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CD/SACD stereo-Besprechung

Ludwig van Beethoven

Piano Trios

MDG 942 2155-6

1 CD/SACD stereo • 74min • 2019

11.05.2020

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

Ist es intelligent, das frühe c-Moll-Trio Beethovens mit seinem Erzherzog-Trio zu kombinieren? Beide sind revolutionär. Opus 1/3 in seiner für die Wiener Klassik ungewohnten düster-wütenden Leidenschaftlichkeit, die einen versöhnlichen Dur-Schluss nur in geisterhaftem Pianissimo erträgt. Opus 97 durch seine weit in die Romantik vorausweisende Harmonik, die Vorwegname pianistischer Techniken, die bereits Weber, Liszt und Chopin ahnen lassen und seine großflächige Disposition mit dreiviertelstündiger Dauer, die sich hinter einer liebevoll-sommerlichen Freudigkeit verbergen. Dabei fällt einmal mehr auf, dass B-Dur, G-Dur und D-Dur wohl einen Geheimcode der Freunde Ludwig und Rudolf darstellen, fungieren sie doch prominent in weiteren dem Erzherzog gewidmeten Werke (4. Klavierkonzert, Hammerklaviersonate, Violinsonate op. 96, Missa solemnis). Hinzu käme noch das Es-Dur des 5. Klavierkonzerts und der „Lebewohl“-Sonate.

Referenzaufnahme

Was macht eine Spitzenaufnahme aus? Dass man nach ihrem Anhören nicht grübelt, ob das XY-Trio die Werke in der Aufnahme von 19XX nicht doch noch ein wenig schlüssiger interpretiert hat und zu sich „genau so – und nicht anders“ sagt. Eine solch stellare Aufnahme hat das Wiener Klaviertrio hier vorgelegt. Jede Phrase hat Richtung und Ziel, erzeugt Spannung oder löst sie. Wiederholungen – auch von Satzteilen – hängen niemals durch, sondern halten das Interesse durch Nuancierungen aufrecht. Wenn es so aufregend gespielt wird, möchte man es gern noch einmal hören. Man höre hier einmal aufmerksam das Scherzo, dessen Takte 17-302 von Beethoven mit Wiederholungszeichen versehen wurden, was viele Trios ignorieren und dadurch vier Minuten einsparen. Man weiß nicht, wo man mit dem Lob beginnen soll. Bei der unglaublichen Reaktionsschnelligkeit der beiden Streicher David McCarroll und Clemens Hagen, ihrer glasklaren Artikulation bei großer Wärme und Homogenität im Zusammenspiel? Oder doch bei der souveränen Pianistik Stefan Mendls, dem es gelingt, in seinem Part, der teilweise schwieriger als der der Konzerte ist, sowohl zu brillieren als auch sich zurückzunehmen, selbst wenn Beethovens manchmal extrem dichte Texturen in der Basslage dies auf einem modernen Flügel fast unmöglich machen? Dass Phrasierungen subtilst abgestimmt sind, versteht sich da von selbst, ermöglicht aber erst die beglückende Poesie der langsamen Sätze. Phänomenal, wie hier die kleinen Crescendi das Variationsthema in op. 1/3 zum Aufblühen bringen oder wie die ruppigen Akzente in Menuett und Prestissimo von allen Dreien ohne auch nur eine Hundertstelsekunde Differenz hingeknallt werden!

Exzellente Aufnahmetechnik

Die Aufnahmetechnik vollbrachte hier eine ebenso meisterliche Leistung: Farbigkeit, große dynamische Spannweite, Transparenz sind auf Referenz-Niveau. Der Booklet-Text bietet profunde Analysen, die auch Einsteigern die Durchdringung der Werke erleichtern.

Fazit: Besser kann man für Kammermusik nicht werben! Eine SACD, die wegen der exzellenten Aufnahmetechnik den HiFi-Fans, wegen ihrer souveränen Interpretation den Kammermusik-Spezialisten und wegen des absolut mitreißenden Schwungs auch Kammermusik-Novizen empfohlen werden muss. Unbedingt kaufen!

Thomas Baack [11.05.2020]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Ludwig van Beethoven
1Klaviertrio c-Moll op. 1 Nr. 3 00:29:57
5Klaviertrio B-Dur op. 97 (Erzherzog-Trio) 00:43:38

Interpreten der Einspielung

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