Anzeige

Teilen auf Facebook RSS-Feed Klassik Heute
Klassik Heute - Ihr Klassik-Portal im Internet

CD • SACD • DVD-Audio • DVD Video

CD-Besprechung

Franz Anton Dimler

Three Clarinet Concertos

cpo 555 209-2

1 CD • 67min • 2018

30.08.2021

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 6
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Der aus einer Musikerfamilie stammende Franz Anton Dimler (1753-1827) begann seine musikalische Laufbahn als Hornist der Hofkapelle Mannheim. Nach der Verlegung des Hofes des pfälzischen Kurfürsten Karl Theodor nach München wurde er nach der Neuformierung des Orchesters dort als Kontrabassist eingestellt. Neben seiner Vielseitigkeit als Instrumentalist hatte Dimler Komposition bei Abbé Vogler studiert und war seinerzeit als Komponist von Instrumental- und Bühnenmusik gleichermaßen erfolgreich.

Das Mannheimer Hoforchester als Wiege des Klarinettenkonzerts

Die ersten Klarinettenkonzerte schrieb zwar der Durlacher Hofmusikus Johann Melchior Molter (1696-1765), seine Stücke für die seltene hohe D-Klarinette orientieren sich jedoch noch an den Konzerten für die barocke Clarintrompete, eigenständige Klarinettenkonzerte entstehen erst in Mannheim. Die dortige Hofkapelle stellt auf Betreiben ihres Gründers Johann Stamitz zwei etatmäßige Klarinettisten ein, damit ist der Weg zum klassischen Orchester geebnet. Vater Johann und Sohn Carl Stamitz erkennen als erste das Potential der Klarinette, ihre Konzerte zählen bis heute zum festen Repertoire und liefern bezüglich der Instrumentenbehandlung die Blaupausen auch für die folgenden Generationen.

Einer der ersten bedeutenden Virtuosen seines Fachs ist Franz Tausch, der Klarinettenprimarius des Mannheimer Orchesters, der später von München aus seine internationale Karriere startet. Tausch, der auch komponiert, schreibt Konzerte, gespickt mit akrobatischer Virtuosität. Tausch unterrichtet auch Dimlers Sohn Anton, der 1796 als Klarinettist in die Münchner Hofkapelle eintritt.

Höchst originelle Beispiele der Gattung

Dimler ist also bestens mit der Klarinette vertraut, anders als sein Kollege Tausch sind seine Konzerte nicht als vordergründige Virtuosenstücke angelegt. Während Tausch dem Orchester nur eine untergeordnete Begleitfunktion zuweist, bezieht Dimler das Orchester sehr originell als gleichwertigen Partner in das musikalische Geschehen mit ein. So wird die Klarinette vom ersten Takt an in den Tuttipassagen mit einer eigenen Stimme im Orchester integriert, um dann übergangslos mit dem Solo zu beginnen. Ein verblüffender Effekt, denn abgesehen vom dadurch angereicherten Tuttibläsersatz wird der Hörer von Beginn an quasi unterschwellig auf die Soloklarinette vorbereitet. Anders als Tausch verzichtet Dimler in seinen Konzerten auf zirzensische Mätzchen, versteht es aber glänzend, die Klarinette mit all ihren Möglichkeiten brillant in Szene zu setzen. Bemerkenswert die kantablen Passagen in der matten mittleren Lage und dem tiefen Register. Das hatte Mozart fünf Jahre zuvor schon in seinem Konzert KV 622 beispielhaft zelebriert, in dieser Art aufgegriffen hatte es aber in direkter Nachfolge erst Dimler. So sind die drei hier vorliegenden Konzerte in jeder Beziehung weit anspruchsvoller als die Konzerte von Carl Stamitz; weshalb sie im Gegensatz zu diesen jedoch vergessen wurden, zählt zu den Rätseln der Musikgeschichte.

Drei Ersteinspielungen

Die vorliegenden drei Konzerte sind Ersteinspielungen, ein viertes erschien 1995 in der 5 CDs umfassenden Edition „Mannheimer Schule“ mit Karl Schlechta, ebenfalls mit dem Kurpfälzischen Kammerorchester (Label „Arte Nova“). Schwachpunkt der jetzigen Aufnahmen ist ausgerechnet der Solist. Nikolaus Friedrich, seit 1984 Soloklarinettist im Orchester des Nationaltheater Mannheim, mag ein tüchtiger Orchestermusiker sein, als Solist fehlt ihm mit seinem eher kleinen, wenig flexiblen Ton, unausgeglichenen Staccato und störenden Anblasgeräuschen so ziemlich alles, um diese Stücke zum Leuchten zu bringen. Da stellt sich unwillkürlich die Frage, weshalb sich der herausragende Klarinettist Paul Meyer, seit der Spielzeit 2019/20 auch Chefdirigent des Kurpfälzischen Kammerorchesters, nicht der Stücke angenommen hat. Wie mitreißend Mannheimer Schule mit ihm klingen kann, bewies er 2016 mit dem gleichen Orchester beim gleichen Label am Beispiel dreier Konzerte von Carl Stamitz.

Zumindest das Orchester unter Johannes Willig erweist dem zu Unrecht vergessenen Dimler mit musikalisch zupackenden Interpretationen souveräne Referenzen. Da ist es schon fast tragisch, wenn die mit reichlich solistischen Passagen vertretenden Orchesterbläser (Oboen, Fagotte – nur Es-Dur-Konzert – , Hörner) dem Klarinettisten die Schau stehlen.

Holger Arnold [30.08.2021]

Anzeige

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Franz Anton Dimler
1Klarinettenkonzert Es-Dur 00:21:55
4Klarinettenkonzert B-Dur 00:23:48
5Klarinettenkonzert B-Dur 00:21:09

Interpreten der Einspielung

Vorherige ⬌ nächste Rezension

29.05.2021
»zur Besprechung«

Sakura: Spring!, Works by Beethoven, Boulanger, Hamauzu, Nuss and Tailleferre
Sakura: Spring! Works by Beethoven, Boulanger, Hamauzu, Nuss and Tailleferre

Das könnte Sie auch interessieren

11.06.2020
»zur Besprechung«

Johann Matthias Sperger, Double Bass Concertos 2 & 15, Sinfonia No. 30
Johann Matthias Sperger, Double Bass Concertos 2 & 15, Sinfonia No. 30

23.09.2019
»zur Besprechung«

Michèl Yost, Three Clarinet Concertos / cpo
Michèl Yost, Three Clarinet Concertos / cpo

13.06.2019
»zur Besprechung«

Carl Stamitz, Clarinet Concertos 3-5 / cpo
Carl Stamitz, Clarinet Concertos 3-5 / cpo

Anzeige

Klassik Heute - Ihr Klassik-Portal im Internet

Anzeige