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CD-Besprechung

Anton Rubinstein

Piano Concertos 2 & 4

cpo 555 352-2

1 CD • 72min • 2019

12.04.2021

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Anton Rubinstein gehört als Meisterpianist, bedeutender, fruchtbarer Komponist und Begründer der St. Petersburger Konservatoriumstradition zu den prägendsten Figuren des russischen Musiklebens in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Er schrieb sein zweites Klavierkonzert in F-Dur op. 35 im Jahre 1854 für ein eigene Europa-Tournee. Charakteristisch für dieses Werk ist, dass die Klavierpassagen thematisch nur eher lose mit dem Orchestersatz verknüpft sind, was darauf schließen lässt, dass der Komponist sich auf diese Weise Raum für spontane Improvisationen lassen wollte. Der Kopfsatz verarbeitet ein ritterliches Thema in der Art einer Mazurka. Bemerkenswert ist die vierstimmige Fugenexposition im stile antico zu Beginn der ausgedehnten Kadenz. Die Klavierpartien im Mittelsatz tragen die Anweisung „quasi preludando“ und werden durch eine getragene Dur-Melodie inmitten von langsam fallenden dichten Akkordpassagen kontrastiert. Das Finale gibt sich als elfenhaftes Scherzo in mendelssohnscher Manier.

Der Tastenlöwe

Rubinstein, der ohne weiteres acht große Beethoven-Sonaten an einem Konzertabend spielte, muss über eine phänomenale Technik, eine anschlagsmäßig äußerst reiche Klangfarbenpalette, ein überragendes Gedächtnis, eine enorme Ausdauer und sehr große Hände verfügt haben. Angeblich sollen seine kleinen Finger so stämmig gewesen sein wie bei anderen Pianisten die Daumen. Dies erklärt auch die vielen, ohne Arpeggieren zu spielenden Dezimenspannungen in seinen Konzerten. Sein viertes Klavierkonzert d-moll op. 70 dürfte klavieristisch das direkte Vorbild für Tschaikowskys berühmtes b-moll-Konzert – und somit einer der Gründe für die vernichtende Kritik des Älteren – gewesen sein. Es ist in seiner Haltung nobler und weniger reißerisch, jedoch voll melodischer Schönheit und virtuosem Feuer.

Interpretation und Aufnahme sind grundsätzlich gelungen. Das Rundfunksinfonieorchester Berlin unter Robert Farkas begleitet sicher und routiniert. Allerdings kämpft Shagaghajegh Nasrati mit den weiten Spannungen und agiert in den improvisatorischen Passagen zu eng am Notentext. Hier wünschte man sich mehr Rubato und in den schnellen Sätzen eine etwas phantasievollere Agogik. Lyrische Passagen gelingen durchweg gut, den virtuosen fehlt jedoch ein wenig anschlagsmäßige Differenzierung. Das wirkt gekonnt, aber im Vergleich zu Marc André Hamelin, der absoluten Referenz für die Nummer 4, doch ein wenig zu flächig. Auch das F-Dur-Konzert gehen Alexander Paley und das Russische Staatsorchester wesentlich schwungvoller und zielgerichteter an. Die Aufnahmetechnik bietet solide Rundfunkqualität. Der Booklet-Text gibt in seiner begeisterten Naivität gelegentlich Anlass zum Schmunzeln.

Fazit: Eine solide, etwas brave Aufnahme, der die Pranke des Tastenlöwen abgeht. Wer sich von den Konzerten begeistern lassen will, greife für Nummer 2 zu Paley, der auch eine hochrangige Aufnahme der Nummer 4 bietet, wobei für dieses Meisterwerk M. A. Hamelin das Maß bleibt.

Vergleichsaufnahmen: A. Paley, State Symphony Orchestra of Russia, Golovchin (Delos); M. A. Hamelin, BBC Scottish SO, Stern (Hyperion).

Thomas Baack [12.04.2021]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Anton Rubinstein
1Klavierkonzert Nr. 4 00:33:17
4Klavierkonzert Nr. 2 00:38:27

Interpreten der Einspielung

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