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CD/SACD stereo/surround-Besprechung

Vincent Larderet

Brahms • Berg
Piano Works

Ars Produktion ARS 38 217

1 CD/SACD stereo/surround • 65min • 2016

18.12.2016

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Es ist immer wieder interessant und für das eigene Gewichten klavierästhetischer Nuancen aufschlussreich, wie Pianisten die Sonate von Alban Berg in ihren Konzertprogrammen und im Hinblick auf höhere kommunikative Halbzeitwerte platzieren. Als Introduktion eines Klavierabends – um quasi zeitgenössische Problematik hinter sich zu bringen -, als spät-, bzw. postromantische Erregung im „Inneren“ der Werkfolge oder als Schlusspunkt einer Klavierstilistik an der Schwelle zur gleichsam echten Klaviermusik des 20. Jahrhunderts (Schönberg, Webern, Strawinsky etc.). Vincent Larderet hat sich im Zuge seiner neuen Ars Produktion-Einspielung für die Chronologie der schöpferischen Ereignisse entschieden. Nämlich der frühen, physisch und emotional herausfordernden f-Moll-Sonate von Brahms und dessen drei intimen Intermezzi op. 117 Alban Bergs Sonate als CD-Schlusskapitel folgen zu lassen. Natürlich kann und darf der Hörer individuell „programmieren“, aber es lohnt sich, die 65 Minuten währende Musikstunde in der vorgegebenen Reihenfolge zu verfolgen – und zu genießen.

Zu genießen, weil es Vincent Larderet meiner Ansicht nach gelingt, mit den gewaltigen Akkordballungen, mit allen motovisch-linearen Hervorhebungen und Zurücknahmen der Brahms-Sonate – und dann im „Mitteilteil“ im Hinblick auf sentimentale Süße und Herbheit mit den drei Stücken op. 117 – auf die Möglichkeit einer genialen Bergschen Jugendsünde vorzubereiten. Larderet gehört ab nun zum kleinen Kreis jener Schallplatten- und CD-Interpreten, die das weit über die Tastatur ausgreifende Eingangsthema der f-Moll-Sonate rhythmisch packend und im Ablauf „pünktlich“ zu platzieren wissen. Im Verlauf der weiten Oktavsprünge erlaubt er sich nur minimale Verzögerungen, die elegischen Momente und Wegstrecken verraten Sinn für klangfarbliche Abstufungen.

Dem „Andante espressivo“ hat Brahms bekanntlich an Wagners Tristan gemahnende Zeilen vorangestellt: „Der Abend dämmert. Das Mondlicht scheint, / Da sind zwei Herzen in Liebe vereint / Und halten sich stetig umfangen“. Larderet gelingt dies mit zunächst keuschen, später aufwallenden Akkorden. Die Frage sei jedoch erlaubt, warum er den Triller nach den ersten absteigenden Modulationen so undeutlich versumpfen lässt. Vielleicht ist ihm hier das literarisch vorgegebene Dämmerlicht wichtiger gewesen als die unmissverständlichen Bebungen einer liebenden Mondscheinsonatenseele. Gegen Ende des Satzes forciert Brahms das Espressivo bis an die Grenzen pianistischer Machbarkeit. Hier scheint mir – trotz allen Überschwangs – die alte Katchen-Aufnahme noch ausufernder zu sein. Momente der Hin- und Ausgabe, wie sie auch am Ende des Finalsatzes in Katchens irrwitzig gesteigerter Darstellung unvergesslich sind.

Im Bereich der Berg-Sonate bewegt sich Larderet auf einer vermittelnden, das heißt: im Glühen wie im Bedachten, im Analysierenden wie Fühlenden sozusagen aufklärenden, umsichtig ausleuchtenden Linie. Goulds klang-chirurgische Operationen stehen da auf einem ganz anderen Blatt der pianistischen Röntgenanalytik. Gould und die vielen Kolleginnen und Kollegen, die sich mit diesem Werk auf ästhetische Sinnsuche begeben haben, sie alle haben auf unterschiedliche Weise gezeigt, wie sehr sie die polyphone Reichhaltigkeit der Sonate fasziniert und sicher oft auch irritiert hat. Larderet verrät in seinem ausführlichen, sehr persönlich gehaltenen Begleittext, dass ihn Bergs op. 1 zu einer Zeit, da er noch Komponist werden wollte, sehr beeinflusst habe. Der Beweis: eine Sonatine op. 1! Vielleicht hätte sie auf der Ars-CD noch Platz gehabt…

Vergleichseinspielungen: Brahms – Sonate op. 5: Shukow (telos Music TLS 036), Katchen (Great Pianists Philips 456 856-2),Kempff (Orfeo C 570 011 B Salzburg 1958), Kissin (RCA 82876 52737 2), Ney (Tacet 158), Gelber (EMI/Electrola LP 1 C 065-12780; Denon CO-75959), Perahia (Sony SK 47181), Arrau (Philips 432 304-2), Kocsis (Hungaroton SLPD 12601), Sokolov (Opus 111 OPS 30-103); Berg: Aimard (Carnegie Hall 3.12.01 – Teldec 0927-43088-2), Uchida (Philips 468033-2), Gould (Sony 510195-2), Eschenbach (Koch 3-7337-2)

Peter Cossé † [18.12.2016]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Johannes Brahms
1Klaviersonate Nr. 3 f-Moll op. 5 00:38:23
6Intermezzo Es-Dur op. 117 Nr. 1 00:04:49
7Intermezzo b-Moll op. 117 Nr. 2 00:04:23
8Intermezzo cis-Moll op. 117 Nr. 3 00:05:41
Alban Berg
9Klaviersonate h-Moll op. 1 00:12:33

Interpreten der Einspielung

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