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CD-Besprechung

Sergei Rachmaninoff • Maurice Ravel

Hélène Grimaud, piano

MDG 650 2165-2

1 CD • 56min • 1992

14.01.2021

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Sergej Rachmaninows Klavierkonzert Nr. 2 in c-Moll und Maurice Ravels Klavierkonzert in G-Dur sind ein denkbar ungleiches Paar. Aber die Vereinigung dieser beiden gegensätzlichen Bravourstücke auf einem Tonträger markiert einen aufschlussreichen Kontrast, der einmal mehr die Entwicklungsdynamik im 20. Jahrhundert unterstreicht. Von beiden Werken schien die damals 22 Jahre junge Hélène Grimaud fasziniert – so viel ist auf diesem neu veröffentlichten Mitschnitt aus dem Jahr 1992 hör- und spürbar. Erfrischende Neugier und impulsive Leidenschaft sprüht aus dem Spiel der französischen Pianistin zusammen mit dem Royal Philharmonic Orchestra.

Souveräne Solistin

In Rachmaninows spätromantischem Klavierkonzert findet ein persönliches Schicksal und dessen Überwindung seinen Widerhall. Rachmaninow, der jenseits seines brillanten Publikumserfolgs regelmäßig von psychischen Krisen gezeichnet war, durchlebte gerade ein tiefes persönliches Schaffenstief – eben, was einem vielbeschäftigten Schöpfergeist passieren kann, der ständig gefordert ist, „liefern“ zu müssen. Eine Hypnosetherapie brachte seinen Fluss der Ideen wieder in Gang – und zwar so nachhaltig, dass sein Klavierkonzert aus dem Jahr 1900 zu einem der besten wurde.

Perfektionisten mögen bemängeln, dass die auf dieser Aufnahme vorliegende Rachmaninow-Interpretation noch nicht den vollendeten Reifegrad der „heutigen“ Hélène Grimaud verkörpert. Aber ihr Spiel sprüht dennoch vor Neugier, die in keinem Widerspruch zu einer gewissen, vermutlich dem Respekt vor einem solch gewichtigen Werk geschuldeten Zurückhaltung steht. Wie auch immer: Für die hochbegabte 22jährige ist es Abenteuer genug, sich auf diese ganze Empfindungsskala einzulassen. Das Orchester – kraftvoll dosiert von Jesús Lopez-Cobos – ist hier ein verlässlicher aber auch ganz schön fordernder Partner.

Rasanz aber auch Entschleunigung

Für eine andere kompositorische Perspektive steht das zweite Werk auf diesem Tonträger: Maurice Ravel reflektiert in seinem Konzert aus dem Jahr 1932 eine atmosphärisch reichhaltige Außenwelt. In der kommen südländische Reiseeindrücke, aber auch Jazz- und Blueselemente, die er auf einer Amerikatournee begierig aufsog, zum Tagen. Auch hier weiß sich Hélène Grimaud souverän vor dem britischen Klangkörper zu behaupten. Ein Peitschenknall eröffnet den leichtfüßig-nervösen Parforceritt, den zunächst die Piccoloflöte weiterführt. Holzbläser, Trompeten, manchmal Saxofone stimmen ein, gerne auch in sinnlichen Glissandi. All dies erteilt jedem musikalischen Akademikertum eine Absage – was auch für den solistischen Part gilt: Mittendrin agiert Hélène Grimaud leichtfüßig-dynamisch und macht dieses unkonventionelle Spannungsfeld zu ihrer eigenen Sache. In präziser Diktion und jetzt auch mit resolutem Impuls nimmt sie es mit dem Royal Philharmonic Orchestra auf. Als Ausgleich zur spritzigen Eleganz der Ecksätze wirkt der weitgespannte Adagio-Satz wie eine Insel der Ruhe. Hélène Grimauds Spiel entfaltet einen traumverlorenen Gesang und die Entschleunigung der Tempi entfaltet hier eine zusätzliche Wirkung. Auch das zeigt nicht nur spielerische, sondern auch emotionale Größe bei dieser jungen Pianistin, die noch viel erreichen will in ihrer Karriere und dies mit dieser Aufnahme unmissverständlich klarstellt.

Stefan Pieper [14.01.2021]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Sergej Rachmaninow
1Klavierkonzert Nr. 2 c-Moll op. 18 00:33:53
Maurice Ravel
4Klavierkonzert G-Dur 00:21:48

Interpreten der Einspielung

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