Beginnings
Anna Khomichko

Genuin GEN 25925
1 CD • 70min • 2024
22.03.2025
Künstlerische Qualität:
Klangqualität:
Gesamteindruck:
Vor anderthalb Jahren erschien Anna Khomichkos Solo-Debüt mit Werken von Mozart und dessen Zeitgenossen Muzio Clementi. Auf ihrem neuen Album präsentiert sie Klavierkonzerte aus demselben klassischen Umfeld. Gemeinsam mit dem Philharmonischen Orchester Heidelberg und dessen Chef Mino Marani interpretiert sie Mozarts Frühwerk KV 175 und Muzio Clementis einzig erhaltenes Klavierkonzert. Außerdem ist Beethovens selten zu hörendes „Nulltes“ Klavierkonzert Es-Dur WoO 4 zu hören.
Mit Beethovens Klavierkonzert-Erstling eröffnet die russische Pianistin, die zum Musikstudium nach Deutschland zog, das Programm. Das Stück gehört zu Beethovens Jugendkompositionen aus der Bonner Zeit, die als „Werke ohne Opus“ katalogisiert sind. Beethovens Vater tat als Sänger in der Kapelle des Kölner Erzbischofs seinen Dienst. Ludwigs schulische Ausbildung war zwar lückenhaft; dennoch konnte er mit 14 Jahren als Organist und Streicher im Orchester ebenfalls in den Dienst des Erzbischofs treten. Die handschriftliche Partitur seines Klavierkonzert-Erstlings ist nicht erhalten. Als Vorlage der Rekonstruktion, die erst 1968 uraufgeführt wurde, diente eine überlieferte Abschrift des Klavierauszugs der Orchesterstimmen.
Reife Frühwerke
Während das Stück gemeinhin als niedliches Jugendwerk abgetan wird, macht Anna Khomichko deutlich: Hier komponiert einer, der voll Selbstbewusstsein und Kraft steckt, der ernstgenommen werden will. Neben heroischen Zügen kommen aber auch die lyrische und die witzige Seite des Knaben zur Geltung. Mino Marani und die Heidelberger Philharmoniker tragen die Pianistin mit ihrem samtenen, durchsichtigen Ton gleichsam auf Wolken.
Es folgt das einzige erhaltene Klavierkonzert von Muzio Clementi, der auf Beethoven und andere jüngere Klavierkomponisten einen enormen Einfluss hatte. Es entstand um 1790, als sich der in London lebende Italiener eine weitere Europa-Tournee vorbereitete; um ein Jugendwerk handelt es sich also nicht. Anna Khochichko und die Heidelberger Philharmoniker streichen den effektvollen, extrovertierten Charakter dieser Musik heraus: vom harmonisch fortschrittlichen Kopfsatz bis zum brillanten Laufwerk im Presto-Finale. Damit leisten sie ihren Beitrag, Clementi vom Etikett des pädagogischen Etüden- und Sonatinen-Schreiberlings zu befreien.
Revolutionärer Geist
Mozart schrieb sein erstes Klavierkonzert, das D-Dur-Stück KV 175, als 17-jähriger Konzertmeister in Salzburg. Die Musik wirkt auf den ersten Blick wenig einladend. Das Hauptthema marschiert in schwerfälligen Fanfaren. Das putzige finale Rondo ist vorhersehbar. Dennoch schafft es Anna Khomichko mit großer Delikatesse und Geschmack, den Hörer zu faszinieren. Behutsam gliedert sie die recht gewöhnlichen kleinen Melodien; sorgsam eingebettet in den Klang der einfühlsam dialogisierenden Heidelberger Philharmoniker.
Frisch und lebendig wirken diese drei Kompositionen aus dem späten 18. Jahrhundert, die von Anna Khomichko auf dem modernen Steinway vorgetragen werden. Die Pianistin interpretiert sie in natürlichem Fluss, mit gelassenen Tempi, ohne Sentimentalität und Effekthascherei. Erkennbar wird so, wie der revolutionäre Geist der damaligen Umbruchszeit auch auf das neu entwickelte „Fortepiano“ ausstrahlte.
Antje Rößler [22.03.2025]
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Komponisten und Werke der Einspielung
Tr. | Komponist/Werk | hh:mm:ss |
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CD/SACD 1 | ||
Ludwig van Beethoven | ||
1 | Klavierkonzert Es-Dur WoO 4 (orchestr.: Ronald Brautigam) | 00:26:22 |
Muzio Clementi | ||
4 | Klavierkonzert C-Dur | 00:21:54 |
Wolfgang Amadeus Mozart | ||
7 | Klavierkonzert Nr. 5 D-Dur KV 175 | 00:21:11 |
Interpreten der Einspielung
- Anna Khomichko (Klavier)
- Heidelberg Philharmonic Orchestra (Orchester)
- Mino Marani (Dirigent)