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CD-Besprechung

Mariss Jansons

His Last Concert Live at Carnegie Hall

BR Klassik 900192

1 CD • 72min • 2019

08.12.2020

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Am 8. November 2019 dirigierte Mariss Jansons sein letztes Konzert vor seinem Tode, in der New Yorker Carnegie Hall als Chefdirigent des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks, das seither ‚verwaist‘ ist. Dieses Konzert ist nun, mit Ausnahme der von Diana Damrau gesungenen Vier letzten Lieder von Strauss, auf CD erschienen.

Wenn man den jüngeren Jansons kannte, der vor allem mit dem Oslo Philharmonic Orchestra viel für EMI aufgenommen hat, so ist hier – bei Brahms’ Vierter Symphonie – ganz offenkundig, dass seine Leitung weicher und biegsamer, seine Ausdruckshaltung großzügiger, der Ausdruck insgesamt reicher und auch schattierungsbewusster geworden ist. Und vor allem: Jansons hatte nun mehr Zeit als in früheren Jahren, die Vierte Brahms entfaltet sich in einer das gewöhnliche Routinemaß wohltuend überschreitenden Breite und Ausführlichkeit, die gelegentlich vermuten lassen könnte, er habe sich streckenweise vom leuchtenden Beispiel Celibidaches inspirieren lassen. Was natürlich in den Augen mancher Hartgesottenen als Schwäche ausgelegt werden könnte – aber das hätte ihn sicher nicht gekratzt, denn zu authentisch und im guten Sinne selbstbewusst ist das Ergebnis.

Liebe zur Fülle

Gut, Jansons liebte – bei aller Durchsichtigkeit, die hier sowohl bei Strauss als auch bei Brahms erreicht ist – das Kompakte sehr, auch in seiner Spätzeit, und wenn ein mit seinen Fähigkeiten ausgestatteter Dirigent an vielen Passagen eine größere Zerbrechlichkeit und noch mehr Feinheit der Tongebung in den leisen Zwischentönungen angestrebt hätte, so wäre dies sicherlich gelungen. Doch – Jansons ist, bei aller Reifung, eben Jansons geblieben, der eine gewisse grundsätzliche Fülle sehr liebt.

Es mutet ein bisschen wie Ironie des Schicksals an, dass er in seinem letzten Konzert ausgerechnet ein – bei allem grandiosen Können – so überflüssiges und durch scheinbar keine innere Notwendigkeit in die Welt gesetztes Werk dirigierte wie Richard Strauss’ teils recht langatmig gewobene vier symphonische Zwischenspiele aus Intermezzo. Der erste Satz vermittelt neben Wohlklang und Eleganz kaum mehr als Behaglichkeit, die ‚Träumerei am Kamin‘ ist Nostalgie pur, ‚Am Spieltisch‘ ein schwächeres Gegenstück zum Bürger als Edelmann, und auf den ‚Fröhlichen Beschluss‘ kann eigentlich jeder anspruchsvollere Mensch ganz verzichten. Bleibt also die Bewunderung für die Könnerschaft von Strauss und das hervorragende Niveau des BR-Symphonieorchesters auf allen Positionen. Kein Zweifel, hier wurde der Freistaat von seiner vorteilhaftesten Seite auf der anderen Seite des großen Teichs präsentiert.

Wunderbare Momente

Ebensolches Niveau ist auch in allen heiklen Abschnitten der Vierten Brahms garantiert. Manchmal ist die Darbietung tendenziell ein bisschen behäbig, aber das ist sicher so, weil der Maestro es so wollte. Also respektieren wir es und genießen die wunderbaren Momente, die dabei herauskommen. Als Zugabe wurde von Brahms der 5. Ungarische Tanz in g-moll in der populären Orchestration von Albert Parlow (1824-80, er hat auch den 6. Ungarischen Tanz instrumentiert) gespielt, der natürlich fast immer ein mitreißendes Stück ist, auch wenn Jansons, bei aller Schönheit, die Temporücknahmen (poco ritenuto, und eben nicht molto ritenuto vorgeschrieben) sehr übertreiben lässt. Das Stück hält es aus, und man kann sich ja auch über sonst nichts beklagen. Ein würdiger, sich dessen wohl noch nicht bewusster Abschied eines geborenen Orchesterleiters von seinem exzellenten Orchester.

Christoph Schlüren [08.12.2020]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Richard Strauss
1Vier sinfonische Zwischenspiele op. 72 (aus "Intermezzo") 00:23:45
Johannes Brahms
5Sinfonie Nr. 4 e-Moll op. 98 00:43:02
9Ungarischer Tanz Nr. 5 g-Moll für Orchester – Allegro 00:05:33

Interpreten der Einspielung

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