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CD-Besprechung

Josef Holbrooke

Symphony No. 3 "Ships"

cpo 555 041-2

1 CD • 70min • 216

22.05.2019

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Josef Holbrooke (1878-1958) gehört zu jenen britischen Komponisten, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit Werken spätromantischer Ausdruckshaltung auf sich aufmerksam machten und auch einige Erfolge erzielten, dann jedoch allmählich aus dem Repertoire verschwanden. Gegen Ende seines Lebens wurde Holbrookes Musik kaum noch aufgeführt. Das vollständige Vergessen, dem sie anheimfiel, hat sie gleichwohl nicht verdient. Die vorliegende CD ist bereits die dritte Veröffentlichung von Kompositionen Holbrookes mit dem Dirigenten Howard Griffiths. Sie zeigt Holbrooke als einen Komponisten, der hervorragend zu instrumentieren wusste, in der Behandlung der Harmonik sich durchaus auf der Höhe der Zeit bewegte. Der Spitznamen „Cockney-Wagner“, den man ihm anhängte, wird seiner Musik jedenfalls nicht gerecht.

Allerdings mangelte es ihm ein wenig an herausragender Individualität – insbesondere, was die Melodik betrifft. Man nehme etwa die 1925 vollendete Dritte Sinfonie mit dem Untertitel „Ships“ – im Wesentlichen eine dreisätzige Huldigung an die Britische Marine. Das einzige wirklich griffige Thema des knapp dreiviertelstündigen Werks findet sich im Finale, und dabei handelt es sich um keine eigene Erfindung Holbrookes, sondern um das Shanty The Maid of Amsterdam. Überhaupt scheint sich Holbrooke am wohlsten zu fühlen, wenn er eine präexistente Melodie nach allen Regeln der Kunst variieren und in ein farbenfrohes orchestrales Gewand kleiden kann. Hat er deshalb so viele Variationszyklen geschrieben? Einer davon, die Sinfonischen Variationen über The girl I left behind me, findet sich auf dieser CD und bestätigt Holbrookes unbestreitbares Talent, mit Volkslied-Variationen eine teils gemütliche, teils auftrumpfende „alt-englische“ Stimmung zu verbreiten.

Eine weitere Stärke des Komponisten liegt im Zeichnen lyrisch-impressionistischer Orchesterbilder, etwa im zweiten Satz der erwähnten Sinfonie, in dem zudem das Saxofon eine im Kontext der Musik unerwartete und originelle Farbe beisteuert. Oder im „Poem“ untertitelten Orchesterwerk The Birds of Rhiannon, dessen Themen er seiner Operntrilogie The Cauldron of Annwn nach Motiven aus der walisischen Mythologie entnahm. Laut dem Booklettext handelt es sich wohl um Holbrookes meistgespielte Komposition. Gleichwohl sei nicht unerwähnt, dass etwa Arnold Bax auf ähnlichem Terrain ungleich Kraftvolleres zu formulieren wusste. Freunde qualitätvoller spätromantischer Orchestermusik dürften an Holbrookes Musik nichtsdestoweniger Gefallen finden. Alle drei Werke erfahren von Howard Griffiths und der Deutschen Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern zuverlässige und engagierte Interpretationen.

Thomas Schulz [22.05.2019]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Josef Holbrooke
1The Birds of Rhiannon op. 87 (Sinfonische Dichtung) 00:14:36
2The girl I left behind me op. 37 Nr. 2 (Sinfonische Variationen) 00:12:30
19Sinfonie Nr. 3 op. 90 (Ships) 00:42:27

Interpreten der Einspielung

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