Johann Sebastian Bach
Sonata BWV 1003 • Suite BWV 997 • Suite BWV 1006a
Stephen Marchionda guitar

MDG 903 2354-6
1 CD/SACD stereo/surround • 63min • 2024
26.03.2025
Künstlerische Qualität:
Klangqualität:
Gesamteindruck:
Klassik Heute
Empfehlung
Geradezu liebevoll beschreibt der amerikanische Gitarrist Stephen Marchionda seine Gitarre, deren Bau, deren Gitarrenbauer und dessen Werkstatt in Spanien. Und genauso liebevoll klingt sein Spiel. Er hat drei Sonaten bzw. Partiten von Bach für Gitarre transkribiert, die ursprünglich für Violine und Laute bzw. ein Lautenwerck komponiert waren. Man muss hier nicht diskutieren, ob die E-Dur-Suite BWV 1006a ursprünglich für Violine oder Laute gedacht war oder ob man alles für eine Gitarre adaptieren „darf“: Bach hat selber viele seiner Werke für andere Instrumente arrangiert. Man kann es und man „darf“ es, wenn nichts von der ursprünglichen musikalischen Gestaltung verlorengeht. Marchionda, der schon höchst erfolgreich Klaviersonaten von Domenico Scarlatti für Gitarre arrangiert hat, macht es und er macht es glänzend.
Kontrapunktische Klarheit
Schier unglaublich sind die überragende Klarheit und Klangfülle seiner Gitarre und wunderbar ist dies von der Tonregie eingefangen und vom Raumklang umhüllt. Und vollkommen überrascht und erstaunt ist der Hörer, wieviel kontrapunktische Transparenz und punktgenaue Virtuosität auf einer Gitarre möglich ist, man staunt über Marchiondas mühelose Selbstverständlichkeit des virtuosen Spiels und über den immer vorwärtsdrängenden Drive. Man weiß gar nicht, wie er es macht, dass er beim Spielen noch andere Saiten mitklingen lässt und so Polyphonie erzeugt, wie zum Beispiel in der Loure der E-Dur-Sonate BWV 1006a (Track 3). Man staunt von Sonata zu Suite, von Satz zu Satz.
Seufzermotiv und Chromatik
Marchionda verleiht der strengen Fuge in Track 8 in allerklarster Transparenz zusätzlich einen tänzerischen Charakter und lässt die chromatisch absteigende Melodie deutlich herausklingen, bringt in die andere Fuge (Track 12) auch noch dynamische Nuancen hinein, demonstriert das streng logisch konstruierte Rankenwerk im Double der a-Moll-Suite (Track 19), lässt im Notengewimmel des Prelude in der a-Moll-Suite BWV 997 (Track11) das Seufzermotiv erkennen und den gleichmäßig pochenden Achtelbass im Andante der a-Moll-Sonate – wenn hier auch gleichzeitig die Schwierigkeit hörbar ist, dies auf der Gitarre zu produzieren.
Heiterkeit und Herbheit
Marchionda kreiert auch die immer richtige musikalische Atmosphäre: erfrischende Heiterkeit in der Bourrée und Gigue in der E-Dur-Suite (Tracks 5/6), herbe Melancholik, die an die Matthäuspassion erinnert, in der Sarabande der A-Dur-Suite (Track 13), rauschendes Dreiklangs-Passagenspiel im finalen Allegro der a-Moll-Sonata (Track 10) und weitausschwingende Ruhe im Adagio derselben Sonata – die meiner Meinung nach aber noch weitaus ruhiger ausschwingen dürfte. Was bleibt ist das ehrfürchtige Staunen über die ganz in den Dienst von Bachs Musik gestellte Virtuosität, im Zusammenspiel mit der Liebe zu dieser Bach‘schen Musik.
Rainer W. Janka [26.03.2025]
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Komponisten und Werke der Einspielung
Tr. | Komponist/Werk | hh:mm:ss |
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CD/SACD 1 | ||
Johann Sebastian Bach | ||
1 | Suite E-Dur BWV 1006a für Laute (nach BWV 1006) | 00:20:38 |
7 | Sonate Nr. 2 a-Moll BWV 1003 für Violine solo | 00:22:38 |
11 | Suite Nr. 2 a-Moll BWV 997 für Laute | 00:19:52 |
Interpreten der Einspielung
- Stephen Marchionda (Gitarre)