Antonio Vivaldi
L'Olimpia - Dramma per musica in tre atti
Coro Maghini • Innsbrucker Festwochenorchester •Alessandro De Marchi
cpo 555 651-2
3 CD • 2h 59min • 2023
05.02.2026
Künstlerische Qualität:![]()
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Gesamteindruck:![]()
Mehr als 70mal wurde Pietro Metastasios Libretto „L’Olimpiade“ vertont, womit es einen geradezu olympischen Rekord erreichte. Die Version von Giovanni Battista Pergolesi (1735) hatte Alessandro de Marchi 2010 zu seinem Einstand als Leiter der Innsbrucker Festwochen aufs Programm gesetzt und später auch auf CD verewigt (dhm/Sony). Nach 13 erfolgreichen Jahren, bevor er die Direktion des Festivals an Ottavio Dantone übergab, wählte er als Abschiedsvorstellung die Fassung von Antonio Vivaldi (1734), die lange Zeit in Vergessenheit geraten war. Der jetzt bei cpo veröffentlichte Mitschnitt dürfte die Freunde barocker Opern- und Gesangskunst wie seinerzeit das Innsbrucker Publikum in reines Entzücken versetzen.
Viele Handlungsknoten
Eine Olympiade steht an und der Preis für den Sieger ist Aristea, die Tochter des Königs Clistene. Der unsportliche Licida, der Aristea liebt, obwohl er schon Argene die Ehe versprochen hat, überredet seinen ergebenen Freund Megacle, der ihm sein Leben verdankt, unter seinem Namen beim Wettkampf anzutreten. Durch dessen Sieg kommt ein schier unentwirrbares Drama in Gang. Denn Megacle ist längst der Geliebte Aristeas und die Freundschaft wird jetzt auf eine harte Probe gestellt. Dazu taucht noch Argene auf, entlarvt den Betrug und bringt die Freunde damit in Todesgefahr. Doch nach einem Arien-Marathon und ausgedehnten Rezitativen, in denen sich die Handlung immer weiter verknotet, kommt es wie durch ein Wunder zum „lieto fine“: Licida erweist sich als der verlorene Sohn des Königs und Zwillingsbruder Aristeas. Alle vergeben allen und einer Doppelhochzeit steht nichts mehr im Wege.
Abwechslungsreiche Musik
Vivaldi hat Metastasios damals noch ganz frisches Original-Libretto von Bartolomeo Vitturi überarbeiten lassen. Dabei wurden im Sinne der Ausgewogenheit und der dramaturgischen Stringenz Kürzungen bei den Rezitativen und Umstellungen bei den Arien vorgenommen. Die geringe Zeit, die er zur Fertigstellung der Partitur hatte, zwang Vivaldi in einigen Fällen, auf Arien aus seinen früheren Opern zurückzugreifen. Auch hatte er bei der Komposition die unterschiedlichen technischen Möglichkeiten der vorgesehenen Sänger zu berücksichtigen. Davon abgesehen entsprach es seiner künstlerischen Absicht, die Arien im Melodischen einfach und einprägsam zu gestalten, virtuoser Zierrat wird erst im Dacapo zugelassen. Die besondere Qualität der Musik liegt in der ungemein phantasievollen und abwechslungsreichen orchestralen Begleitung. Mit sicherem Gefühl erfasst Vivaldi die wechselnden Stimmungen der handelnden Personen und setzt die Metaphern des Textes lautmalerisch in Klang um, ob es sich um ein Schiff in Seenot handelt oder später um einen veritablen Schiffbruch, aber auch, wenn die Liebe mit einer Schlange verglichen wird, die sich um einen Baumstamm windet.
Rundum überzeugende Umsetzung
Die zentralen Rollen in dieser Oper spielen die Freunde Megacle und Licida, sie sind das eigentliche Liebespaar. In ihren Arien ist die angeblich von beiden angebetete Aristea kein Thema, wohl aber ihre alles bestimmende Männerfreundschaft. Die beiden Countertenöre Raffaele Pé und Bejun Mehta treten hier in einen faszinierenden vokalen Wettbewerb, ebenbürtig an Klangfülle und Virtuosität. Was der ältere Mehta ihm an technischem und stilistischem Knowhow voraus hat, kompensiert der junge Italiener mit gestalterischem Temperament. Der brasilianische Sopranist Bruno de Sà, der als Aminta bei der Premiere Furore gemacht haben soll, wurde in diesem Mitschnitt durch die Sopranistin Eleonora Bellocci ersetzt, die in der Rolle des alten Erziehers ein bisschen wie „Despina in maschera“ wirkt, aber – besonders mit ihren Koloraturkaskaden in der zweiten Arie („Siam navi all’onde argenti“) – eine sängerisch glänzende Vorstellung gibt. Die beiden Frauenrollen sind mit zwei Mezzosopranistinnen besetzt, von denen die eine als Alt, die andere als Sopran deklariert ist. Sowohl Margherita Maria Sala (Aristea) als auch Benedetta Mazzucato (Argene) nehmen durch stimmlichen Wohlklang wie durch lebhafte dramatische Darstellung für sich ein, gleichermaßen überzeugend in ihren zärtlichen wie den zornigen Momenten. Die tiefen Männerstimmen sind mit dem Bariton Christian Senn, der als König Clistene keine zwingende Autorität erkennen lässt, und dem Bassisten Luigi De Donato, der als sein Adlatus Alcandro vokal desto mehr auftrumpft, solide besetzt.
Engagierter Dirigent
Die Seele des ganzen Unternehmens ist der scheidende Dirigent Alessandro de Marchi, der mit dem knapp 30 Musiker umfassenden Innsbrucker Festwochenorchester einem opulenten, festlichen Barockstil huldigt, dabei aber nie in die Breite geht, sondern mit Fingerspitzengefühl für das „tempo giusto“ das Geschehen dynamisch vorantreibt und dabei trotzdem den lyrischen und kontemplativen Momenten die nötige Ruhe lässt, sich zu entfalten.
Ekkehard Pluta [05.02.2026]
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Komponisten und Werke der Einspielung
| Tr. | Komponist/Werk | hh:mm:ss |
|---|---|---|
| CD/SACD 1 | ||
| Antonio Vivaldi | ||
| 1 | L' Olimpiade RV 725 (Dramma per musica in tre atti) | 02:19:06 |
Interpreten der Einspielung
- Christian Senn (Clistene, König von Sikyon - Bariton)
- Margherita Maria Sala (Aristea, Tochter des Clistene, Geliebte des Megacle - Alt)
- Benedetta Mazzucato (Argene, Dame aus Kreta, verkleidet als Hirtin als Licori, Geliebte des Licida - )
- Raffaele Pe (Megacle, Freund des Licida, Geliebter der Aristea - Countertenor)
- Bejun Mehta (Licida, vermeintlicher Sohn des Königs von Kreta, verliebt in Aristea, Megacles )
- Eleonora Bellocci (Aminta, Erzieher des Licida - Sopran)
- Luigi Donato (Alcandro, Vertrauter des Clistene - Baß)
- Coro Maghini (Chor)
- Innsbrucker Festwochenorchester (Orchester)
- Alessandro Marchi (Dirigent)
