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CD/SACD stereo/surround-Besprechung

il labirinto armonico

Pietro Locatelli

BIS 2445

1 CD/SACD stereo/surround • 62min • 2019

11.03.2021

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

Pietro Locatelli (1695-1764) war einer der berühmtesten Violinvirtuosen seiner Generation;1733 veröffentlichte er unter der Opuszahl 3 und dem Titel L’Arte del Violono 12 Violinkonzerte, die seine besonderen virtuosen Fähigkeiten in ein strahlendes Licht stellen sollten. Locatelli war zuvor dem mit dem Musikleben der Stadt Rom verbundenen Stil Arcangelo Corellis gefolgt, in diesem Opus bediente er sich der modernsten Kompositionsweise des Instrumentalkonzerts, die sein 18 Jahre älterer Kollege Antonio Vivaldi in Venedig etabliert hatte. Dennoch war es nur zu natürlich, dass er sein Vorbild Vivaldi, der ja selbst einer der meist gepriesenen Violinisten seiner Zeit war, an Virtuosität zu übertreffen suchte, und somit gehört Locatellis L’Arte del Violono zu den instrumentaltechnisch anspruchsvollsten Violinwerken der Epoche.

Capricci als Kadenzen

Die Kadenz ist im Instrumentalkonzert von Anfang an ein Teil (meist der Ecksätze), der dem Solisten die Möglichkeit gibt, in einem Solo seine besonderen virtuosen Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. Dies geschah bei als Komponisten begabten Solisten vermutlich im Rahmen einer kurzen Improvisation über die Themen des Satzes – allerdings haben schon Mozart und Beethoven für ihre Klavierkonzerte Kadenzen komponiert, die möglicherweise auch nur als Anregungen für die Fantasie ihrer Interpreten gemeint waren. Locatelli macht es in seinem Opus 3 ganz anders: Er fügt in die Ecksätze seiner Violinkonzerte an die Stelle der Kadenz so genannte Capricci ein, die die solistischen Fähigkeiten des jeweiligen Geigers in einem Maße fordern, das seiner zeitgenössischen wie auch der informierten heutigen Zuhörerschaft ob der zu ihrer Interpretation erforderlichen instrumentalen Meisterschaft den Atem stocken lassen dürfte. Dabei sind diese Capricci keine Zirkusübungen, sondern eng auf den musikalischen Gehalt des jeweiligen Satzes bezogene Solostücke und legen damit auch für Locatelli als Komponist Ehre ein.

Temperament und Einfühlung

Der 1982 in St. Petersburg (damals noch Leningrad) geborene Ilya Gringolts begann seine Studien in seiner Heimatstadt, wurde später Student an der Juillard School und bei Itzhak Perlman, lehrt gegenwärtig an der Zürcher Hochschule der Künste und ist sowohl der modernen Violine wie auch der historisch informierten Interpretationsweise verbunden. Mit dem Finnish Baroque Orchestra hat er für dieses Porträt eines höchst eigenwilligen Meisters des späten Barocks Partner gefunden, die genau wie er zwar der zeitgerechten Interpretation der Werke eines Komponisten einen gewichtigen Platz einräumen, aber dennoch nicht davon lassen mögen, neben aller historisch-infromierter musikalische Ideologie auch seiner musikalischen Persönlichkeit nachzuspüren.

Chapeau, dass sich Ilya Gringolts an diese höllisch schwierigen Werke herangewagt und – jenseits aller Virtuosität – über alle technische Hürden hinaus ihren muskalischen Wert erkannt und gestaltet hat!

Luzides Klangbild

Ein perfekt durchhörbares Klangbild, das sowohl die Ensembleszenen wie die solistischen Auftritte in den Capricci für die Zuhörer in einem perfekt nachvollziehbaren Hörerlebnis erfahrbar zu machen weiß, stellt die ebenbürtge Wiedergabe der ausgezeichneten Leistung der Künstler dar.

Detmar Huchting [11.03.2021]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Pietro Antonio Locatelli
1Violinkonzert G-Dur op. 3 Nr. 9 00:19:07
4Violinkonzert A-Dur op. 3 Nr. 11 00:18:00
7Violinkonzert D-Dur op. 3 Nr. 12 00:23:42

Interpreten der Einspielung

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