Dietrich Buxtehude
Complete Organ Works II

cpo 555 407-2
2 CD/SACD • 2h 20min • 2020
06.12.2021
Künstlerische Qualität:
Klangqualität:
Gesamteindruck:
Wie unterschiedlich die Rezeption eines Komponisten in Abhängigkeit von Quellenlage und Zeitgeist sein kann, lässt sich exemplarisch am Beispiel Dietrich Buxtehudes ablesen. „Dieterich Buxtehude gehört zu jenen Protagonisten der deutschen Musikgeschichte des 17. Jahrhunderts, von denen wir einerseits gerade noch genug wissen, um ihren künstlerischen Rang erkennen zu können, die aber andererseits bereits so weit ins Dunkel der Geschichte eingetaucht sind, dass wir ihre Gestalt und Persönlichkeit nur mehr umrisshaft wahrnehmen“, resümierte einst der Musikwissenschaftler Peter Wollny. Lange Zeit stand der Lübecker Meister im Schatten Johann Sebastian Bachs und wurde – wenn überhaupt – nahezu ausschließlich als Orgelkomponist wahrgenommen. Einspielungen seiner Orgelwerke gibt es unzählige, seine Vokalwerke führten jedoch lange Zeit ein Schattendasein, und das, obwohl sie rein zahlenmäßig den größeren Teil seines Schaffens ausmachen. Nun legt Friedhelm Flamme eine weitere Gesamteinspielung seiner Orgelwerke vor, für die er sich nicht etwa eine der zahlreichen noch erhaltenen oder rekonstruierten Instrumente des Orgelbauers Arp Schnitger ausgesucht hat, sondern die Treutmann-Orgel der Klosterkirche in Grauhof – auch ein historisches Instrument mithin, allerdings eine Generation später als Schnitgers Orgeln entstanden und aufgrund der wohltemperierten Stimmung vielseitiger einsetzbar.
Neue Facetten
Grundsätzlich kann man von einer neuerlichen Gesamteinspielung aller Orgelwerke keine nennenswerten neuen Erkenntnisse erwarten, aber doch neue Facetten. Und die präsentiert Friedhelm Flamme hier zweifellos. Die Buxtehude-Einspielung fügt sich nahtlos an Flammes Aufnahmen mit Werken norddeutscher Meister an, von denen Buxtehude der bekannteste war. Bach ist nicht umsonst einst zu ihm hingepilgert um vom großen Meister zu lernen. Heute ist die Bewertung von Buxtehudes Schaffen von einer größeren Ausgewogenheit geprägt. Er kann weder als reiner Vorläufer Bachs abgetan oder zum „Zwischenmeister“ zwischen der vokalen Kunst von Heinrich Schütz und Bach degradiert werden. Vielmehr kann er als „ein eigenständiger, ein großartiger, ein genialer Komponist“ (Ton Koopman) angesehen werden. Und das zeigt auch Flamme mit seiner Einspielung uneingeschränkt. Die Registrierungen spiegeln die satztechnische Vielfalt in Buxtehudes Orgelwerken vom Consort-Stil bis zum Stylus Phantasticus. Flamme spielt zudem mit musikantischem, stets phantasievollen Ansatz. Langweilig wird das nie.
Guido Krawinkel [06.12.2021]
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Komponisten und Werke der Einspielung
Tr. | Komponist/Werk | hh:mm:ss |
---|---|---|
CD/SACD 1 | ||
Dietrich Buxtehude | ||
1 | Präludium in C BuxWV 138 | 00:04:01 |
2 | Nun komm, der Heiden Heiland BuxWV 28 | 00:01:45 |
3 | Magnificat primi toni BuxWV 203 | 00:07:37 |
4 | Puer natus in Bethlehem BuxWV 217 | 00:01:00 |
5 | Präludium g-Moll BuxWV 149 | 00:08:40 |
6 | Der Tag der ist so freudenreich BuxWV 182 | 00:03:27 |
7 | Gelobet seist du, Jesu Christ BuxWV 189 | 00:01:33 |
8 | Gelobet seist du, Jesu Christ BuxWV 188 (Choralfantasie) | 00:07:57 |
9 | Lobt Gott, ihr Christen allzu gleich BuxWV 202 | 00:01:06 |
10 | In dulci jubilo BuxWV 197 | 00:01:38 |
11 | Präludium G-Dur BuxWV 162 | 00:05:42 |
12 | Herr Christ, der einig Gottes Sohn BuxWV 191 | 00:03:02 |
13 | Herr Christ, der einig Gottes Sohn BuxWV 192 | 00:02:22 |
14 | Präludium D-Dur BuxWV 139 | 00:05:48 |
15 | Wie schön leuchtet der Morgenstern BuxWV 223 | 00:09:26 |
CD/SACD 2 | ||
1 | Toccata F-Dur BuxWV 156 | 00:07:42 |
2 | Komm, Heiliger Geist, Herre Gott BuxWV 199 | 00:02:49 |
3 | Komm, Heiliger Geist, Herre Gott BuxWV 200 | 00:03:25 |
4 | Ciacona c-Moll BuxWV 159 | 00:07:44 |
5 | Präludium g-Moll BuxWV 148 | 00:06:07 |
6 | Danket dem Herren BuxWV 181 | 00:03:14 |
7 | Von Gott will ich nicht lassen BuxWV 220 | 00:01:39 |
8 | Von Gott will ich nicht lassen BuxWV 221 | 00:02:30 |
9 | Praeambulum in a BuxWV 158 | 00:04:35 |
10 | Nun lob, mein Seel, den Herren BuxWV 212 | 00:03:45 |
11 | Nun lob, mein Seel, den Herren BuxWV 214 | 00:03:04 |
12 | Nun lob, mein Seel, den Herren BuxWV 215 | 00:02:22 |
13 | Toccata in G BuxWV 165 | 00:05:12 |
14 | Canzonetta in G BuxWV 171 | 00:02:51 |
15 | Präludium g-Moll BuxWV 150 | 00:07:44 |
Interpreten der Einspielung
- Friedhelm Flamme (Orgel)