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CD/SACD stereo/surround-Besprechung

Johann Sebastian Bach

Concertos for Harpsichord and Strings Vol. 1

BIS 2401

1 CD/SACD stereo/surround • 67min • 2018

12.08.2020

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Im Jahre 1729 übernahm J. S. Bach die Leitung des Collegium Musicum, das Georg Philipp Telemann 1702 während seiner Leipziger Studienjahre gegründet hatte. Unter Bachs Leitung fanden wöchentlich Konzerte statt, im Sommer im Garten des Caféhauses von Gottfried Zimmermann, im Winter in dessen Café auf der Catharinen-Straße. Die Cembalokonzerte wurden im Rahmen dieser Konzerte aufgeführt. Etwa 1738 fügte Bach die Konzerte für Cembalo solo und Instrumentalensemble in einer Sammelhandscharift zusammen, darunter auch ein neuntaktiges Fragment des Konzerts in d-Moll BWV 1059.

Musikalische Vorgeschichte

Hinter jedem Werk dieser CD versteckt sich allerdings ein musikalischer Ahne – die Cembalokonzerte sind samt und sonders Bearbeitungen früherer Kompositionen J. S. Bachs. Die Musikforschung konnte inzwischen nahezu alle ihre früheren Versionen ausmachen, oft führte der Weg von der Urversion über die Verarbeitung in einer Kantate, bevor die alte Konzertfassung zu einem der Cembalokonzerte wurde. Das wird auch deutlich an Masato Suzukis Rekonstruktion von BWV 1059: Sie greift einen Forschungsansatz auf, dahinter drei Sätze aus der Kantate Geist und Seele wird verwirret BWV 35 zu vermuten, die ihrerseits wieder einer konzertanten Vorform entstammen, eventuell einem Oboenkonzert (Masato Suzuki berücksichtigt das in seiner Rekonstruktion). Dass sich Bach für ein Konzert direkt einer Vorlage aus der geistlichen Musik bedient hätte, wäre ohne Beispiel in seinem Schaffen, hier also auch auszuschließen – eine Profanierung geistlicher Musik hätte offenbar seiner im Glauben verankerten Sicht der Würde von Musik für den Gottesdienst nicht entsprochen.

Würde und Schwung

Masato Suzukis mit dieser SACD begonnene Gesamteinspielung von Bachs Cembalokonzerten (allerdings liegt eine SACD mit Konzerten für 2 Cembali schon vor) trifft auf eine überwältigende Diskographie der Werke in älteren Aufnahmen. Allerdings darf Masato Suzuki durchaus für sich beanspruchen, als Cembalist der jüngeren Generation – er ist Jahrgang 1981 – seine Sicht auf die Werke öffentlich zu machen, zumal sich sein solistisch besetztes Begleitensemble aus Mitglieder des hervorragenden, von Vater Masaaki Suzuki gegründeten Bach Collegiums Japan zusammensetzt. Suzuki junior vereint in sciner Interpretation Schwung und Würde, und das ist kein kleiner Spagat – dazu kommt noch eine ausgefeilte musikalische Rhetorik, die sich sehr gut mit dem Elan seiner Deutung verbindet. Nimmt man das Siciliano, den Mittelsatz aus BWV 1053, zum Vergleich, so zeigt sich der Unterschied zwischen Masato Suzuki, Lars-Ulrik Mortensen und Bob van Asperen recht deutlich: Suzuki lässt den Satz von der Basslinie Schwung gewinnen, ohne die Lieblichkeit der Oberstimmen und die reich figurierte Solstimme außer Acht zu lassen, Mortensen gestaltet ein musikalisches Geschehen, das in der Terminologie des 19. Jahrhunderts fast mit „Allegretto con anima“ zu bezeichnen wäre, während Asperen wiederum die Basslinie deutlicher betont als Mortensen, aber insgesamt eine fast kammermusikalische Stimmung über dem Satz ausbreitet. Das nachfolgende Allegro ist bei Masato Suzuki von ernsthafter Stimmung geprägt, Mortensen gibt dem Satz einen elegant-schwungvollen Kehraus-Charakter, während Asperen, hier Suzuki durchaus ähnlich, einen würdevollen Ausgang des Konzerts bevorzugt.

Brillanter Klang

Masato Suzuki erweist sich in der Konfrontation mit den „Altvorderen“ als würdiger Fackelträger dieses Repertoires in eine neue Generation, wobei im vergleichenden Hören die Klangqualität dieser SACD allerdings die Überlegenheit neuester Aufnahmetechniken des SACD-Zeitalters eindrucksvoll unter Beweis stellt.

Vergleichseinspielungen: Melante Amsterdam, Bob van Asperen (Cembalo u. Leitung) (2 CDs: Erato EAN: 5099952200120, AD: 1999)BWV 1052, BWV 1053: Concerto Copenhagen, Lars-Ulrik Mortensen (Cembalo u. Leitung) (CD: cpo 999 989-2, AD: 2002).

Eduard Finke [12.08.2020]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
0
Johann Sebastian Bach
1Cembalokonzert Nr. 1 d-Moll BWV 1052 00:21:26
4Cembalokonzert Nr. 5 f-Moll BWV 1056 00:09:12
7Cembalokonzert Nr. 8 d-Moll BWV 1059R (Rekonstr.: Masato Suzuki) 00:15:40
10Cembalokonzert Nr. 2 E-Dur BWV 1053 00:18:58

Interpreten der Einspielung

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