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CD-Besprechung

Royal

Stefan Koim
Dowland Britten Henze

Musicaphon M 56975

1 CD • 59min • 2013

06.06.2021

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

John Dowlands Ausstrahlung reicht bis in die Gegenwart hinein. Liegt es an der einprägsamen Melodik in vielen seinen unzähligen Liedern, Gedichtvertonungen und Tänzen? Oder resultiert sein Charisma aus seinem Selbstbewusstsein, mit dem Dowland sich als musikalischer Erneuerer auf Augenhöhe mit dem Revolutionär des neuzeitlichen Theaters William Shakespeare sieht? Der im westfälischen Hamm geborene, längst international gefragte Gitarrist Stefan Koim lenkt auf seiner aktuellen CD „Royal” den Blick auf jene Universalität, mit der Dowland die Instrumentalmusik als eigenständige Gattung emanzipierte. Ebenso demonstriert er, wie auch Komponisten der Neuzeit um die Prägnanz von Dowlands musikalischen Ideen nicht herum kommen. Denn Benjamin Britten und Hans Werner Henze „beantworten” dieses kulturell zukunftsgewandte, mittlerweile vier Jahrhunderte zurückliegende Zeitalter aus dem Jetzt. „Royal”, wie die CD betitelt wurde, meint hier „edler Klang im höfischen Kontext”.

Es zählt der improvisatorische Aspekt

Die drei ersten Stücke sind als Fantasien gedacht, aber deren formale Disziplin relativiert diesen Titel durchaus etwas. Stefan Koim, der auch gerade mit seinem Ensemble Cembaless viel Beachtung findet, stellt in seinem Spiel mit großer Klarheit, viel virtuoser Pracht und immer wieder auch einer bestechend souverän gemeisterten Mehrstimmigkeit heraus, wie Dowland selbst sich von italienischen Stilen inspirieren ließ. In aufregendem Kontrast dazu steht Benjamin Brittens Nocturnal after John Dowland. Die chromatischen Wendungen zu Beginn stellen unmissverständlich einen Zeitsprung ins 20. Jahrhundert dar. In den folgenden 16 Minuten treibt Britten den improvisatorischen Aspekt in Dowlands Musik auf die Spitze und nähert sich zugleich immer mehr der eigentlichen Quelle für diese Komposition an, nämlich Benjamin Brittens Nocturnal – einem Variationswerk über John Dowlands Air Come heavy sleep. Dabei kommt einmal mehr Dowlands raffiniertes Verfahren zum Zuge, zunächst mit der entlegendsten Ableitung einzusteigen, um erst ganz am Ende das Originalstück zu offenbaren.

Der Klang eines Goldenen Zeitalters

Ein Zyklus aus kleinen, aber sehr fokussierten Tanzstücken bringt danach einen „anderen‟ Dowland ins Spiel. Eine Pavane, eine Almain (vmtl. eine Alemande) und eine Galliard ist verschiedenen Edelleuten und Königen der damaligen Zeit gewidmet. Hans Werner Henze wiederum bleibt in seiner Royal Winter Music seinen ureigenen kompositorischen Ideen treu, hat sich aber dafür umso mehr von der Literatur inspirieren lassen. Verschiedene Fragmente aus Shakespeare-Dramen standen Pate für einen faszinierend vielgestaltigen Bogen aus musikalischen Anspielungen, die einmal mehr diesem „Goldenen Zeitalter” der englischen Geschichte einen ausdrucksstarken Klang geben. So wirkt es, wenn Stefan Koims Gitarrenspiel in einem vielgestaltigen Panorama zwischen meditativer Verinnerlichung und ungestümer Virtuosität die berühmten Bilder im Kopf entstehen lässt.

Stefan Pieper [06.06.2021]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
John Dowland
1Fantasia DP 71 00:03:00
2Fantasia DP 73 00:05:32
3Fantasia DP 1a 00:04:01
Benjamin Britten
4Nocturnal after John Dowland op. 70 00:16:39
John Dowland
5Sir John Langton's Pavan 00:05:08
6Sir John Smith, His Almain 00:02:16
7The Most High and Mighty Christianus the Fourth, King of Denmark, His Galliard 00:02:40
Hans Werner Henze
8Royal Winter Music (Second Sonata on Shaekspearean Characters) 00:19:49

Interpreten der Einspielung

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