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CD/SACD stereo-Besprechung

Auguste Fauchard

Complete Organ Works

cpo 555 506-2

3 CD/SACD stereo • 3h 17min • 2014, 2021

07.03.2022

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

Wie viele Entdeckungen würden uns entgehen, wenn Musiker wie Friedhelm Flamme sich nicht in die Werke Unbekannter verliebten? Wir würden so die vier großen Sinfonien des Komponisten, Priesters und Orgelvirtuosen Auguste Fauchard (1881-1957) zu Unrecht übersehen. Sie sind technisch mindestens ebenso anspruchsvoll wie diejenigen seines Lehrers Louis Vierne, stehen dabei jedoch musikalisch eher den Werken Alexandre Guilmants, Charles-Marie Widors und in ihrer Vorliebe für von der Gregorianik inspirierte Modalität denen Eugène Gigouts nahe.

Meisterorganist in Soutane

Auguste Fauchard wurde im nordwestfranzösischen Laval (Département Mayenne) geboren und wirkte dort sowohl als Kanonikus wie auch als Titularorganist der im 19. Jahrhundert zur Kathedrale erhobenen Pfarrkirche Sainte Trinité. Er studierte nach seiner Priesterweihe ab 1896 an der Schola Cantorum in Paris Komposition bei Vincent d’Indy sowie Orgel und Improvisation bei Louis Vierne. Außerdem besuchte er die Vorträge Alexandre Guilmants am Conservatoire. Neben seiner geistlichen Tätigkeit war er ein gesuchter Konzertorganist und bewunderter Improvisator. Das Kreuz der Ehrenlegion überreichte ihm 1953 sein prominenter Kollege Marcel Dupré.

Seine Kompositionen entstanden zwischen 1926 und 1951, also erst in der zweiten Lebenshälfte und erschienen im Verlag der Schola Cantorum. Alle vier Sinfonien umfassen die klassischen vier Sätze. Die erste ist in Standardform gestaltet, die zweite nähert sich einer Suite an, was bedeutet, dass sich die Sätze auch einzeln verwenden lassen. Die dritte und vierte beweisen, dass sich der gregorianische Choral durchaus zu populärer Thematik umformen lässt. Sie sind ein fromm-katholisches Gegenstatement zur Ekstatik des jungen Olivier Messiaen. Manche Stellen erinnern mit ihren „falschen Bässen“ an Maurice Duruflé. Wer ein Bravourstück fürs Weihnachtsprogramm sucht, sollte sich den dritten Satz der 3. Sinfonie (CD 2/Track 12) einmal anhören. Für die vierte Sinfonie ist auf jeden Fall Sitzfleisch erforderlich, dauert sie doch knapp eine Stunde. Als Einzelstück für ein Passionskonzert könnte daraus das düster-beeindruckende „Sacrifice“ (CD 3/8) durchaus Effekt machen. Dort könnte auch das in Tristan-Chromatik schwelgende Tombeau In Memoriam – auf den Tod des Bruders – seinen Platz finden. Fauchards stilistische Versiertheit demonstrieren die Variationen über den Choral Vexilla regis, die Techniken der deutschen Choralbearbeitung von Samuel Scheidt über Johann Pachelbel und Bach bis zu Max Reger demonstrieren. Der „Choral“ knüpft an César Franck an, indem er keine bekannte Melodie, sondern eine Eigenkomposition zur Grundlage nimmt. Vom Schwierigkeitsgrad dürften sich alle Werke auf dem Niveau der beiden letzten Sinfonien von Louis Vierne bewegen. Musikalisch sind sie wesentlich eingängiger, können an manchen Stellen durchaus mit dem Charme eines Théodore Dubois mithalten.

Liebesdienst

Wie die 2. Sinfonie und einige andere Werke auf Fauchards einstigem „Hausinstrument“ – einer zweimanualigen Cavaillé-Coll-Orgel mit 28 Registern – klingen, hat Friedhelm Flamme in einer früheren dokumentarischen CD zum Werk des Orgelbauers bereits demonstriert. Dies scheint seine Lust auf mehr geweckt zu haben. Dass es sich hier um eine „labour of love“ handelt, ist deutlichst an der liebevollen Beachtung kleinster Details und der gleichzeitigen Übersicht über die Gesamtstruktur abzulesen. Dies zeigt sich sowohl in der eleganten Meisterung der hochvirtuosen Finali wie auch in der subtilen Koordination bei der Darstellung von Lyrismen über mehrere Manuale und Pedal unter gleichzeitig punktgenauer Bedienung der beiden Schweller („Communion“ CD3/9). Das ist schlichtweg stupendes romantisches Orgelspiel.

Die Schuke-Orgel (III, 65, Manual 2 &3 schwellbar) der Detmolder Heilig-Kreuz-Kirche verfügt über alle typisch französischen Klangfarben von der Céleste bis zur Contrebombarde, klingt jedoch schlanker als die großen Cavaillé-Colls wie St. Sulpice oder gar St. Ouen und entspricht somit eher St. Omer aus der mittleren Periode. Sie wurde von der Klangtechnik in Farbreichtum und Dynamikspektrum hervorragend – im Grand Jeu durchaus viszeral – eingefangen. Der Booklet-Text von Paul Thissen informiert ausführlich über den Komponisten und gibt ausgezeichnete Höranleitungen.

.Fazit: 197 Minuten spannender, dabei eingängiger, exzellent interpretierter Orgelmusik. Da bleiben keine Wünsche offen. Durchaus auch für Menschen geeignet, die weder mit Bach noch Reger viel anfangen können. Deshalb uneingeschränkte Empfehlung!

Thomas Baack [07.03.2022]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Auguste Fauchard
1Première Symphonie 00:27:59
5In Memoriam 00:10:05
6Deuxième Symphonie 00:29:54
CD/SACD 2
1Le Mystère de Noël 00:15:22
9Choral 00:10:00
10Troisième Symphonie (Symphonie Mariale) 00:41:54
CD/SACD 3
1Cinq Chorals sur Vexilla Regis 00:12:14
7Quatrième Symphonie (Symphonie Eucharistique) 00:56:27

Interpreten der Einspielung

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