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CD/SACD stereo/surround-Besprechung

Sebastian Fagerlund

Nomade • Water Atlas

BIS 2455

1 CD/SACD stereo/surround • 59min • 2019

18.07.2021

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Der finnische Komponist Sebastian Fagerlund, geboren 1972, ist längst kein Unbekannter mehr, nicht zuletzt, da das Label BIS mittlerweile eine ganze Reihe seiner Orchesterwerke und Konzerte sowie seine beiden (bisherigen) Opern auf CD herausgebracht hat. Diese Serie wird mit der vorliegenden SACD fortgesetzt, diesmal mit dem Nomade betitelten Cellokonzert sowie dem Orchesterwerk Water Atlas, beides Werke aus jüngster Zeit (jeweils 2018 fertiggestellt).

Farbige Klangteppiche und meditative Introspektion

Den wesentlichen Eckpunkten von Fagerlunds Klangsprache begegnet man auch in diesen neuen Werken: farbige, schillernd orchestrierte, in der Regel tonal bzw. oft eher modal zentrierte Musik, deren große, opulente Klangteppiche meist aus kleinen, stetig wiederholten und abgeänderten Motiven zusammengesetzt sind. Darin zeigt sich zwar sicherlich der Einfluss des Minimalismus, doch letztlich ist Fagerlunds Musik offen für viele Anregungen, ohne disparat zu wirken. Kimmo Korhonens (lesenswerter) Begleittext ortet etwa die Einflüsse des Cellokonzerts unter anderem von Barock- bis zu Volksmusik, auch des Fernen Ostens, und in der Tat weist die Musik nicht selten eine exotische, manchmal auch archaische Note auf. Charakteristisch ist außerdem ein Wechselspiel von rhythmisch dominierten, vorwärts drängenden sowie meditativen, improvisatorisch anmutenden Passagen. Gerne wird Fagerlund mit seinem älteren finnischen Kollegen Magnus Lindberg verglichen. Dies hängt natürlich von den jeweiligen Werken ab, die man betrachtet, denn gerade Lindbergs Musik hat im Laufe der Jahre sicherlich ihre Wandlungen durchlaufen; en gros ist es jedoch ein stimmiger Vergleich.

Suggestivkraft und Assoziationsreichtum

Das Cellokonzert ist gemessen an Fagerlunds bisherigen Konzerten ziemlich umfangreich; sechs (fast ausnahmslos ineinander übergehende) Sätze und zwei kurze Interludien ergeben eine Gesamtlänge von 37 Minuten. Dabei dominieren ruhige, kontemplative, suchende (und insofern den Titel aufgreifende) Stimmungen, verglichen mit dem vier Jahre zuvor entstandenen Fagottkonzert Mana ist die Musik insgesamt einfacher, direkter gehalten. Besonders eindrucksvoll und suggestivkräftig sind der von tiefen Lagen geprägte, macht- und spannungsvolle Beginn sowie der sich allmählich (wieder) in die Dunkelheit zurückziehende Schluss inklusive Skordatur des Solocellos bis hin zum Kontra-Fis. Dagegen weist das Konzert etwa im langsamen vierten und fünften Satz gewisse Längen auf, wohl auch deshalb, weil Fagerlund prinzipiell eher auf Klang und Stimmung denn auf prägnante Thematik setzt.

Water Atlas beschließt die mit den ebenfalls im BIS-Katalog vertretenen Stonework und Drifts begonnene Trilogie von Orchesterwerken, die verschiedene Grundelemente in den Mittelpunkt stellen. Teile des Materials der beiden Vorgängerwerke werden hier wiederverwendet und zu einem klang- und effektvollen Abschluss geführt. Wasser und sein Kreislauf werden assoziationsreich beschwört, ohne auf unmittelbar deskriptive Wirkungen zu setzen.

Mustergültige Interpretationen

Beide Werke werden auf der neuen SACD bestens präsentiert, zumal das Finnische Rundfunk-Sinfonieorchester und Hannu Lintu bereits bewährte Kräfte in Sachen Fagerlund sind. Beim jungen deutsch-französischen Cellisten Nicolas Altstaedt handelt es sich um den Widmungsträger des Konzerts, und seine Wiedergabe des für ihn komponierten Werks ist mustergültig. Besonders hervorzuheben ist die Nuanciertheit seines Spiels, das jegliche Facetten zwischen Brillianz, Expressivität, satter Tonfülle, zartem Innehalten und Introspektion eindrucksvoll zu realisieren weiß. Die vorzügliche Klangqualität der Aufnahmen tut ein Übriges.

Holger Sambale [18.07.2021]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Sebastian Fagerlund
1Nomade für Violoncello und Orchester 00:37:21
9Water Atlas 00:20:14

Interpreten der Einspielung

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