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CD-Besprechung

Grażyna Bacewicz

Piano Works

Ondine ODE 1399-2

1 CD • 71min • 2021

17.02.2022

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Die Polin Grażyna Bacewicz (1909-1969) – bereits der litauisch-stämmige Vater Vincas Bacevičius war Komponist – galt als geigerisches Wunderkind, schrieb aber schon als Jugendliche eigene Musik. Nach ihren Studien in Lodz und Warschau – auch Klavier – vervollkommnete sie ihre Fähigkeiten auf Empfehlung von Karol Szymanowski in Paris bei Nadia Boulanger und Carl Flesch. Zurück in Polen gehörte sie schnell zu den prägenden Figuren der dortigen Komponistenszene, noch verstärkt nach einem schweren Autounfall 1954, der ihre Konzerttätigkeit beendete. Mit einem Katalog von gut 200 Werken fast aller Gattungen wurde sie bald auch im Ausland zunehmend präsent. Nicht zuletzt durch ihr Vorbild hört man in Polen – vor allem beim Warschauer Herbst – schon länger deutlich mehr Musik weiblicher Komponistinnen als auf vergleichbaren Festivals.

Bislang unterschätztes Klavierwerk

Natürlich war Bacewiczs Hauptinstrument die Geige – und so nehmen die sieben Violinkonzerte und eine Menge Kammermusik mit Violine in ihrem Schaffen einen zentralen Raum ein. Ihr Klavierwerk – das noch komplett neoklassizistischen Idealen mit sehr persönlicher, teils folkloristischer Färbung à la Bartók, folgt – ist schmaler, jedoch bislang eher unterschätzt. Erst nach 1958 wagte sich die Komponistin zeitweise in die Atonalität. Dass Grażyna Bacewicz zudem eine äußerst talentierte Pianistin war, bewies sie u.a. mit der Uraufführung ihres pianistischen Hauptwerks, der 2. Klaviersonate von 1953. Das technisch wie musikalisch höchst anspruchsvolle Stück war quasi immer schon im Repertoire von Krystian Zimerman. Seine letzte Einspielung auf DG ist beim langsamen, zweiten Satz nach wie vor unübertroffen. Die hinreißende Schluss-Toccata – formal ein Oberek – legt der Schwede Peter Jablonski nun allerdings noch eine Spur virtuoser hin; nicht etwa, weil er ein paar Sekunden schneller ist. Von allen Konkurrenten überzeugt er durch seinen differenzierteren Anschlag, der nie aufdringlich wirkt, am meisten. Das zeigt sich dann ebenso bei den Zehn Konzertetüden von 1956-57, wo er sich mehr Zeit nimmt als Ewa Kupiec, dadurch die Details deutlicher ausspielt und auf jede Showwirkung verzichtet. Und die zweite der beiden Doppelgriff-Etüden (1955) erklingt so charmanter und koketter als auf den Aufnahmen von Joanna Sochaka oder Kupiec.

Bereits die erste Klaviersonate ist beeindruckend

Statt der Konzertetüden spielt Sochaka die frühe, unnummerierte Klaviersonate von 1930. Bei der ersten „offiziellen“ – viersätzigen – Sonate (1949), wo sich am Ende der Kreis schließt, wirkt sie dafür ein wenig empathischer als der stets kontrollierte Jablonski, der das erst 2021 publizierte Werk auch ediert hat. Trotzdem halten sich die beiden hier die Waage, denn die formale Übersicht – auf die die Komponistin ja immer allergrößten Wert legte – scheint bei Jablonski wirklich vollkommen. Der Konzert-Krakowiak gelingt ihm zugleich beziehungsreich und humorvoll; dieses Stück ist allerdings keine musikalische Großtat. Die Aufnahmetechnik von Ondine ist den CDs der beiden polnischen Pianistinnen klar überlegen und macht Jablonskis Neuerscheinung – mit lediglich englischem Booklet – gerade für diejenigen Hörer empfehlenswert, die sich erstmalig für Bacewiczs Klaviermusik interessieren.

Vergleichsaufnahmen: [Klaviersonate Nr. 2] Krystian Zimerman (DG 477 833-2, 2009); [Klaviersonate Nr. 2, Etüden] Ewa Kupiec (Hänssler CD 93.034, 2000); [Sonaten, 2 Etüden] Joanna Sochaka (Dux 1689, 2020).

Martin Blaumeiser [17.02.2022]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Grażyna Bacewicz
1Concert Krakowiak 00:06:41
2Konzertetüde Nr. 1 00:02:35
3Konzertetüde Nr. 2 00:01:42
4Konzertetüde Nr. 3 00:02:34
5Konzertetüde Nr. 4 00:01:35
6Konzertetüde Nr. 5 00:03:25
7Konzertetüde Nr. 6 00:02:06
8Konzertetüde Nr. 7 00:01:59
9Konzertetüde Nr. 8 00:03:22
10Konzertetüde Nr. 9 00:01:36
11Konzertetüde Nr. 10 00:01:54
12Two Etudes on Double Notes 00:06:09
14Klaviersonate Nr. 1 00:18:10
18Klaviersonate Nr. 2 00:17:29

Interpreten der Einspielung

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