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CD-Besprechung

Ex Aequo

Duo Diversitats

Naxos 8.551454

1 CD • 65min • 2021

19.06.2022

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Dass Flöte und Gitarre eine gute Kombination ergeben, wusste man bereits im Biedermeier, mit Theorbe bereits wesentlich früher. Marisa Minder (Gitarre) und Evgenya Spalinger (Flöte) beweisen dies erneut mit einem Programm, das bis auf das Capriccio für Flöte und Gitarre von Hans Haug aus mehr oder weniger bearbeiteten Stücken besteht. Dies gelingt mal, mehr mal weniger gut. Anfang und Schluss der CD sind durchaus hörenswert. In der Mitte finden sich ein paar Ausreißer.

Vom Barock bis in die iberisch gefärbte Moderne

Im Bach-Werke-Verzeichnis findet sich unter der Nummer 1020 eine Sonate für Flöte und obligates Cembalo, von der bisher nicht endgültig geklärt ist, ob es sich um das Werk eines „galant“ gestimmten Johann Sebastian, oder um ein Frühwerk von Filius Carl Philipp Emanuel handelt. Die beiden Künstlerinnen transponieren das Werk ins gitarrenfreundlichere a-Moll. Marisa Minder beweist, dass man den keinesfalls einfachen Cembalo-Part ohne Abstriche auch auf der Gitarre darstellen kann, wenn man das Instrument denn so souverän beherrscht wie sie. Evgenya Spindler bläst den Flötenpart tonschön und mit so schlauen Verzierungen, dass ich deren Diebstahl erwäge. Exzellent gelingt auch das Capriccio von Hans Haug. Es vereinigt Jazz-Elemente mit iberischen Klangfiguren und ich hätte beim ersten Hören auf Jean Françaix oder Darius Milhaud getippt. Einige Stellen wirken, als ob Haug Astor Piazzollas Tango nuevo bereits 1963 vorausgeahnt hätte.

Aufmerksame Gitarrenpartnerin

Die restlichen Tracks leiden unter der Neigung der Flötistin zu aggressiver Brillanz in den Extremlagen. Die Höhe verliert jenseits des e3 an Rundung. Sie wirkt im Obertonspektrum unharmonisch und grell, da sie mit zu hohem Atemdruck und zu wenig Spannung produziert wird. In der Tiefe unterhalb von g1 wird „geröhrt“, was das Zeug hält. Das wäre gegen einen unsensiblen Pianisten Selbstverteidigung, wirkt jedoch gegen eine so aufmerksame Gitarrenpartnerin unnötig exhibitionistisch. Das Mozart-Duo für Violine und Viola wirkt in der Bearbeitung erstaunlich gut, leidet jedoch unter Spalingers Unart, Staccati – gleichgültig, ob durch Punkt oder Keil vorgeschrieben – mit unfreiwilligen Akzenten zu versehen. Die Schubert-Sonate kann man in dieser Besetzung durchaus „machen“. Gerade aus dem biedermeierlichen Wien hätte es hier Idiomatischeres gegeben: Mauro Giuliani, Ernst Krähmer, Josef Küffner, Anton Diabelli. Fritz Kreislers Schön Rosmarin habe ich selten uncharmanter gehört.

Marisa Minder realisiert ihren Gitarrenpart mit souveräner Könnerschaft und Wachheit. So etwas kennt man bisher nur von den Aufnahmen des Hannibal-Petri Duos.

Klangtechnik: Meine negativen Eindrücke mögen vielleicht daher rühren, dass die Flöte zu dicht am Mikrophon platziert wurde. Auch hier empfiehlt es sich, die hochauflösende Streaming-Version anzuhören, die allerdings den Gesamteindruck nicht ändert. Der Booklet-Text ist relativ knapp, aber ausreichend.

Fazit: Wegen des interessanten Capriccios von Haug und der phantasievollen Ornamentierung der Bach-Sonate, sollten sich Flötisten und Gitarristen die Aufnahme unbedingt anhören. Für den Rest ein nettes Konzertsouvenir.

Thomas Baack [19.06.2022]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Johann Sebastian Bach
1Sonate g-Moll BWV 1020 00:12:28
Wolfgang Amadeus Mozart
4Duo G-Dur KV 423 00:14:50
Franz Schubert
7Sonate Nr. 1 D-Dur op. posth. 137, 1 D 384 00:13:16
Gioachino Rossini
10La Danza (Tarantella napoletana - aus: Soirées musicales) 00:04:29
Peter Tschaikowsky
11Die Jahreszeiten (April: Schneeglöckchen) 00:02:34
12Die Jahreszeiten (Juni: Barcarole) 00:04:34
Fritz Kreisler
13Sweet Rosmarin 00:02:15
Hans Haug
14Capriccio für Flöte und Gitarre 00:10:05

Interpreten der Einspielung

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