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CD-Besprechung

Josef Holbrooke

Symphonic Poems II

cpo 777 636-2

1 CD • 67min • 2014

26.10.2016

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Als „Cockney Wagner“ herumgereicht, war Josef Holbrooke (1878-1958) einer der führenden englischen Komponisten der Generation von Frank Bridge, John Ireland, Cyril Scott und dem bis heute extrem unterschätzten John Foulds. Holbrooke war ein fantastischer Orchestrator und beschlagen in allen handwerklichen Belangen. Seie Domäne war das große Orchester, und das vorliegende zweite cpo-Album mit dem Brandenburgischen Staatsorchester aus Frankfurt an der Oder unter der Leitung von Howard Griffiths präsentiert sowohl seine erste symphonische Dichtung The Raven op. 25 nach Edgar Allan Poe als auch das Violinkonzert mit dem rätselhaften Titel The Grasshopper op. 59 und die Orchestervariationen über Auld Lang Syne op. 60. Das 1909-16 komponierte Violinkonzert wird von der von Jascha Brodsky ausgebildeten, in Berlin lebenden Isländerin Judith Ingolfsson in all seinen teils vertrackten Kunststückchen vorzüglich gespielt, auch das Sangliche, Innige ist bei ihr in geschmackvollen Händen. Es ist ein echtes Virtuosenkonzert im alten Stil, in allen drei Sätzen voll überraschender instrumentatorischer Einfälle und äußerst wirkungsvoll im Solopart. Wirklich große Musik ist es nicht, da die melodische Erfindung zwar sehr gefällig und einprägsam, jedoch nicht von authentischer Einzigartigkeit ist. Harmonisch ist Holbrookes Musik stets interessant und farbenreich, immerzu abwechslungsreich changierend bei Wahrung klarer diatonischer Verhältnisse. Ein nostalgischer Zug durchweht das ganze Werk, wie auch die 1906 vollendeten Orchestervariationen über das schottische Lied Auld Lang Syne. Dieser kurzweilige, bei durchgehend klarer Wiedererkennbarkeit sehr effektiv die kontrastierenden Charaktere gegenüberstellende Zyklus umfasst nach dem einschmeichelnden Thema 19 Variationen und als finale Variation ein mit vier Minuten deutlich ausgedehnteres, mit augenzwinkerndem „Es war einmal“ verbindlich versöhnendes Finale. Holbrooke erweist sich darin als ein altmeisterlicher Könner von bestechender Eleganz, dem immerzu etwas einfällt, was das Interesse wach hält. Das Thema eignet sich in seiner Prägnanz und nicht besonders tiefgehenden Gefälligkeit vorzüglich für die divergierendsten Abwandlungen, und es scheint Musik zu sein, die Howard Griffiths besonders gut liegt und ihm ein echtes Anliegen ist. Für meinen Geschmack ist allerdings die frühe Tondichtung The Raven, die Holbrooke mit ca. 20 Jahren schrieb, die stärkste und unvergänglichste Leistung, die hier Eingang gefunden hat. Diese Musik hat in ihren wagemutigen Kombinationen und der Bizarrerie der einander figurativ überlagernden Gestalten etwas Rauschhaftes und atmet vor allem ein Geheimnis, das den Komponisten als Pionier der von Liszt und Strauss ausgehenden Gattung in England ausweist. Nach dem Ersten Weltkrieg versank Holbrooke, der um die Jahrhundertwende das Publikum begeistert hatte, allmählich in der Versenkung, auch wenn er weiter komponierte. Der sehr kundige Booklettext von Franz Groborz gibt detailliert Auskunft über Holbrookes Werdegang, die geschichtliche Stellung und die drei Werke im Einzelnen. Auch aufnahmetechnisch ist diese Produktion in ihrer Durchhörbarkeit und Klarheit sehr erfreulich, und das Brandenburgische Staatsorchester bezeugt das hohe Niveau, das heute auch die meisten weniger prominenten deutschen Orchester auszeichnet.

Christoph Schlüren [26.10.2016]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Josef Holbrooke
1Auld Lang Syne op. 60 (Variationen für großes Orchester) 00:22:46
22Violinkonzert op. 59 (The Grasshopper) 00:26:20
25Poem Nr. 1 op. 25 (The Raven) 00:18:00

Interpreten der Einspielung

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