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CD-Besprechung

Karl Goldmark

Symphonic Poems Vol. 2

cpo 555 251-2

1 CD • 76min • 2017, 2019

19.10.2020

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Die zweite Folge der „Symphonic Poems“ von Karl Goldmark (1830-1915), von cpo in Zusammenarbeit mit dem BR produziert, ist seinem Spätwerk gewidmet. Sie enthält vier Konzert- und zwei Opern-Ouvertüren, deren Anlage gleichwohl den Charakter sinfonischer Dichtungen erkennen lassen. Im Frühling, 1889 während eines Sommeraufenthaltes in Gmunden entstanden, erfreute sich lange Zeit großer Popularität – ein musikalisches Stimmungsbild, in dem sich Sonnenschein und Gewitterstimmung abwechseln und liebliche Vogelgesänge ertönen, bevor durch eine breit angelegte fetzige Stretta der Beifall des Publikums herausgefordert wird. Diese ist typisch für den stets auf effektvolle Schlüsse setzenden Komponisten, wie sich auch in anderen Stücken dieses Albums zeigt.

Wiederentdeckung

Besonders in Zrinyi, einem Auftragswerk der Ungarischen Philharmonie aus Anlaß ihres 50jährigen Bestehens (1903). Zunächst als Ouvertüre geschrieben, dann wegen der auffallenden Konkurrenz zu einem gleich betitelten Werk von Ernö Dohnanyi zum „symphonischen Tonstück“ ausgeweitet, versteht sie sich als ein Bekenntnis des Komponisten, der selbst kaum ungarisch sprach, zu seinen ungarischen Wurzeln. Das zugrunde liegende Drama Theodor Körners spielte dabei nur eine marginale Rolle. Puszta-Nostalgie, mit eher routinierten Mitteln beschworen, mündet in ein militärisch-martialisches Finale. Diese Komposition erschien nie im Druck und wurde für diese Aufnahme eigens „ausgegraben“.

Jung geblieben

In unverminderter Frische zeigt sich der über siebzigjährige Komponist dagegen in der 1904 in Wien uraufgeführten Ouvertüre In Italien, die mehr ist als ein bunter Reiseprospekt, sondern südländische Tanz- und Sinnenfreude im Andante-Mittelteil mit elegischen fin-de-siècle- Stimmungen kontrastiert. Ein durchaus ernst zu nehmendes Gegenstück zu Tschaikowskys früherem Capriccio italien. 82 Jahre war Goldmark alt, als Felix Weingartner 1912 seine letzte Tondichtung Aus Jugendtagen herausbrachte, die vom Publikum heftig akklamiert wurde. Anders als der Titel nahelegt, ist das kein verklärter Rückblick, sondern eine Demonstration ungebrochener künstlerischer Vitalität. Der Komponist dachte da noch nicht ans Aufhören, sondern projektierte noch eine Oper nach Imre Madáchs Drama „Die Tragödie des Menschen“, das als der ungarische „Faust“ gilt (und in unserer Zeit von Peter Michael Hamel fürs Musiktheater adaptiert wurde). Doch dieses Projekt blieb in den Anfängen stecken.

Späte Opern

Die Oper hat Goldmark nach dem Sensationserfolg der Königin von Saba (1875) ein Komponistenleben lang begleitet und Merlin wie Das Heimchen am Herd (nach Charles Dickens) festigten seine Position im Wiener Opernleben. Mit Götz von Berlichingen hatte er weniger Glück, denn Direktor Gustav Mahler weigerte sich, das Stück für die Hofoper anzunehmen und in Budapest, wo es dann 1902 herauskam und freundlich beklatscht wurde, erschien Goethes Sujet doch etwas fremd. Ein Wintermärchen nach Shakespeare fand dann 1908 in Wien unter Bruno Walters Leitung eine glänzende Aufnahme. In beiden Fällen war Alfred Maria Willner, dessen Name eng mit den Operetten Franz Lehárs verbunden ist, der Librettist, der die dramaturgisch wie sprachlich komplexen Dramen in eine griffige Opernform brachte. Götz von Berlichingen wurde 2013 vom kleinen Theater in Annaberg-Buchholz mit respektablem Ergebnis wiederbelebt. Eine gekürzte Fassung von Ein Wintermärchen brachte die Budapester Staatsoper vor fünf Jahren heraus. Sie ist bei youtube zu besichtigen.

Sinfonische Gemälde

Die in diesem Album enthaltenen langen Orchestervorspiele zu beiden späten Opern sind zwar keine Potpourri-Ouvertüren im traditionellen Sinne, sie erzählen aber – folgt man der ausführlichen Analyse des Booklet-Autors Eckhardt van den Hoogen – sehr viel von der darauf folgenden Opernhandlung. Unabhängig von dieser kann aber besonders die Shakespeare-Ouvertüre als eindrucksvolles sinfonisches Gemälde bestehen.

Die Wiedergabe lässt keine Wünsche offen. Die Bamberger Symphoniker bewähren sich einmal mehr als ein Spitzenorchester und der Freiburger GMD Fabrice Bollon lässt die Musiker nicht nur goldmarkig auftrumpfen, sondern zeigt auch viel Gefühl für die instrumentalen Delikatessen der Partituren, wobei vor allem die Einsätze der Holzbläser reines Entzücken hervorrufen.

Ekkehard Pluta [19.10.2020]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Karl Goldmark
1Im Frühling op. 36 (Konzert-Ouvertüre) 00:10:34
2Zrinyi op. 47 (Symphonisches Tonstück) 00:17:24
3In Italien op. 49 (Ouvertüre) 00:11:37
4Götz von Berlichingen (Vorspiel) 00:08:29
5Aus Jugendtagen op. 53 (Ouvertüre) 00:14:30
6Ein Wintermärchen (Vorspiel) 00:12:53

Interpreten der Einspielung

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