopfsatz verströmt eine schwelgerische Fülle, insgesamt wirkt es melancholischer oder auch gesetzter und reifer, weniger geprägt von jugendlichem Überschwang jedenfalls als Gernsheims erstes Opus dieser Gattung. Auch hier leisten das Gémaux Quartett und der Pianist Oliver Triendl Außerordentliches. Ihr ungemein integeres, bis zum Äußersten gespanntes und geladenes Spiel, dem es nur an ganz wenigen Stellen am letzten Quäntchen Homogenität mangelt, ist ganz famos und lässt eigentlich nur den einen Einwand zu: warum hat man diese wunderschöne Musik nicht schon eher entdeckt?

Guido Krawinkel [24.08.2015]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Friedrich Gernsheim
1Klavierquintett d-Moll op. 35 00:30:20
5Klavierquintett Nr. 2 h-Moll op. 63 00:28:23

Interpreten der Einspielung

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