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CD-Besprechung

Nima Farahmand Bafi

Persian Inspirations

Animato ACD6154

1 CD • 67min • 2015, 2016

08.12.2016

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

Die CD des jungen iranischen Pianisten Nima Farahmand Bafi ist ein Plädoyer für das Miteinander musikalischer Kulturen ebenso wie für die Koexistenz improvisierter und komponierter Musik im Konzertsaal - und ein Statement für die klangliche Universalität des Klaviers obendrein.

Nima Farahmand Bafi taucht in Meisterwerke aus dem 19. Jahrhundert ein, aber er bringt zugleich die eigenen kulturellen Wurzeln engagiert ein. Auf dieser neuen CD vereint er klassische persische und zum Großteil improvisierte Musikstücke mit europäischem Repertoire. Doch Nima Farahmand Bafis Tastenkunst hat viel zu viel Tiefgang, als das hier ein gefälliges Crossover zu befürchten wäre.

Wie an einer Schnur aufgezogenen Perlen gleich pulsieren die Töne zu Beginn in zwei Fantasiestücken, die aus repetitiven Mustern und in sich ruhenden melodischen Figuren ihren Reiz beziehen. Nima Farahmand Bafis Anschlagsfinesse dringt geradezu spektakulär in die orientalische Klangkultur ein! Vermutlich wird diese traditionelle Stilistik normalerweise auf perkussiven Instrumenten wie dem Santur gespielt. Was dieser Pianist an verspielter Ornamentik, federleichten Auszierungen und Tonrepetitionen aus den Tasten holt, kann zuverlässig Assoziationen an solche ursprüngliche Musizierpraxis wecken. Aber es kommen als verstärkendes Element die expressiven Verdichtungen virtuoser Klaviermusik ins Spiel. Wirkungsvoll erwächst hieraus Chopins überschwängliches Thema aus der Polonaise op. 53, einem mächtigen Zentrum gleich. Farahmand Bafi zeigt sich hier als wagemutiger, durchaus verspielter Kreativität nicht abgeneigter Meister der Agogik, der lyrische Details unter die Lupe nimmt und gerne die extrovertierten Aspekte mit impulsiven Ausrufezeichnen versieht.

Dramatisch schließt sich ein orientalisch geprägte Improvisationsstück an, das es in punkto Leidenschaftlichkeit mit der drängenden Energie von Chopin aufnehmen kann und mit der Franz Liszts Ungarische Rhapsodie Nr. 12 „angesteuert“ wird. Auch hier zeigt sich Nima Farahmand Bafi als ruheloser impulsiver Tastenstürmer. Seine Spiel treibt drängend voran, aber lässt es nie an differenzierter Rhetorik mangeln. Er setzt Zäsuren und Atempausen, schaltet in Echtzeit um, wenn es tänzerisch verspielt zur Sache geht. Man bekommt sehr schnell imaginäre Bilder in diesem Spiel, das sich so selbstverständlich-unverkrampft aus dem Miteinander der Weltkulturen nährt. Und schon ist Nima Farahmand Bafi wieder selbstbewusst in die musikalische Gegenwart Persiens eingetaucht, phasenweise blitzt in diesen Stücken auch die leidenschaftliche Melancholie auf, wie sie der aserbaidschanische Mugham-Stilistik eigen ist.

Nima Farahmand Bafi will diese persischen Tongedichte, Fantasien und Preludes als Hommage an jene Menschen verstanden wissen, die ihm von klein auf die Musik nahe gebrachten. Ausdrücklich angesprochen ist seine Mutter für die Vermittlung von „wunderbarem musikalischen Geschmack“, ebenso sein Professor Peter Nagy, der ihn vor allem auch zur Improvisation ermutigte - eben jener Sphäre, die bei „westlichen“ Konzertmusikern doch erstmal wiedererweckt werden sollte.

Stefan Pieper [08.12.2016]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
trad.
1Persian Fantasy 00:09:58
Hossein Alizâdeh
2Torkaman 00:13:45
Frédéric Chopin
3Polonaise No. 6 A flat major op. 53 (Heroische) – Maestoso 00:07:04
trad.
4Hommage à Kayam 00:04:51
Franz Liszt
5Ungarische Rhapsodie Nr. 12 cis-Moll 00:10:24
trad.
6Persian Poem No. 1 00:08:43
7Persian Poem No. 2 00:07:38
Aram Khatchaturian
8Gayaneh 00:04:34

Interpreten der Einspielung

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