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CD-Besprechung

Stolen Music

Debussy • Ravel • Dukas • Schönberg
Linos Piano Trio

CAvi-music 8553035

1 CD • 65min • 2021

07.09.2021

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Der Titel „Stolen Music“ der aktuellen CD des Linos Piano Trios ist vielleicht ein wenig irritierend. Man ist versucht, direkt an den dunkelsten Teil der deutschen Geschichte zu denken, an gestohlene Kompositionen ähnlich der zahlreichen Beispiele von geraubter Bildender Kunst. Hinter dem Titel steckt jedoch etwas ganz anderes, sehr Spannendes: Bei den Werken von Claude Debussy, Paul Dukas, Arnold Schönberg und Maurice Ravel handelt es sich um Kompositionen, die für andere (in der Regel größere Besetzungen) geschrieben wurden und das Linos Piano Trio, bestehend aus Prach Boondiskulchok (Klavier), Konrad Elias Trostmann (Violine) und Vladimir Waltham (Violoncello), sich nun auf seiner neuen CD zu eigen gemacht hat. Eigentlich eine Idee, die gerade in Zeiten der Pandemie und folglich der kleinen Besetzungen auf der Hand liegt. Noch dazu passt sie wunderbar in das Konzept des Trios, das Musik neu erfinden will und außerdem zu dem Wunsch, einfach jede Musik zu spielen, die den Musikern gefällt – unabhängig davon, ob es sich dabei um eine Komposition für Klaviertrio handelt oder auch nicht. Ausschlaggebend, sich mit dieser Idee intensiver auseinanderzusetzen, war die Bearbeitung des Schönberg-Sextetts Verklärte Nacht für Klaviertrio von Eduard Steuermann, die das Ensemble 2007 kennenlernte. Es sollte das einzige Arrangement werden, das auf der neuen Aufnahme zu finden, aber nicht vom Ensemble selbst ist. Die vier Kompositionen der CD vereint eines: Sie alle sind sehr bildhaft – drei basieren sogar auf konkreten Gedichten.

Kostbarkeiten in neuem Klanggewand

Den Anfang macht das Linos Piano Trio mit Claude Debussys Prélude à l’après-midi d’un faune, das auf dem gleichnamigen Gedicht von Mallarmé beruht. Dieses Werk für Klaviertrio zu bearbeiten, scheint recht wagemutig zu sein, fällt dadurch doch der typische Klang der Flöte im Hauptthema weg. Doch den drei Musikern gelingt es problemlos, dieses vermeintliche Manko auszugleichen und sie realisieren einerseits einen sehr transparenten und andererseits vollen, schwelgenden Klang. Auch Paul Dukas‘ Der Zauberlehrling ist ein Werk, das man doch sehr stark mit den verschiedenen Klangfarben der Orchesterinstrumente assoziiert. Und tatsächlich ist es auch zunächst ein wenig gewöhnungsbedürftig, wenn das Erwachen der Geister zu Beginn nicht vom Fagott eingeleitet wird, sondern vom Violoncello. Doch der Gewöhnung bedarf es nicht lange – zu überzeugend sind Arrangement und Spiel des Trios. Weniger weit weg in den Klangfarben ist da das Arrangement Steuermanns von Schönbergs Streichsextett Verklärte Nacht. Dass eine Reduzierung von einem Streichsextett auf ein Klaviertrio recht naheliegt, liegt auf der Hand. Die Umsetzung gelingt dem Trio ausgezeichnet, hochvirtuos und packend bis anrührend. Zum „Hören in Dauerschleife“ verführt tatsächlich der vierte Satz, überschrieben mit „Sehr breit und langsam“. Hier darf Waltham sich gekonnt in den Vordergrund spielen, um dann in ein Zwiegespräch mit Trostmann überzugehen. Mit der wahrscheinlich ausgefallensten Bearbeitung schließt das Linos Piano Trio seine Aufnahme ab, Maurice Ravels La Valse. Da Ravel auch eines der wichtigsten Klaviertrios schrieb, haben die Musiker dieses hinzugezogen, um eine Bearbeitung zu schaffen, wie Ravel sie vielleicht auch geschrieben hätte. Ein gelungenes Experiment und Abschluss für eine CD voller „gestohlener Kostbarkeiten“ in anderem Klanggewand.

Verena Düren [07.09.2021]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Claude Debussy
1Prélude à l'après-midi d'un faune (arr.: Linos Piano Trio) 00:10:28
Paul Dukas
2L' Apprenti sorcier (arr.: Linos Piano Trio) 00:12:28
Arnold Schönberg
3Verklärte Nacht op. 4 (Bearb. für Klaviertrio) 00:29:19
Maurice Ravel
8La Valse (arr.: Linos Piano Trio) 00:12:44

Interpreten der Einspielung

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