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CD-Besprechung

harmonia mundi HMC 901740

1 CD • 74min • 2001

01.11.2001

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Angesichts der Instrumentenkombination von Flöte und Geige scheint es sehr reizvoll, den Part des Tasteninstrumentes im Tripelkonzert mit einem Fortepiano zu besetzen, ergibt sich doch so die Möglichkeit, das Weiterwirken des Vaters Bach in die Zeit seiner Söhne unter Beweis zu stellen und ihn vom lastenden Vorurteil der Altväterlichkeit zu befreien. Die Zusammenstellung mit einem Clavierkonzert von Johann Gottfried Müthel (1728-1788), der im Todesjahr des Thomaskantors nach Leipzig eilte, um sich als letzter Schüler am verlöschenden Quell musikalischer Weisheit zu nähren, legt den Gedanken nahe, bei der vorliegenden Einspielung handele es sich um ein Programm der Emanzipation aus epochenverhafteter Starrheit.

Leider gelingt ein solches (nur unterschobenes) Vorhaben lediglich teilweise: Der "sentimentalische" Ansatz Müthels scheint die gesamte Interpretationshaltung der CD zu bestimmen. Das wird besonders deutlich am Vergleich des Cembalokonzerts BWV 1052: Wo van Asperen und Melante Amsterdam eine in sich ruhende Beschwingtheit verbreiten, die den Eindruck einer aus dem spontanen Einfall entstehenden Musik nahelegt, bieten Raphael Alpermann und die Akademie für Alte Musik Berlin die Illusion einer Veranstaltung, der man die Nervosität improvisierender Musiker anmerkt, obwohl man weiß, daß sie sich auf einen genialen Notentext verlassen können.

Das Tripelkonzert befriedigt auf den ersten Eindruck mehr: die Klanglichkeit dreier "galanter" Instrumente scheint pefekt zu passen. Doch der Vergleich mit den anderen Einspielungen des Stücks belehrt eines Besseren: Rampe arbeitet, besonders im zweiten Satz, die filigrane Textur des Stückes heraus, Parrott bietet eine beredte Darstellung der musikalischen Inhalte, eben "Klangrede", während bei der Akademie für Alte Musik mehr instrumentenbezogene Klangarbeit geliefert wird, die entfernt an Spitzenklöppelei erinnert.

In Müthels Clavierkonzert, mit Christine Schornsheim als fulminanter Solistin, laufen die Berliner allerdings zur Hochform auf: Alle Parameter stimmen, keine Übertreibung des "Sentiments" stört mehr den Fluß der Musik, jedes Verhalten ist aus dem Fortgang des Stückes zu erklären. Hier erklingt eine Komposition, die den besten Schöpfungen der Generation (etwa von Carl Philipp Emmanuel Bach) ebenbürtig ist. Und diese genialische Interpretationsleistung läßt vorherige Mißverständnisse verzeihen.

Detmar Huchting [01.11.2001]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Johann Sebastian Bach
1Cembalokonzert Nr. 1 d-Moll BWV 1052
2Konzert a-Moll BWV 1044 für Flöte, Violine und Cembalo
Johann Gottfried Müthel
3Klavierkonzert B-Dur

Interpreten der Einspielung

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