Mozartiana
Clarissa Bevilacqua
Berlin Classics 0304344BC
1 CD • 77min • 2025
24.03.2026
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Gesamteindruck:![]()
Klassik Heute
Empfehlung
Das muss man sich erst einmal trauen: Als Geigerin eine Debüt-CD vorlegen, die den Titel „Mozartiana“ trägt – aber kein einziges Stück von Wolfgang Amadeus Mozart in der Trackliste hat. Dafür „nur“ eine Sonate seines Sohnes Franz Xaver Mozart. Clarissa Bevilaqua, die 24-jährige Geigerin, die aus Italien stammt, in den USA aufgewachsen ist und dann in Salzburg studiert hat, liefert im Booklet die Erklärung: Sie hat, bevor sie in Salzburg studiert hatte, mit Mozarts Musik gefremdelt, irgendwann habe aber auch sie der Salzburger Mozart-Hype gepackt, so dass sie schließlich sogar 2020 den 14. Internationalen Mozart-Wettbewerb gewonnen hat. Ihr Motto für diese CD ist: „Ich möchte zeigen, dass man nicht Mozart oder Musik aus seiner Zeit spielen muss, um ihn als großartigen Komponisten zu ehren,“ wird sie im sehr persönlich gehaltenen Booklet zitiert. So hat sie, die sogar selbst ein Festival für junge Musiker in Salzburg gegründet hat, das DYNAMIKfest, mehrere Komponisten angeschrieben: Sie sollten für sie Musik schreiben, die von Mozart inspiriert ist. So ist eine äußerst muntere Stückauswahl zustande gekommen, die von Frische und Unbekümmertheit, aber auch Respekt vor Mozart zeugt.
Ein lilienhaft reines Geigenspiel
Dieser Eindruck von Frische kommt auch von Bevilaquas Spiel: Es hat etwas lilienhaft Reines, makellos Sauberes, Feines, fast etwas Keusches. Und doch liegt auch Humor und Freude in diesem Spiel: Es berührt einen vom ersten Ton an. So interpretiert sie die gewiss nicht so werthaltige Violinsonate des Mozart-Sohnes mit Eleganz, heiterer Unbeschwertheit und sonniger Heiterkeit. Es ist so schönes Wetter draußen steht über der Violinsonate op. 32/2 von Hindemith mit den Variationen über Mozarts „Komm, lieber Mai“ – und so schönwettrig mit federleichtem Strich spielt Clarissa Bevilacqua, so dass man glaubt, die Pusteblumen fliegen zu sehen (Track 4-7). Nachdenklich-verhalten singt sie dafür in der ätherisch klingenden Cadenza von Sophia Jani über zwei Takte aus Mozarts e-Moll-Sonate (Track 9). Hochkonzertriert-entschlossen und energisch gespannt klingt die Geigerin in To be Mozart or not to be! (Track 9) von Florian Willeiter, sie bleibt da makellos rein auch in den technisch herausfordernden Passagen mit jaulenden Glissandi und Flageolett-Passagen, die bis ins Unhörbare verschwinden.
Sektsprühender Humor
Freudigen Humor beweist Clarissa Bevilacqua in den Variationen über se vuol ballare WoO 40 von Beethoven (Track 10), als könne sie sich in den jungen stürmischen Komponisten hineinversetzen, der sich gerade anschickt, Wien zu erobern. Spätestens da muss man über die Pianistin sprechen: Die temperamentvoll aufspielende Martina Consonni agiert im völligen Einklang mit der Geigerin und gestaltet ihren gewiss nicht leichten Part ebenfalls mit einem gehörigen Schuss sektsprühenden Humor. Für Moz-Art für zwei Violinen von Alfred Schnittke (Track 11), eine Art humorige Etüde, die gezielt „unsauber“ klingt, weil die eine Geige in D-Dur, die andere in e-Moll spielen muss, hat sich Clarissa Bevilacqua ihre Freundin Larissa Cidlinsky geholt. Beiden hört man ihren Spaß an dieser etwas respektlosen Mozart-Adaption an. Und dann wird am Ende doch das Spiel von Clarissa Bevilacqua erdiger und körperreicher, hat sie Mut zum „körnigen Sound“ (so sagt sie selberim Booklet) im glutvollen Trazon von Giovanni Sollima (Track 14): Allein dieses Spiel verheißt noch viel mehr.
Auch wenn man einer Debüt-CD vielleicht nicht gleich die volle Punktzahl geben sollte: Mich hat die reine Frische und die humorvolle Spielfreude überzeugt, die aus dem Spiel von Clarissa Bevilacqua hervorleuchtet, aber auch der Mut zu dieser ungewöhnlichen Konzeption. Der makellose Raumklang, der die Geige vom Klavier sauber trennt, tut ein Übriges dazu.
Rainer W. Janka [24.03.2026]
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Komponisten und Werke der Einspielung
| Tr. | Komponist/Werk | hh:mm:ss |
|---|---|---|
| CD/SACD 1 | ||
| Franz Xaver Mozart | ||
| 1 | Violinsonate B-Dur op. 7 | 00:21:26 |
| Paul Hindemith | ||
| 4 | Sonate für Violine allein op. 31 Nr. 2 (Es ist so schönes Wetter draußen) | 00:10:44 |
| Sophia Jani | ||
| 8 | Cadenza für Violine und Klavier | 00:05:22 |
| Florian Willeitner | ||
| 9 | To be Mozart or not to be! (basierend auf Motiven von Mozarts Violinkonzert Nr. 3 G-Dur KV 216) | 00:06:34 |
| Ludwig van Beethoven | ||
| 10 | Variationen über Se vuol ballare aus »Le nozze di Figaro« von W.A. Mozart WoO 40 | 00:11:23 |
| Alfred Schnittke | ||
| 11 | Moz-Art für 2 Violinen (nach dem Fragment KV 416d) | 00:05:53 |
| Jorge A. Bosso | ||
| 12 | Ascoltate, dei della vendetta (Der Hölle Rache) | 00:10:08 |
| Giovanni Sollima | ||
| 14 | Trazom | 00:04:12 |
Interpreten der Einspielung
- Clarissa Bevilacqua (Violine)
- Martina Consonni (Klavier)
- Larissa Cidlinsky (Violine)
